Die Glarner Kantonalbank (GLKB) könnte noch in diesem Sommer mit ihren Aktien an die Schweizer Börse kommen. Die Glarner Kantonsregierung beantragt dem Landrat eine Erhöhung des heute 80 Millionen Franken betragenden Eigenkapitals um weitere 35 Millionen Franken. Stimmt das Kantonsparlament dem Antrag in seiner Sitzung am 23. April zu, könnte der Börsengang bereits im Juni erfolgen, heisst es bei der GLKB.

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Bei dem Börsengang sollen maximal 3,5 Millionen neue Aktien mit einem Nominalwert von 10 Franken an die Börse gebracht werden, wie die GLKB und die Glarner Staatskanzlei am Mittwoch mitteilten. Der Platzierungspreis der Aktien solle dabei im «Bookbuilding»-Verfahren ermittelt werden.

Volksaktie angestrebt

Mit der Schaffung einer Volksaktie soll die Glarner Bevölkerung direkt am Geschäftsergebnis der eigenen Kantonalbank teilhaben, heisst es in der Mitteilung: «Eine Publikumsöffnung wäre für das ganze Glarnerland ein positives Zeichen - für die Bevölkerung, den Kanton und die Bank», wird Rolf Widmer, Finanzdirektor des Kantons Glarus, zitiert.

Die GLKB war 2010 von einer öffentlich-rechtlichen Anstalt in eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft umgewandelt worden. Mit dieser Rechtsform ist auch die Möglichkeit offen gehalten worden, dass sich Dritte an dem Institut beteiligen können. Das Staatsinstitut war 2008 nach einer fehlgeschlagenen aggressiven Expansionspolitik in eine Krise geraten und musste damals einen Verlust von 56 Millionen Franken ausweisen.

Ausstehendes Wandelanleihen-Kapital

Der Börsengang der GLKB-Aktie würde auch für die Inhaber der 2011 von der GLKB begebenen Wandelanleihe eine wichtige Rolle spielen, wenn es um den Entscheid geht, ob sie ihre Schuldscheine in Aktien wandeln sollen. Die Inhaber der Anleihe können Ende 2021 entscheiden, ob sie die Darlehen zu einem festgelegten Preis in Namenaktien umtauschen oder eine Rückzahlung wollen. Im Fall der Umwandlung würde das Aktienkapital um maximal 20 Millionen Franken aufgestockt.

Die Wandelanleihe war von der GLKB ausgegeben worden, um den gesetzlich festgeschriebenen Eigenmitteldeckungsgrad von 165 Prozent zu erreichen. Gezeichnet wurde sie damals von insgesamt acht Kantonalbanken.

Verstärkung des Eigenkapitals

Sollte der Börsengang zustande kommen, so wird die Kapitalerhöhung zunächst vom Kanton gezeichnet werden, erst danach wird der Kanton die Aktien - wohl möglichst mit einem finanziellen Gewinn - an die Börse bringen, wie GLKB-CEO Hanspeter Rhyner am Mittwoch im Gespräch mit der AWP erläuterte. «Wem dabei wie viel Geld zufliesst, lässt sich aber erst sagen, wenn ein Emissionspreis steht.»

Die damit verbundene Kapitalerhöhung würde aber das Eigenkapital der Kantonalbank weiter stärken, wie der CEO bestätigte. So liege der Eigenmitteldeckungsgrad des Instituts heute mit 195 Prozent zwar klar über den gesetzlich vorgeschriebenen 165 Prozent. «Im Vergleich mit den anderen Kantonalbanken sind wir damit aber noch knapp unter dem Durchschnitt», meinte er.

Ein weiterer Faktor ist dabei die Wandelanleihe der Glarner Kantonalbank: Unter den geltenden Regelungen kann diese zwar dem Eigenkapital zugerechnet werden, allerdings reduziert sich die Anrechenbarkeit jedes Jahr, wie Rhyner sagte.

Schwierige Suche nach Partnern

Zurückgestellt worden ist derweil die Suche nach einem strategischen Partner, der sich finanziell an der Bank beteiligen würde. Entsprechende Verhandlungen sind offenbar nicht erfolgreich gewesen. Auch beim Einstieg eines Partners muss der Kanton gemäss Gesetz die Mehrheit an der Kantonalbank behalten.

(awp/vst/sim)