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Warnung
Gewerkschafter befürchten Lohndumping am Gotthard

Der neue Gotthard-Tunnel: Am 01. Juni findet die Eröffnungsfeier statt. Keystone

Im neuen Gotthard-Tunnel werden viele internationale Züge fahren. Der grenzüberschreitende Verkehr darf sich aus Sicht der Gewerkschaften nicht auf die Löhne auswirken. Sie warnen vor Lohndumping.

Veröffentlicht am 27.05.2016

Vor der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels fordern Bahngewerkschaften aus mehreren Ländern, dass das Bahnpersonal den Lohn des jeweils befahrenen Landes erhält. Der grenzüberschreitende Verkehr dürfe nicht für Lohndumping genutzt werden.

Mit der «symbolischen» Blockierung je einer Lokomotive in den Rangierbahnhöfen Muttenz BL und Chiasso TI unterstrichen Gewerkschafter am Freitag ihre Forderungen. Sollten diese nicht umgesetzt werden, komme es zu weiteren Blockaden, sagte Giorgio Tuti von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) vor den Medien in Basel.

Deutsche und Italiener haben tiefere Löhne

Durch die Inbetriebnahme des neuen Gotthardtunnels könne die Bahn die Schweiz in wenigen Stunden durchqueren, sagte Tuti. Dabei benötige der Lokführer nicht einmal eine Pause. Der Gewerkschafter befürchtet ein Lohndumping im Transitverkehr, weil die Lokführer in Italien und Deutschland niedrigere Saläre haben als in der Schweiz.

Deshalb soll das Entsendegesetz auch für den Bahnverkehr gelten. «Nur weil der Arbeitsplatz des Lokführers mobil ist, sollten nicht andere Rahmenbedingungen gelten als für Handwerker», sagte Tuti. Es sollen mindestens diejenigen Löhne ausbezahlt werden, die am Ort der erbrachten Leistung branchenüblich sind, forderte Tuti. Der Wettbewerb soll «anständig» sein.

«Schweizer Lohn auf Schweizer Schienen»

Die deutsche Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) wolle verhindern, dass sich beim Transitverkehr eine Lohnspirale nach unten in Bewegung setze, sagte der Vorsitzende Alexander Kirchner. Deshalb laute die Forderung «Schweizer Lohn auf Schweizer Schienen». Damit würden auch die Schweizer Arbeitsplätze geschützt.

Kirchner sagte, die Gewerkschaften wollten eine gleiche Situation wie beim Strassenverkehr verhindern, wo Bus- und LKW-Lenker, die in Billiglohnländern angestellt werden, durch ganz Europa fahren. Diese Bewegung wachse auch in den Eisenbahnsektor. Um ihre Forderungen durchzusetzen, schlossen sich die Bahngewerkschaften aus Deutschland, Italien und der Schweiz zusammen. Sie werden dabei unterstützt von der in Brüssel ansässigen Eisenbahnsektion der Europäischen Transportarbeiter-Föderation.

(sda/mbü/ama)

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