1. Home
  2. Unternehmen
  3. Giftmüll in Afrika: Amnesty und Co. machen Druck auf Trafigura

Unternehmen

Giftmüll in Afrika: Amnesty und Co. machen Druck auf Trafigura

In Djibi-Village bei Abidjan ruhten im Juli 2011 die Putzarbeiten. (Bild: Handelszeitung)

Trafigura stiehlt sich beim Giftmüll-Skandal in der Elfenbeinküste aus der Verantwortung - das werfen drei Nichtregierungsorganisationen dem Rohstoffkonzern in einem neuen Bericht vor.

Veröffentlicht am 25.09.2012

15 Menschen starben, Zehntausende mussten mit Atemproblemen in Spitäler, als 2006 ein Schiff Giftmüll auf einer Abfallhalde in Abidjan (Elfenbeinküste) deponierte. Amnesty International (AI), Greenpeace Niederlande und die Erklärung von Bern (EvB) fordern, dass der Rohstoffkonzern Trafigura die juristische Verantwortung übernimmt.

Auf Grundlage eines Berichtes, den die Menschenrechts- und Umweltorganisationen heute in Dakar vorstellten, fordern sie die britische Regierung auf, Ermittlungen gegen den multinationalen Konzern wegen der illegalen Entsorgung von Giftmüll in der Elfenbeinküste aufzunehmen. Trafigura hatte damals den Sitz zwar in Genf. Die Entscheide, die zur Tragödie führten, wurden nach Angaben von AI aber vom britischen Zweig der Trafigura Corporate Group getroffen.

Laut Greenpeace, AI und EvB belegt der aufgrund von Einschätzungen von Augenzeugen und medizinischen Experten verfasste Bericht im Detail, «wie bestehende Gesetze zur Verhinderung solcher Tragödien missachtet wurden und wie mehrere Regierungen es versäumten, die Verfrachtung des Giftmülls zu stoppen».

Der Bericht hinterfrage auch die Rechtmässigkeit eines aussergerichtlichen Vergleichs zwischen Trafigura und der ivorischen Regierung, der dem Unternehmen ermöglichte, sich der Verantwortung für seine Rolle zu entziehen.

Schadensersatz oft in dunklen Kanälen verschwunden

Die «Handelszeitung» hatte im Juli 2011 mit einer Recherche vor Ort gezeigt, dass der Giftmüll das Land weiter beschäftigte und die Säuberungsarbeiten immer noch nicht abgeschlossen waren. Ebenfalss wurde deutlich: Trafiguras Schadenersatzzahlungen kamen oft nicht an, ein Grossteil verschwand in dunklen Kanälen.

Sechs Jahre nach der Tragödie sei es nun an der Zeit, dass Trafigura endlich die volle rechtliche Verantwortung übernehme, sagte der Generalsekretär von Amnesty International, Salil Shetty, gemäss Communiqué jetzt an einer Medienkonferenz in der senegalesischen Hauptstadt Dakar.

Es sei auch eine Geschichte über Unternehmenskriminalität, über die Verletzung von Menschenrechten und das Versagen von Regierungen, das eigene Volk und die Umwelt zu schützen, sagte Kumi Naidoo von Greenpeace.

Trafigura: «Falsche Aussagen»

In einer Stellungnahme zu einem Entwurf des Berichts, die der Nachrichtenagentur sda vorliegt, schrieb Trafigura Ende August, der Bericht enthalte «beträchtliche Ungenauigkeiten und falsche Aussagen».

Zudem würden selektive Schlüsse gezogen, die der Komplexität der Situation und der juristischen Prozesse nicht gerecht würden. «Die Gerichte von fünf Ländern haben die verschiedenen Aspekte des Zwischenfalls untersucht und ihre Entscheide dazu gefällt», schreibt Trafigura. Eine juristische Aufarbeitung habe somit stattgefunden.

Für Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen ist die Tragödie ein Fallbeispiel für die Kampagne «Recht ohne Grenzen», wie AI weiter schrieb. Darin werden Bundesrat und Parlament aufgefordert dafür zu sorgen, dass internationale Firmen mit Sitz in der Schweiz weltweit Menschenrechte und Umwelt respektieren.

Eine der grössten Firmen der Schweiz

Das von der niederländisch-schweizerischen Firma Trafigura gecharterte, unter der Flagge Panamas fahrende Schiff «Probo Koala» hatte im Sommer 2006 in Abidjan 528 Kubikmeter Giftmüll auf Halden unter freiem Himmel abgelagert. Mehr als 100'000 Menschen kamen gesundheitlich zu Schaden.

Trafigura beharrt darauf, keine Verantwortung für die Ereignisse zu haben. Der Konzern hatte 2007 zugestimmt, den ivorischen Behörden 198 Millionen Dollar zu zahlen, die ihrerseits versicherten, weitere juristische Schritte gegen die Firma zu unterlassen. Zwei Verantwortliche der Firma, die das Schiff entladen hatte, wurden 2008 zu Haftstrafen von 20 und 5 Jahren verurteilt.

Trafigura zählt zusammen mit Glencore und Nestlé zu den grössten Firmen der Schweiz. Im vergangenen Jahr erzielt der Konzern in 54 Ländern einen Umsatz von 122 Milliarden US-Dollar.

(tno/laf/awp/sda)

Anzeige