Die Raiffeisen Gruppe hat mit Heinz Huber einen neuen Chef gefunden. Der derzeitige CEO der Thurgauer Kantonalbank (TKB) übernimmt das Amt per 7. Januar 2019. Huber tritt damit die Nachfolge von Patrik Gisel an, der bei Raiffeisen vorzeitig zurückgetreten war.

Der 54-jährige Huber leitet die Thurgauer Kantonalbank seit 2014. Sein «unternehmerisches Denken und seine Umsetzungsstärke» hätten den Verwaltungsrat überzeugt, teilte Raiffeisen am Dienstag mit. Er verfüge über grosse Erfahrungen im Kreditgeschäft und ein «fundiertes Know-how im Hypothekar- und Firmenkundengeschäft».

Michael Auer, der seit Gisels Rücktritt die operative Leitung von Raiffeisen Schweiz hat, werde die Einarbeitung von Huber übernehmen und danach wie angekündigt aus der Organisation ausscheiden. Bei der Thurgauer Kantonalbank übernimmt derweil Hubers Stellvertreter Thomas Koller interimistisch den Vorsitz der Geschäftsleitung.

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Führung erneuert

Mit der Ernennung eines neuen Chefs setzt die Raiffeisen-Gruppe die Erneuerung der Führungsspitze und damit auch die Loslösung von der Ära des umstrittenen CEO Pierin Vincenz fort. Die Raiffeisen-Delegiertenversammlung hatte am 10. November mit Guy Lachappelle, dem vormaligen Chef der Basler Kantonalbank, einen neuen Verwaltungsratspräsidenten gewählt und weitere Verwaltungsräte aus der Vincenz-Ära ersetzt.

«Heinz Who?»

Frauenfeld und Weinfelden. Müllheim und Arbon. Rorschach und Kreuzlingen. Das ist die Welt der Thurgauer Kantonalbank. Bislang die Welt von Heinz Huber. Die Bilanzsumme des Instituts: 22 Milliarden Franken. Das reicht nicht einmal annähernd für die Top 10 in der Schweiz. Zum Vergleich: Die Raiffeisen kommt auf über 227 Milliarden Franken. Deshalb: Heinz Who? Lesen Sie hier den ganzen Kommentar von «Handelszeitung»-Finanzredaktor Sven Millischer zum Chefwechsel bei Raiffeisen.

CEO Patrik Gisel war unmittelbar vor der Delegiertenversammlung wegen des Vorwurfs eines Interessenkonflikts kurzfristig zurückgetreten. Der Grund war eine Liebesbeziehung des Raiffeisen-Chefs zu einer ehemaligen Raiffeisen-Verwaltungsrätin. Er selbst hatte allerdings betont, dass die Beziehung erst nach deren Ausscheiden aus dem Gremium im Sommer entstanden sei und es somit keinen Interessenkonflikt gegeben habe. Auch die Raiffeisen-Verantwortlichen hatten dies vor den Medien bestätigt.

Gisel hatte bereits im Sommer seinen Rücktritt per Ende 2018 angekündigt gehabt. In der Auseinandersetzung um das Geschäftsgebaren des früheren Raiffeisen-Chefs Pierin Vincenz war er als dessen damaliger Stellvertreter wiederholt kritisiert worden. Der neue Verwaltungsratspräsident Lachappelle hatte im Anschluss an seine Wahl eine rasche Neubesetzung des CEO-Postens angekündigt.

Vincenz-Aufarbeitung

Gegen den 2015 als Raiffeisen-CEO zurückgetretenen Pierin Vincenz läuft eine Strafuntersuchung der Zürcher Staatsanwaltschaft wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung. In seiner Zeit als CEO, als Raiffeisen durch eine starke Expansion und zahlreiche Übernahmen aufgefallen war, soll er laut den Vorwürfen bei Akquisitionen auch persönlich abkassiert haben. Vincenz war wegen der Vorwürfe wochenlang in Untersuchungshaft gesetzt worden.

Eine interne Untersuchung von Raiffeisen war zum Befund gekommen, dass in der Zeit von Vincenz teilweise «strategisch fragwürdige» Investitionen getätigt und Firmenkäufe zu teuer bezahlt wurden. Zudem habe unter Vincenz eine «Kultur des vorauseilenden Gehorsams» geherrscht, hiess es in der Untersuchung, deren Resultate teilweise an der Delegiertenversammlung veröffentlicht worden waren.

Patrik Gisel, Vorsitzender der Geschaeftsleitung der Raiffeisen-Bankengruppe, blickt auf sein Telefon nach der Bilanzmedienkonferenz, am Freitag, 24. Februar 2017, in Zuerich. Die Raiffeisen-Gruppe hat 2016 einen tieferen Gewinn erwirtschaftet. Mit 754 Millionen Franken blieben unter dem Strich 6,6 Prozent weniger als im Vorjahr. (KEYSTONE/Ennio Leanza)..

Patrik Gisel: Nahm vorzeitig den Hut.

Quelle: © KEYSTONE / ENNIO LEANZA