Mit dem Bau der neuen Glasfaserinfrastruktur wird in der Schweiz derzeit das Infrastrukturprojekt für die kommenden Jahrzehnte realisiert. Allein die Swisscom wird rund 6 Mrd Fr. investieren.

Auch die Elektrizitätswerke (EW) buttern hunderte von Millionen Franken in die neue Technologie - und wollen sich so in der Telekombranche ein zweites Standbein aufbauen.

Eine echte Konkurrenz zur national tätigen Swisscom sind die EW bisher aber noch nicht. Dazu müssten sie erst ihre kommerziellen Angebote vereinheitlichen. Orange-Chef Andreas Wetter begründet: «Für den Wettbewerb ist es unerlässlich, dass sich die Netzanbieter auf ein identisches, standardisiertes Netzzugangsangebot einigen. Alles andere gipfelt zwangsläufig in einer Situation, die wir während den vergangenen zehn Jahren beim Kupfernetz kennen: Die Dienstanbieter und damit der Wettbewerb werden am Tropf der Monopolinfrastruktur hängen.» Wetter ist «aufgrund des in der Schweiz gelebten Föderalismus» allerdings eher skeptisch, dass sich die EW innert nützlicher Frist einigen können.

Eines ist aber klar: Für private Firmen wie Sunrise, Orange oder Cablecom sind milliardenschwere Investitionen in eine neue Infrastruktur nicht zu stemmen. Um strittige Bereiche beim Netzbau wie etwa die Übergangspunkte von einem Anbieter zum anderen zu definieren, fand letzte Woche in Bern unter der Leitung von Marc Furrer, Präsident der Regulationsbehörde ComCom, ein Runder Tisch statt. Wichtige Punkte wie der Preis für den Netzzugang blieben jedoch ungeklärt (siehe «Nachgefragt»). Auch das technische Problem der Übergangspunkte hemmt laut Wetter die Enwicklung: «Je mehr Zeit vergeht, bis den Dienstanbietern wie Orange ein einheitliches, standardisiertes Zugangsangebot vorliegt, desto mehr nützt dies der Swisscom, ihre Marktdominanz auch im Glasfaserbereich zu zementieren.»

Swisscom mitfinanzieren?

Ohne standardisierte Netzzugangsangebote, so Wetter weiter, seien die Dienstanbieter, die ein nationales Angebot erbringen wollten, «aus ökonomischen Gründen faktisch gezwungen, ihre Dienste über das sich abzeichnende, neue Infrastrukturmonopol zu erbringen und so die Swisscom auch in den nächsten Jahrzehnten mitzufinanzieren».

 

 

NACHGEFRAGT Andreas Wetter, CEO Orange Schweiz


«Wir halten regional unterschiedliche Preise für bedenklich»

Die Swisscom hat angekündigt, dass es in der Glasfasertechnologie regional unterschiedliche Preise geben werde. Ihre Reaktion?

Andreas Wetter: Angesichts der Erfahrungen im Ausland, die zeigen, dass sich Glasfaseranschlüsse in den Haushalten zwar rasch verbreiten, die Kunden beim Abonnieren und Nutzen der Dienste aber eher zurückhaltend sind, halten wir regional unterschiedliche Preise für bedenklich. Regional unterschiedlich gestaltete Angebote erschweren die Markttransparenz für die Kunden.

Über den Preis, zu dem Anbieter wie Orange Zugang zur neuen Infrastruktur haben, hat man sich nicht geeinigt.Was sind die Folgen?

Wetter: Neben dem Preis ist man sich über zahlreiche weitere zentrale Punkte noch nicht einig. Die Folgen sind bei allen Punkten die gleichen: Die weitere Entwicklung hin zu einem neuen Infrastrukturmonopol der einzigen integrierten, nationalen Anbieterin und zur Zementierung der bisherigen Marktverhältnisse für eine sehr lange Zeit in der Zukunft.

Einen Entscheid gab es am Runden Tisch: Das Mehrfasermodell wurde akzeptiert. Ist das für Orange eine gute Nachricht?

Wetter: Rein technisch spricht nichts gegen ein Mehrfasermodell. Im Hinblick auf die Marktverhältnisse stehen wir einem Mehrfasermodell, bei dem eine oder mehrere Fasern exklusiv von der Swisscom als einzige integrierte und nationale Anbieterin genutzt werden können, kritisch gegenüber. Faktisch zeichnet sich ein neues Monopol auf der Infrastruktur der Zukunft ab.

Im Parlament sind zahlreiche Vorstösse zur Telekombranche hängig. Ihre Prognose: Was wird passieren?

Wetter: Basierend auf den Erfahrungen der letzten 15 Jahre ist zu befürchten, dass es zu einem ähnlich faulen Kompromiss kommt, wie wir das von der heutigen Liberalisierung der Kupferleitungen kennen. Es soll zwar Wettbewerb geben, aber nur so viel, dass es der Swisscom nicht weh tut.

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