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Formel 1
Gläubiger bedrängen Rennstall Sauber

Wagen von Sauber, Betreibungsauszug: Hohe Forderungen. (Bild: Keystone/HZ)

Das Schweizer Formel-1-Team sucht dringend frisches Geld. Denn das Loch in der Kasse ist gross - bereits laufen mehr als zwei Dutzend Betreibungen im Wert von 1,2 Millionen gegen Sauber.

Von Jean-François Tanda und Jorgos Brouzos
am 10.07.2013

Endlich wieder ein Erfolgserlebnis für den gebeutelten Sauber Rennstall. Am Nürburgring gelang es Sauber-Pilot Nico Hülkenberg, mit seinem 10. Platz einen WM-Punkt zu ergattern. Es war der erste WM-Zähler nach vier punkte­losen Grands Prix. Das Auto fährt derzeit der Spitze hinterher. Ganze sieben WM-Punkte hat das Team aus Hinwil in dieser Saison gewonnen. Doch nicht nur die sportliche Bilanz ist durchzogen, auch wirtschaftlich sieht es düster aus.

Es fehlt viel Geld beim Schweizer Formel-1-Rennstall. Fahrer Nico Hülkenberg soll wegen ausstehender Mai- und Juni-Löhne bereits gekündigt haben, berichtet die deutsche «Bild». Gemäss «Tages-Anzeiger» sollen bei Sauber rund 30 Millionen Franken fehlen, um die Saison zu Ende zu fahren.

Neues Kapital einschiessen

Doch vielleicht gehört der finanzielle Engpass bald der Vergangenheit an. Hinter den Kulissen läuft die Suche nach ­einem neuen Geldgeber auf Hochtouren. Rennstall-Chefin Monisha Kaltenborn verhandelt derzeit offenbar gleich mit drei verschiedenen Investorengruppen, erzählen Brancheninsider. Sie sollen zeitnah neues Kapital einschiessen. Die potenziellen Geldgeber stammen aus Osteuropa und Asien. Darunter befindet sich wohl auch ein international tätiger Automobilhersteller. Ob einer der drei am Schluss unterschreibt, ist noch völlig offen, könnte sich aber bereits in den nächsten Tagen entscheiden.

Kaltenborn hofft, den möglichen Retter mit drei Argumenten überzeugen zu können. Da gibt es zum einen die Technologie von Sauber, zum andern die Marke. Reizvoll scheint auch die Tatsache zu sein, dass sich in der Formel1 bald einiges ­verändern wird. Alleinherrscher Bernie Eccle­stone droht in München womöglich eine Anklage wegen Bestechung und Untreue. Ihm wird vorgeworfen, dem ehemaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky rund 44 Millionen Dollar Schmiergeld gezahlt zu haben. Der Formel-1-Boss spricht dagegen von einer Art Schweigegeld, damit Gribkowsky ihn nicht bei den britischen Steuerbehörden anschwärzt. Noch hat das Gericht über die Anklage nicht entschieden, doch Ecclestones Position im Rennzirkus gilt als geschwächt. Ein Neustart ohne ihn dürfte allen Teams ­zusätzlichen Spielraum verschaffen. «Ein guter Zeitpunkt für den Einstieg ins Geschäft», meint ein Branchenkenner.

Bei Sauber drängt die Zeit. Die Zulieferer warten auf ihr Geld und verlieren langsam die Nerven. Diverse Gläubiger haben Sauber auf über 1,2 Millionen Franken betrieben. Vielfach handelt es sich um kleine Beträge. Summen wie 128.95 oder 415.15 Franken tauchen im Auszug aus dem Betreibungsregister Hinwil auf. Die meisten der 30 offenen Rechnungen belaufen sich auf wenige Tausend Franken. Die grössten Beträge im Umfang von über einer Million Franken stammen von einer Baarer Firma, die IT-Dienstleistungen finanziert.

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