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Gewinn in 2011: Bank of America verkauft Tafelsilber

Bank of America: Die Aktie liegt am Boden, konnte sich jedoch leicht erholen. (Bild: Keystone)

Die Bank of America ist 2011 aus den roten Zahlen herausgekommen. Doch die Erholung ist teuer erkauft. Denn die Bank musste dafür den Schatz des Unternehmens antasten.

Veröffentlicht am 19.01.2012

Die Bank of America bleibt der Sorgenfall unter den US-Grossbanken. Windige Hypothekengeschäfte aus der Vergangenheit hängen wie ein Damoklesschwert über dem Branchenriesen. Erschwerend kommen die Auswüchse der Schuldenkrise hinzu. Einstweilen konnte die Bank im Gesamtjahr aber einen Verlust ganz knapp abwenden, indem sie Tafelsilber verkauft hat.

Nachdem auch die Vorzugsaktionäre ihr Geld bekommen haben, blieb unterm Strich ein Gewinn von 85 Millionen Dollar übrig, wie die Bank bekanntgab. Für das zweitgrösste Kreditinstitut der USA ist das ein Kleckerbetrag. Immerhin kam die Bank aus den roten Zahlen heraus. Im Jahr 2010 war noch ein Verlust von 3,6 Milliarden Dollar angefallen.

Die Erholung ist aber teuer erkauft. Denn Bankchef Brian Moynihan musste dafür den Schatz der Firma antasten: die Beteiligung an der China Construction Bank. Statt 10 Prozent hält die Bank of America nun nur noch rund 1 Prozent der Anteile an dem wichtigen chinesischen Institut. Alleine im Schlussquartal spülten die Verkäufe 2,9 Milliarden Dollar in die Kasse - ein Bargeld-Polster, das in Krisenzeiten wie diesen überlebenswichtig sein kann.

Problem Countrywide

«Wir gehen stärker und effizienter ins Jahr 2012 hinein», beteuerte Moynihan. Der Manager hat einen gross angelegten Umbau angestossen, bei dem auch 30'000 Jobs wegfallen sollen. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Mitarbeiter bei dem Finanzkonzern aus Charlotte in North Carolina bereits um 3800 auf 284'600 geschrumpft. Moynihan machte rund 150 Filialen dicht.

Mit gut 5700 Standorten ist die Bank of America aber immer noch eines der wenigen Kreditinstitute, das landesweit in den USA vertreten ist. Das schaffen sonst nur noch Branchenprimus JP Morgan Chase, Wells Fargo oder die Citigroup. Angesichts ihrer schwierigen Lage hat die Bank of America aber nach Informationen des «Wall Street Journal» einen Plan in der Hinterhand, sich bei Geldmangel notfalls aus ganzen Regionen zurückzuziehen.

Doch woher stammen die Probleme? Die Bank of America hatte in der Finanzkrise den US-Immobilienfinanzierer Countrywide übernommen. Das erwies sich als schwerer Fehler, weil Countrywide Kredite viel zu lax vergeben hatte und Hausbesitzer reihenweise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten. Das wiederum führte zu hohen Verlusten.

Aktie legt zu

Überdies beklagen sich Investoren, sie seien von Countrywide bei Hypotheken-Geschäften betrogen worden und fordern milliardenschweren Schadenersatz von der Bank of America. Ein Vergleich, der die Situation entspannen würde, hängt noch in der Schwebe.

Der Aktienkurs liegt am Boden. Kurz nach Börseneröffnung konnte sich das Papier angesichts eines besser als erwartet ausgefallenen Schlussquartals jedoch um gut 5 Prozent auf mehr als 7 Dollar erholen. In den letzten drei Monaten des Jahres verdiente die Bank of America unterm Strich 1,6 Milliarden Dollar, nachdem im Vorjahreszeitraum ein Verlust in gleicher Höhe angefallen war.

Die Investmentbanking-Sparte Merrill Lynch musste jedoch angesichts der Finanzmarkt-Turbulenzen einen Verlust hinnehmen. Dagegen lief das Privatkundengeschäft besser. Die Kreditnehmer zahlen ihre Raten wieder zuverlässiger. Die Zahlen sind aber selbst für Experten kaum durchschaubar wegen zahlreicher Sondereffekte wie den Anteilsverkäufen in China.

(tno/awp)

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