Konzernchef Andrew Witty redet Klartext: «Das wird Auswirkungen auf unser Abschneiden in China haben», sagte der Konzernchef heute bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das zweite Quartal. «Aber es ist noch zu früh, um das Ausmass zu bestimmen.» Die umstrittenen Praktiken widersprächen vollkommen den Werten des Konzerns. Trotz der Probleme bleibe China ein Schlüsselland für Investitionen.

Für Glaxo kommt der Dämpfer zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Denn die Briten haben mit Patentabläufen zu kämpfen, zudem setzen dem Konzern sinkende Medikamentenpreise in vielen Ländern Europas zu, was die Umsatzentwicklung zusätzlich bremst. Genau deshalb hatte Witty zuletzt verstärkt auf Schwellenländer wie China gesetzt, in denen mit wachsendem Wohlstand der Mittelschichten die Nachfrage nach westlichen Arzneien zunimmt. Das Reich der Mitte spielt für Pharmaunternehmen dabei allein schon wegen der enormen Bevölkerungszahlen eine Schlüsselrolle.

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Manager verhaftet

Glaxo räumte in dieser Woche ein, dass Spitzenmanager chinesisches Recht gebrochen haben. Der Konzern soll mit Hilfe von Reisebüros und Beratungsfirmen in erheblichem Umfang Ärzte und Behördenvertreter geschmiert haben, um die Verkaufszahlen anzukurbeln und Medikamentenpreise hochzutreiben. Vier chinesische Spitzenmanager von Glaxo wurden verhaftet. Laut den chinesischen Ermittlungsbehörden soll Glaxo seit 2007 umgerechnet 470 Millionen Franken überwiesen haben, um Schmiergeldzahlungen zu erleichtern. Unklar ist noch, wie das System konkret funktionierte. Die Affäre weitet sich inzwischen aber aus. So berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, weitere ausländische und chinesische Firmen könnten in den Skandal verwickelt sein.

Glaxo hat in den vergangenen Jahren kräftig in China investiert und betreibt dort inzwischen fünf Werke und ein Forschungszentrum. Das Unternehmen hat rund 7000 Beschäftigte China. Im zweiten Quartal erhöhten sich die Umsätze in dem asiatischen Land um 14 Prozent auf 212 Millionen Pfund. In Europa sanken die Pharmaerlöse dagegen um ein Prozent.

Höhere Umsätze

Insgesamt baute Glaxo im abgelaufenen Jahresviertel seinen bereinigten Gewinn je Aktie um ein Prozent auf 26,3 Pence aus. Das operative Ergebnis sank um 2 Prozent auf 1,94 Milliarden Pfund. Die Analystenprognosen übertraf der Konzern dabei leicht. Weltweit legten die Umsätze um zwei Prozent auf 6,62 Milliarden Pfund zu.

Seine Ziele für das Gesamtjahr bekräftigte der Konzern: Glaxo will 2013 seinen Umsatz in lokalen Währungen um rund ein Prozent ausbauen. Der Gewinn je Aktie soll um 3 bis 4 Prozent zulegen. Zudem bestätigte das Management die Eckdaten für den angekündigten Rückkauf eigener Aktien. Glaxo will 2013 eigene Anteilsscheine im Volumen von einer bis zwei Milliarden Pfund zurückkaufen.

(ste/aho/reuters)