Mit anspruchsvollen Konstruktionen und individuellen Hightech-Lösungen, vor allem für die Verkehrsindustrie vom PKW über Nutzfahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge bis hin zu Schienenfahrzeugen, befinden sich die Schweizer Giessereien weiter auf Erfolgskurs.

Als Mittelstandsbranche repräsentieren die Giesser einen wichtigen Bestandteil der Schweizerischen Maschinenindustrie. Die Kunden sind meist weltweit bekannte Konzerne, und der Exportanteil ist entsprechend hoch. In der Medizinaltechnologie und Labortechnik gewinnen Gussprodukte zunehmend an Bedeutung, dies mit sehr guten Perspektiven. Grösseres Potenzial liegt in Entwicklungen für die Energiegewinnung aus Wasser-, Wind-, Diesel- und Gasturbinenkraft.

Eine sehr positive Steigerung erfuhren die Eisen- und Stahlgiessereien. 2006 wuchs die Produktion von Gusseisen mit Kugelgraphit um 12% auf insgesamt 28500 t an; Gusseisen mit Lamellengraphit stieg um 7% auf 24500 t.

Bei den Leichtmetallen lag das Wachstum bei 17% (20846 t) gegenüber dem Vorjahr. Die hohen Metallpreise auf dem Weltmarkt konnten dabei teilweise weitergegeben werden. Die in der Schweiz verarbeitete Druckgusstonnage führte mit 14% zu einer Steigerung auf 14497 t. Der Sandguss verzeichnete mit einem Volumen von 3721 t ein Wachstum von 20%; der Kokillenguss schnellte um 30% hoch auf insgesamt 2628 t.

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Bei den Kupferlegierungen konnte – trotz des extrem gestiegenen Kupferpreises – das bereits hohe Niveau von 2005 übertroffen werden. Beim Sandguss nahm die Produktion gegenüber dem Vorjahr um 19% auf 2412 t, beim Ko-killenguss um 6% auf 708 t zu. Der Zinkdruckguss konnte eine Steigerung von 15% auf 1859 t verzeichnen.


Flexibilität macht stark

Nach dem Motto «Klein, aber fein» sichern sich die Schweizer Giessereien dank ihrer Reaktionsschnelligkeit und Innovationsfreude in allen Spezialdisziplinen einen – teils weltweiten – Wettbewerbsvorteil gegenüber grossen Industrieländern. Analog zu den immer kürzer werdenden Produktzyklen entwickelt und fertigt die Schweizer Gussindustrie ständig neue Hightech-Komponenten, die einzigartig sind und zudem schnell in Serie gehen können.

Vieles lässt sich heute in Guss realisieren, das gestern noch kaum machbar erschien. Ausgeklügelte Herstellungsverfahren sorgen dafür, dass nicht mehr nur einzelne Teile, sondern immer komplexere, ganzheitlich einbaufähige Produkte für die Kunden umgesetzt werden. Der Trend geht zu immer höherwertigen Werkstoffen, das heisst, diese müssen leichter, korrosionsbeständiger, hitzebeständiger oder verschleissbeständiger sein. Die Schweizer Giessereien treten mit ihren Innovationen in der Werkstoffentwicklung, ihren Fertigungsmethoden und mit einem sehr hohen Automatisierungsgrad international verstärkt als Generalunternehmer auf.


Fachkräfte gesucht

Durch die hohen Auslastungen gelangen die Schweizer Giessereien teilweise an die Grenzen der Belastbarkeit. Neues Fachpersonal muss oft aus dem Ausland herangezogen werden. Der Mangel an Schweizer Fachkräften liegt auch zum Teil an den fehlenden Weiterbildungsmöglichkeiten hierzulande. Mit der gebündelten Kraft all seiner Industriezweige ist der Schweizer Giesserei-Verband deshalb besonders engagiert, hier mit neuen Ausbildungseinrichtungen Abhilfe zu schaffen.

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Eric von Ballmoos, Präsident Giesserei-Verband Schweiz, Zürich.