Für die Swiss steht die Uhr ein paar Sekunden vor zwölf. Ohne einen massiven Kurswechsel, darin sind sich Aktionärs-Vertreter, Branchenkenner und Headhunter einig, droht die Swiss abzustürzen. Die letzte Hoffnung auf den befreienden Schwung ruht deshalb auf dem wahrscheinlichen Abgang von VR-Präsident Pieter Bouw an der kommenden Generalversammlung. «Damit kann die Swiss ihre letzte Chance packen, einen knallharten Sanierer an die Spitze des VR zu setzen», sagt ein Headhunter, der im Zusammenhang mit der Airline nicht genannt werden will. «Die einzige Aufgabe dieses Mannes ist to save Swiss, und sonst nichts.»

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Ein Nachfolger mit Finanzkompetenz

Mitbringen muss der neue Mann vor allem eines: Erfahrung in Krisensituationen und damit auch die Durchsetzungskraft, einen eingeschlagenen Weg trotz aller Kritik zu Ende zu gehen. Der Swiss-VR selbst setzt bei seiner Suche auf einen Mann mit einer grossen Nähe zur Schweizer Wirtschaft und Politik. Erfahrung im Airline-Business ist für das Gremium sekundär.

Für den ZKB-Analysten Patrik Schwendimann «muss der Nachfolger von Pieter Bouw ein geschickter Verhandlungspartner mit einer hohen Glaubwürdigkeit sein, Rückgrat zeigen und eine klare Strategie vorgeben und diese überprüfen». Dazu gehöre in erster Linie ein sicheres Auftreten gegenüber Finanzinstituten und anderen Geschäftspartnern. Gerade im Zusammenhang mit dem nach wie vor ausstehenden Überbrückungskredit in der Höhe von 300 bis 450 Mio Fr. ist dieser Punkt von entscheidender Bedeutung.

Die Vertrautheit mit Bankenkreisen ist auch für Hans-Jacob Heitz, Anwalt und Präsident der Schutzvereinigung Schweizer Anleger, ein wichtiges Kriterium bei der Suche nach einem neuen VR-Präsidenten. Daneben bezeichnet Heitz «ein Gespür für die politischen Gegebenheiten in der Schweiz» und «unternehmerischen Background» als wichtige Voraussetzungen für die Wahl des Bouw-Nachfolgers.

Nicht zuletzt müssen auch die Lücken geschlossen werden, die ein Rücktritt von Pieter Bouw hinterlässt. Airline-Experte Roger Ackermann: «Wenn Pieter Bouw abtritt, muss sein Airline-Know-how im Verwaltungsrat ersetzt werden.» Aber nicht unbedingt durch seinen direkten Nachfolger. Ebenso wenig muss der neue VR-Präsident allen gestellten Anforderungen gerecht werden. Denn mit einem allfälligen Abgang von Pieter Bouw sind auch andere Führungsmodelle möglich. Ein Überblick:

Modell 1: Der eiserne Besen

Das Modell ABB für die Swiss: Dabei würden die Funktion des CEO und des VR-Präsidenten zeitlich beschränkt zusammengelegt. Für manch einen ist dies gar die einzige Lösung, die Fluggesellschaft aus der Krise zu führen.

Das Anforderungsprofil: Ein erfahrener Manager à la Jürgen Dormann, der mit der nötigen Härte und viel Selbstvertrauen führen kann. Die Person muss zudem ein überzeugender Kommunikator sein und hat im Idealfall Airline-Erfahrung, einen Schweiz- und einen Bankenbezug. Eine mögliche Besetzung wäre laut Headhuntern Peter Wagner, ehemaliger Chef des Logistik- und Speditionskonzerns Danzas. Der heutige Präsident der Zürcher Privatbank Vontobel hatte bereits rund ein Jahr lang Einsitz im Swiss-VR, bevor er wegen Differenzen mit dem übrigen Verwaltungsrat sein Amt abgab. Er verfügt über eine hohe Glaubwürdigkeit und kann Restrukturierungsmassnahmen konsequent durchführen, ohne auf den Tisch zu hauen.

Modell 2: Der Schirmherr

In diesem Fall ist das VR-Präsidium mit jemandem zu besetzen, der über sehr gute Kontakte in der schweizerischen Politik und der Finanzwelt verfügt. Er müsste als Türöffner mit einer grossen Glaubwürdigkeit fungieren und den in sich uneinigen VR in eine gemeinsame Richtung trimmen. Hierfür in Frage kommen könnte ein Mann mit einem Profil von Ex-Bundesrat Kaspar Villiger. Dieser hat jedoch bereits mehrfach ein mögliches Engagement im Swiss-Verwaltungsrat dementiert.

Gleichzeitig würde der CEO-Posten mit einem erfahrenen Sanierer besetzt, der ähnlich dem früheren Swiss-Kommerz-Chef William Meany durchsetzungsfähig und entscheidungsstark ist. Branchenkenner würden dabei eine Person aus dem US-Raum oder aus Grossbritannien bevorzugen, da diese in der Regel die Zügel fest in die Hand nehmen und wenn nötig hart durchgreifen können.

CEO André Dosé würde bei dieser Variante eine andere Funktion innerhalb der Swiss übernehmen, die seinem Leistungsausweis und seiner Aviatik-Erfahrung entspricht.

Modell 3: Der Schlechtwetterkapitän

Wird einzig Pieter Bouw in seiner Funktion ersetzt, muss sein Nachfolger ein erfahrener, charismatischer Krisenmanager sein, der mit den Gepflogenheiten der hiesigen Politik umzugehen weiss und die Swiss in der Schweiz stärker verankern kann. Er muss über ein gutes Netzwerk in der Wirtschaft verfügen und nach der Devise «Gegen aussen weich, gegen innen hart» die Führung im Swiss-VR rasch übernehmen und jede Gruppenbildung vermeiden. Keine Voraussetzung, aber wünschenswert ist eine gewisse Erfahrung im Airline-Business. Als möglicher Kandidat wird auch hier Peter Wagner genannt.

Die Suche wird schwierig

Welches Modell sich auch immer durchsetzt, die Suche nach einem Kandidaten wird schwierig. «Vor zwei Jahren war der Job an der Swiss-Spitze noch heiss begehrt, doch heute heisst die Devise in der Branche: », sagt ein Headhunter.

Swiss-VR

Name Alter Eintritt

Pieter Bouw 63 Dez. 01

Jan Audun Reinas 58 Mai 03

Jacques Aigrain 49 Dez. 01

Walter Bosch 48 Mai 03

Claudio Generali 50 Dez. 01

André Kudelski 43 Dez. 01

Michael Pieper 48 Dez. 01

Urs Rohner 44 Dez. 01

Peter Siegenthaler 55 Dez. 01