Einst glänzten gute Uhren mit Lagern aus Rubin und Saphir. «Davon sind wir abgekommen. Das ist zum Massenmarkt mit Margendruck geworden», erklärt Beat Allemann, Head of Sales & Marketing von Stettler Sapphire. Stattdessen hat sich das KMU auf Uhrengläser spezialisiert. Inzwischen steht mit Martin Stettler die fünfte Generation an der Spitze des Familienbetriebs: «Besonders grosse Uhrengläser und vor allem spezifische Formen sind unsere Stärke.» Da glänzt man mit höchster Schweizer Qualität.

Die Ansprüche sind enorm, denn nur perfekt ist gut genug, zumindest in den oberen Preisklassen. «Saphirgläser finden sich aber schon ab dem mittleren Segment», sagt Allemann. Zunehmend würden die Hersteller anderer Konsumgüter die Qualitäten des Materials entdecken. Dank Saphirglas bleiben Bildschirme von Handys und Scanner-Kassen transparent oder die Bedienungsflächen von MP3-Spielern unzerkratzt.

Härter ist die Ausweitung der Tätigkeit in die Industrie. «Künstlich hergestellter Saphir steht in Konkurrenz zur viel günstigeren Keramik. Doch über die Lebensdauer eines Werkzeuges oder Instrumentes gerechnet wird Saphir konkurrenzfähig», führt Allemann aus. Die Lebensdauer überzeuge besonders bei Anwendungen, wo der Service oder der Teileaustausch sehr aufwendig sei. Darum setze etwa die Bohrindustrie auf Saphire - oder die Raumfahrt.

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Nischen gewinnen an Bedeutung

Ein weiteres Einsatzfeld sind Sensoren, die Endoskopie oder die Messtechnik, wo die kleinste Abweichung von der optimalen Form Messergebnisse verfälschen kann. «Saphir widersteht chemisch fast allen Stoffen.» Ein Markt, der wohl viel Potenzial hat, sind Laserspitzen. Lasern statt bohren gilt als Verfahren der Zukunft. Mit der Ausweitung will Stettler seine Firma auf Wachstumskurs halten. «Primär organisch», präzisiert er. Mittelfristig sollen technisch orientierte komplexe Teile aus Saphir einen Viertel des Umsatzes bringen; noch sind es 10 bis 15%.

Eine weitere «erfreuliche» Nische sind Klebstoffe und Schutz-lacke. Saphir ist auf Spannungen empfindlich, also muss das Material zum Bearbeiten aufgeklebt werden, anschliessend geschützt. Doch weder Leim noch Lack gab es in ökologisch unbedenklicher Qualität, weshalb einer der Ingenieure entsprechende Produkte entwickelte. Heute verkaufe das KMU diese auch den Konkurrenten - in Anbetracht der sonst hohen Umweltabgaben auf Lösungsmitteln ein gutes Geschäft. Verstärkt wurde diese Sparte 2005 durch die Übernahme der Rechte an den Produkten von CCS. Wichtiges Ziel von Stettler bleibe die Orientierung am Cashflow. Das helfe, die Unabhängigkeit zu bewahren und die regelmässigen, oft hohen Investitionen zu finanzieren.

Hinter dem Erfolg stehen laut Stettler zwei Hauptfaktoren: Viel Aufwand für Forschung und Entwicklung und eine pragmatisch, aber ständig optimierte Produk- tion. Eigene Labors stellen sicher, dass nur homogene Saphire verarbeitet werden. Erst damit lasse sich die hohe Qualität garantieren. Selber zieht der Betrieb Saphirplatten aus dem Rohmaterial Aluminiumoxyd: Ein langsamer Vorgang bei 2000 °C - kein Wunder, plagen die steigenden Energiepreise.

Mit anderen Verfahren hergestellte Rohlinge werden zugekauft. Zum andern betreibt Stettler Sapphire eine pragmatische Verbesserung der Produktion. «Es muss nicht jeder Fünfer aus den Betriebsabläufen gepresst werden», sagt Stettler. So stehen neben neusten leistungsfähigen Maschinen äusserlich museumswürdige Automaten für den Handschliff. «Gewisse Uhrenhersteller wünschen auch für die Gläser Handschliff. Und handwerkliches Können erlaubt freies Bearbeiten.» Stettler ergänzt: «Nicht zuletzt bieten wir so Arbeitsplätze für handwerklich begabte Leute und nicht nur anforderungsreiche Aufgaben zur Überwachung von Maschinen.»

200 Leute arbeiten auf Mauritius

Neben dem Standort in Lyss gehört ein Werk auf Mauritius zur optimierten Produktion. In der 1989 eröffneten Filiale erbringen gegen 200 Beschäftigte nicht automatisierbare Arbeiten. In der einst französischen Kolonie hat Edelsteinschliff Tradition. Dank modernster Informatik lassen sich die Abläufe von Lyss aus steuern - und weil die Arbeitsstücke nur wenig wiegen, sei auch der Transport auf dem Luftweg kein Hindernis.