Das Tauziehen um die Zukunft des maroden Industriekonzerns OC Oerlikon geht in die Schlussrunde: Das Bankenkonsortium, bei dem Oerlikon mit 2,4 Mrd Fr. verschuldet ist, soll laut Insidern bereit sein, auf 10% der Forderungen zu verzichten. Aber nur, wenn ein Chefrestrukturierer installiert wird (Chief Restructuring Officer, kurz CRO). Ein Oerlikon-Sprecher, der in einem Bericht der «Financial Times Deutschland» (FTD) keinen Kommentar abgeben wollte, sagt jetzt: «Oerlikon erwägt, das Restrukturierungsteam weiter auszubauen. In welcher Form, wird gegenwärtig in Abstimmung mit dem Bankenkonsortium diskutiert.»

Sulzer weiter an Kauf interessiert

Der CRO soll erst kürzlich im Rahmen der Verhandlungen mit Oerlikon von zwei angelsächsischen Banken ins Spiel gebracht worden sein. Üblicherweise erhält ein CRO eine Generalvollmacht oder stösst zur Konzernleitung. Im Fall von Oerlikon soll der Chefsanierer die Restrukturierung vorantreiben und dabei auch verstärkt nach möglichen Käufern Ausschau halten, die Teile des Konzerns übernehmen könnten. Nach wie vor interessiert ist der Winterthurer Industriezulieferer Sulzer: Ein Sprecher bekräftigt, dass Sulzer weiter am Beschichtungsgeschäft von Oerlikon interessiert sei.

Wer für den Posten des CRO in Frage kommt, darüber wird noch verhandelt. Der «FTD» zufolge zählten Berater der US-Sanierungsspezialisten FTI Consulting und Alix Partners zu den Favoriten. Die Ernennung eines CRO würde den Handlungsspielraum des designierten neuen Oerlikon-CEO Michael Buscher bereits beschneiden, noch bevor er seinen Job angetreten hat. Der Bombardier-Manager soll «voraussichtlich im Mai» zu Oerlikon wechseln. Buscher war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Warum die Banken einen Chefsanierer bei Oerlikon fordern, begründen involvierte Kreise mit dem Misstrauen der Gläubigerinstitute. «Die Banken wollen einen Aufpasser für ihr Geld haben, das sie bei der geplanten Kapital-erhöhung über total 800 Mio Fr. einschiessen sollen.» Vorgesehen ist, dass Oerlikon-Grossaktionär Viktor Vekselberg, der rund 45% an Oerlikon besitzt, rund die Hälfte der Kapitalrunde bestreitet. Im Gegenzug fordert er von den Gläubigern einen Forderungsverzicht. Die Kapitalerhöhung soll in diesem Frühjahr stattfinden.

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