Die Glasfaser-Infrastruktur, so pflegte der frühere Cablecom-Chef Rudolf Fischer zu sagen, sei «die Neat der Informationsgesellschaft». Tatsächlich wird der Ersatz der heutigen Kupferleitungen, die den Bedarf nach höheren Bandbreiten bald nicht mehr decken, mehrere Milliarden Franken kosten und dürfte wie die Neat am Ende deutlich teurer werden als geplant.

Kein Wunder, versuchen die Akteure derzeit, sich für die Zukunft in eine möglichst gute Ausgangslage zu bringen. Vorverträge zwischen lokalen Elektrizitätswerken (EW) und der Swisscom wurden ausgehandelt. Nun befasst sich die Wettbewerbskommission (Weko) mit mehreren Dossiers.

Entscheid in fünf Monaten

Nach Informationen der «Handelszeitung» liegt auch der geplante Vertrag zwischen der Swisscom und dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) derzeit zur Prüfung bei der Weko. Es geht um die Frage, ob es zulässig ist, wenn Swisscom dem ewz ein exklusives Recht auf die Nutzung der nackten Faser einräumt. Im Fachjargon nennt sich das ein «Layer-1-Angebot». Darauf würden dann alle Anbieter ihre eigenen Glasfaserangebote aufbauen (siehe Kasten).

Carole Söhner-Bührer, Vizedirektorin für den Bereich Infrastruktur bei der Weko, will sich nicht zu einzelnen Dossiers äussern, sagt aber: «Wir haben von allen Beteiligten die Unterlagen vor wenigen Tagen erhalten und werden diese nun prüfen.» Spätestens in fünf Monaten soll ein Entscheid vorliegen. Ob die Wettbewerbskommission die Verträge zwischen der Swisscom und dem ewz gutheisst, bleibt für Telekom-Regulator Marc Furrer abzuwarten. Er sagt: «Die Weko sollte berücksichtigen, dass die Bestrebungen des runden Tisches genau den Wettbewerb im Breitbandmarkt fördern» - sie solle also nicht ein Element herauspicken und nur dieses beurteilen. Er gehe davon aus, dass die Weko die Telekom-Fachbehörde «konsultieren und auf sie hören wird».

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Klar ist: Während die Swisscom gelassen auf das Ergebnis warten kann, ist die Frage, wer die nackte Faser behält, für das ewz zentral. Denn ohne Exklusivrecht bliebe für die Zürcher weniger vom Gesamtkuchen übrig. Es ist fraglich, ob sich bei einem Nein der Weko zur Exklusivitätsklausel der Business Case für das ewz rechnet.

Trotz dieser Unsicherheit ist die Glasfaserzukunft in der Stadt Zürich weit fortgeschritten. 200 Mio Fr. haben die Stimmbürger vor rund drei Jahren gesprochen, damit das ewz rund 17 000 oder knapp 10% der Haushalte ans neue Netz anschliessen kann. Mittlerweile baut auch die Swisscom in Zürich Glasfaserleitungen, und neu soll in Zusammenarbeit ein flächendeckendes Netz entstehen. Wie teuer dieses grössere Netz sein wird, ist unklar. Die genannten Summen schwanken zwischen 430 Mio Fr. und gut 600 Mio Fr. Harry Graf, Sprecher des ewz, sagt: «Die Höhe steht noch nicht definitiv fest und ist unter anderem abhängig vom Ausgang der Verhandlungen mit Swisscom.» Die für den Ausbau nötig gewordene Volksabstimmung solle nächstes Jahr stattfinden. Ob die Stimmberechtigten einem weiteren Ausbau der Infrastruktur zustimmen, ist mit der Aussicht, dass aus diesem Investment wohl eher rote als schwarze Zahlen resultieren, unsicher. Was also passiert, sollte ein Nachtragskredit abgelehnt werden? Graf: «Wir gehen davon aus, dass das Stimmvolk zum flächendeckenden Glasfaserausbau die Zustimmung erteilen wird. Falls dies nicht der Fall sein wird, müsste über das Weiterbestehen von ewz.zürinet entschieden werden.» Das könnte etwa einen Ausstieg des ewz bedeuten.

Swisscom will weiter bauen

Ein solcher Ausstieg könnte die Investitionsbereitschaft der Swisscom in der Schweiz lähmen. Sie hat sich schliesslich erst zur Lancierung eines Glasfasernetzes durchgerungen, nachdem das ewz mit dem Bau seines Netzes begonnen hatte. Sprecher Olaf Schulze widerspricht jedoch: «Swisscom hat in diversen Städten mit dem Ausbau des Glasfasernetzes begonnen - auch ohne eine Kooperationsvereinbarung. Der Ausbau hängt also nicht von einer Kooperation ab.»

Dennoch sind solche Partnerschaften die Regel. So gaben etwa Swisscom und St. Gallen bekannt, im städtischen Ballungsraum gemeinsam ein Glasfasernetz bauen zu wollen. Welchen Anteil der Kosten die Swisscom übernimmt, sagt sie nicht öffentlich. Im Zusammenhang mit anderen Städten teilte sie mit, bis zu 60% der Investitionskosten zu übernehmen. In Basel etwa entspricht dies dem Marktanteil, den sie sich mit dem schnellen Internet erhofft. In allen grösseren Städten finden derzeit ähnliche Vorstösse statt.

Bei all diesen Kooperationen bemängeln Kritiker, die EW würden den Bau des Swisscom-Glasfasernetzes übermässig mitfinanzieren. Beim Verbund openaxs, in dem sich 17 EW zusammengeschlossen haben, lässt man dieses Argument nicht gelten. Geschäftsführer André Käser: «Solange die effektiven Marktanteile der EW mit ihrem Finanzierungsanteil übereinstimmen, findet keine Quersubventionierung zur Swisscom statt.» Unbestritten ist, dass es rund um Glasfasern noch viele offene Fragen gibt. Deshalb trifft sich die Branche am 26. August einmal mehr mit Telekom-Regulator Marc Furrer zu einem runden Tisch.