Nach zahlreichen Anläufen entschlossen sich die Eigentümer der früheren SWX (Schweizer Börse), SIS (Clearing, Settlement und Custody) und Telekurs (Finanzinformationen, Zahlungsverkehr und Kartengeschäft) im Jahr 2007, ihre Aktivitäten unter einem Dach zusammenzufassen. Dieser Entscheid folgte im Licht grosser Übernahmen, stark veränderter Kunden-bedürfnisse sowie weitreichender regulatorischer Vorstösse. Ziel war es, durch den Zusammenschluss die finanziellen und personellen Ressourcen zu bündeln, um auf die veränderten Marktverhältnisse reagieren zu können.

Stärkung der Autonomie

SIX Group hat als Organisation (siehe Grafik) weltweit einen einzigartigen Charakter. Obwohl zwar etliche andere Börsen ein eigenes Clearinghaus besitzen oder zumindest substanzielle Anteile an einem solchen halten, üben sie jedoch keine Kontrolle aus über den Zahlungsverkehr oder die Weiterverarbeitung der Finanzdaten. Mit dem Zusammenschluss wurde das in der Schweiz bestehende, hoch- integrierte System für den Handel von Wertschriften bis hin zur Zahlungsabwicklung (Swiss Value Chain) unter eine einheitliche Führung gestellt. Bisher waren die Prozessschritte über drei Gesellschaften verteilt, was die gegenseitige Abstimmung erschwerte. In der neuen Struktur können Schnittstellen reduziert und Abhängigkeiten unter ganzheitlichen Aspekten angegangen werden. Eine konsequentere Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Finanzplatzteilnehmer wie auch kürzere Realisierungszyklen gehören zu den unbestrittenen Vorteilen. Ferner wird die Bearbeitung neuer Anforderungen des Finanzplatzes - im Moment wird die Entmaterialisierung der Hypothekenschuldbriefe diskutiert - wesentlich vereinfacht, weil die Infrastruktur durch ein Ansprechpartner vertreten wird; Abstimmungen zwischen den einzelnen Elementen können organisationsintern rascher vorgenommen werden.

Sämtliche in der SIX Group vereinten Geschäftsfelder wurden für den Finanzplatz Schweiz als derart bedeutsam erachtet, dass eine schweizerische Kontrolle und regulatorische Hoheit als zentrale strategische Vorgaben definiert wurden. Dieser Anspruch kommt in vielfältiger Weise zum Ausdruck. So nimmt die vorgenommene Reorganisation der Selbstregulierung der Börse einen wichtigen Stellenwert ein. Oder es wurde der Kreis der Eigentümer bewusst auf die Nutzer der Infrastruktur eingeschränkt, um nebst wirtschaftlichen Zielen auch den längerfristigen Interessen des Finanzplatzes Rechnung zu tragen. Die in Europa mancherorts beob-achteten Interessenkonflikte im Aktionariat kotierter Infrastrukturgesellschaften, zum Beispiel bei der Deutschen Börse, sollten bewusst vermieden werden. Auch die Rückführung der Handelsaktivitäten aus London und damit die ausschliessliche Unterstellung unter Schweizer Regulierung ist in diesem Kontext zu sehen.

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Internationale Ambitionen

Die hierzulande tätigen Finanz-institute zeichneten sich schon immer durch ein internationales Geschäftsmodell aus. Die Ausdehnung der Aktivitäten auf die neuen Wachstumsmärkte ist gerade bei mittleren und grösseren Banken strategischer Imperativ. So sehr SIX Group darauf fokussiert ist, für den Finanzplatz Schweiz herausragende Dienstleistungen zu erbringen, hat die Organisation vor diesem Hintergrund auch internationale Ambitionen. Bereits heute ist SIX Group unter anderem im Finanzinformationsgeschäft in 24 Ländern tätig. Oder im Kartengeschäft sind es etliche Schweizer Kunden, die ihre Expansionsschritte nach Osteuropa gerne mit unserer Begleitung in die Wege leiten. Aber auch im Clearing wollen wir vom heute erleichterten Wettbewerb profitieren. Mit den Clearing-Dienstleistungen für die London Stock Exchange, welche SIX x-clear seit Jahresfrist anbietet, ist ein vielversprechender Anfang gemacht. Weitere Projekte sind in Planung, alle mit dem Ziel, unsere Kunden bei deren internationalem Wachstum zu unterstützen. Es ist deshalb kein Zufall, dass bereits heute ein Drittel der rund 3700 Mitarbeitenden ihren Arbeitsplatz im Ausland hat.

Stabilität in stürmischer Zeit

Bei all diesen Entwicklungen darf der Kern des Auftrages von SIX Group, das Sicherstellen ei-nes einwandfreien Systembetriebs, nicht aus den Augen verloren werden. Die Neuaufstellung der schweizerischen Finanzplatz- infrastruktur erwies sich auch auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise, nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers Mitte September 2008, als grosser Vorteil. Nicht nur das Handelssystem der Börse verarbeitete in diesen Tagen Rekordvolumen von bis zu 14 Mrd Tagesumsätzen allein im Blue-Chip-Handel, sondern auch die Post-Trading-Systeme vermochten das Clearing und Settlement dieser Volumina klaglos zu verarbeiten. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, zeigten Konkurrenten in Europa oder in Übersee, deren Systeme in diesen dramatischen Wochen ihren Dienst teils für Stunden versagten.

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SIX Group hat in rund 18 Monaten drei Unternehmen fusioniert, das Geschäftsmodell international ausgerichtet und einen Stresstest bewältigt. Ein Leistungsausweis, der sich sehen lässt. Entscheidend für die Attraktivität des Finanzplatzes wird aber die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sein. Wir sind zuversichtlich, wichtige Weichenstellungen vorgenommen zu haben.