Googles heisse Wachstumsphase ist offenbar noch immer nicht vorbei. Der Internetkonzern verblüffte mit einem unerwartet guten Quartalsergebnis. Der Gewinn stieg in den ersten drei Monaten um 30% auf 1,3 Mrd Dollar. Der Umsatz liegt um 42% auf knapp 5,1 Mrd Dollar. Mit dieser Nachricht verblüffte der Konzern aus dem kalifornischen Silicon Valley die Anleger. Der Aktienkurs legte Ende Letzter Woche im Handelsverlauf um mehr als 20% zu, nachdem er seit Jahresbeginn 35% an Wert verloren hatte. Branchenexperten hatten erwartet, dass die US-Wirtschaftskrise Googles Wachstum einen spürbaren Dämpfer verpassen würde. Die Marktforschungsfirma Comscore hatte vor kurzem eine Schätzung veröffentlicht, laut der Google seine Einnahmen durch Werbeanzeigen kaum noch würde steigern können. Google erzielt 99% seiner Einnahmen durch Online-Werbung.

Kritiker werden enttäuscht

Der Konzern strafte die Kritiker jedoch Lügen. Die Werbeanzeigen, die der Konzern neben seinen Suchergebnissen platziert, wurden in den vergangenen drei Monaten um 20% häufiger angeklickt als im Vorjahreszeitraum. Diese Klickrate ist für Google essenziell. Denn die werbenden Unternehmen zahlen in der Regel erst dann eine Gebühr, wenn der Nutzer auf die Anzeige klickt. Den deutlichen Zuwachs habe der Konzern geschafft, in dem er immer ausgefeiltere Technik einsetzte, um die Werbeanzeigen treffgenau zu platzieren, sagt Vorstandschef Eric Schmidt. «Wir zeigen weniger, aber dafür besser zugeschnittene Anzeigen, und das macht zum Teil unseren Erfolg aus», so Schmidt. Googles Werbetechnik ist offenbar mittlerweile so fortgeschritten, dass auch Konkurrenten diese nutzen wollen.

Ausland gibt Schub

Momentan testet der Internetkonzern Yahoo, die Anzeigenvermittlung neben seinen Suchergebnissen an Google auszulagern. Mit diesem Schritt will Yahoo effizienter werden, seinen Wert steigern und vor allem eine Übernahme durch den Technologiekonzern Microsoft abwehren. Aus Unternehmenskreisen hiess es, der zweiwöchige Test sei bisher sehr zufriedenstellend verlaufen (siehe Text unten).

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Trotz des momentanen Erfolges mit den Suchanzeigen arbeitet der Konzern mit Hochdruck daran, sein Geschäft in andere Bereiche der Internetwerbung auszuweiten. Im vergangenen Quartal schaffte Google einen wichtigen Schritt. Der Konzern übernahm endgültig für 3,2 Mrd Dollar die Firma DoubleClick, die sich auf die Vermittlung von sogenannten Display-Werbeanzeigen im Netz spezialisiert hat, etwa Bannerwerbung und Videoclips.

Google profitiert derzeit überdurchschnittlich vom Wachstum seines Auslandsgeschäfts. Denn aufgrund des schwachen Dollar tragen im Ausland erzielte Einnahmen verhältnismässig stärker zum Umsatz bei. Der Konzern erwirtschaftet 51% seiner Umsätze ausserhalb der USA. Vor einem Jahr waren es noch 48%.

 

 


Yahoo will mit Google kooperieren, um Microsoft auf Distanz zu halten

Eine Anzeige-Partnerschaft von Yahoo mit Konkurrenten Google rückt näher. Yahoo wolle angesichts eines derzeit erfolgreich laufenden Tests das Geschäft mit Werbung im Umfeld von Suchergebnissen an Google auslagern, schrieb das «Wall Street Journal». Eine solche Werbe-Allianz würde Microsoft den Übernahmeangriff auf Yahoo erschweren. Allerdings wäre mit einer Prüfung der Wettbewerbshüter zu rechnen, da Google diesen Markt heute schon dominiert.

Eine Auslagerung der Werbeanzeigen rund um die Web-Suche an Google würde Yahoo dringend benötigte Zusatzeinnahmen bescheren. Google ist in der Vermarktung erfolgreicher und bekommt mehr Geld je Anzeige. Die beiden Unternehmen hatten den Probelauf kürzlich für 14 Tage angekündigt. Danach soll über das Potenzial entschieden werden.

Ende April läuft ein Ultimatum von Microsoft an Yahoo aus: Gelingt bis dahin keine Einigung über den Kauf, plant der Windows-Konzern eine feindliche Übernahme. Mit dem Kauf will Microsoft die Übermacht Googles bei den Suchanzeigen brechen. Yahoo lehnt das ursprünglich knapp 45 Mrd Dollar schwere Angebot bislang als zu niedrig ab.

Zur Abwehr der Übernahme verhandelt Yahoo Berichten zufolge auch mit dem Web-Portal AOL über eine Allianz. Auch Medienmogul Rupert Murdoch soll sowohl mit Microsoft als auch mit Yahoo im Gespräch sein. (hz)

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