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Glencore protestiert gegen Minen-Verstaatlichung

Firmensitz von Glencore: Man will sich die Verstaatlichung nicht gefallen lassen. (Bild: Keystone)

Glencore ist im Clinch mit der bolivianischen Regierung. Diese hat eine Mine des Rohstoffriesen verstaatlicht. Doch nun will der mit allen Mitteln dagegen vorgehen.

Veröffentlicht am 22.06.2012

Der Zuger Rohstoffkonzern Glencore protestiert gegen die Verstaatlichung einer seiner Minen in Bolivien. Der Konzern werde alle zur Verfügung stehenden Massnahmen ergreifen, um seine Rechte zu wahren und eine faire Entschädigung zu erhalten.

Die bolivianische Regierung hatte am Mittwoch die von der Glencore-Tochter Sinchi Wayra betriebene Zinn- und Zinkmine Colquiri dem staatlichen Konzern Comibol übergeben. Die Verstaatlichung sei genau zu dem Zeitpunkt gekommen, als Glencore in der Schlussphase der Neuverhandlungen der Bergbauverträge mit der Regierung gewesen sei, teilte der Konzern mit.

Das neue Abkommen hätte dem Staat 55 Prozent der Gewinne gebracht und zudem weitere Investitionen von Glencore in Höhe von 160 Millionen Dollar in den nächsten fünf Jahren. Davon wären alleine 56 Millionen Dollar in die Colquiri-Mine geflossen, schrieb der Konzern mit Sitz in Baar ZG.

Hohe Investitionen

Bisher habe Glencore über 250 Millionen Dollar in die bolivianische Bergbauindustrie und verwandte Branchen investiert. Die Aktion der Regierung in La Paz werfe nun ernsthafte Fragen auf über ihre Haltung gegenüber ausländischen Investitionen in den Bergbau.

Im Fokus von Glencore stünden nun die ordentliche Übergabe der Kontrolle der Colquiri-Mine an die Behörden und das Wohlergehen der Arbeiter. Die Mine alleine habe über 70 Millionen Dollar an Lizenzgebühren, Steuern und Gebühren an den Staat gezahlt.

Besetzung

Die Mine in Colquiri, 200 Kilometer südöstlich von La Paz, war vor zwei Wochen von genossenschaftlich organisierten Kumpeln blockiert und teilweise besetzt worden. Sie forderten die Abgabe einiger Fundstätten, um eigenständig Erz gewinnen zu können.

Sinchi Wayra hatte das zugesagt, stiess aber auf Widerstand der eigenen Kumpel, die ihre Arbeitsplätze gefährdet sahen. Bei Zusammenstössen zwischen beiden Arbeitergruppen waren am vergangenen Freitag 28 Kumpel verletzt worden.

Vertreter beider Gruppen stimmten am Montag der Verstaatlichung des 45-Prozent-Anteils von Sinchi Wayra an dem Bergwerk zu. Sie folgten damit einem Regierungsvorschlag. Vizepräsident Álvaro García Linera unterzeichnete am Mittwoch das Enteignungsdekret.

Der linkspopulistische bolivianische Präsident Evo Morales hat seit seinem Amtsantritt 2006 wiederholt Verstaatlichungen angeordnet, unter anderem in der Öl- und Stromindustrie. Erst Anfang Mai hatte er das Stromversorgungsunternehmen TDE, eine Tochter des spanischen Stromkonzerns REE, verstaatlicht.

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