Mit den heutigen Kommunikationstechnologien hätten sich die 900 Vertreter der Telekombranche auch virtuell verlinken können, um über die neusten ICT-Trends zu debattieren. Aber das ASUT-Seminar hat im 36. Jahr nach seiner Gründung Kultstatus erreicht, sodass sich Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik den Anlass im Berner Kursaal nicht entgehen lassen wollten. Und wie jedes Ereignis war das vom Schweizerischen Verband der Telekommunikation organisierte Gipfeltreffen in den aktuellen historischen Kontext eingebettet: «Think global - act local» implizierte nicht nur Forschungsinnovation und Nachhaltigkeit, sondern lieferte den Unternehmen auch eine schlagfertige Antwort an die Hand, um sich in der aktuellen Wirtschaftslage zu behaupten.

Der Höhepunkt der ASUT-Tagung war gleichzeitig dessen Finale: Martin Bürki von Ericsson, Claudia Schwers von Alcatel-Lucent Schweiz, Andreas S. Wetter von Orange und Christoph Brand von Sunrise hatten sich zu einem Streitgespräch unter der Leitung von Stephan Klapproth bereit erklärt. Da aber Brand wegen eines Wasserschadens zu Hause bleiben musste, sprang als Vertreter von Sunrise Jon Erni ein. Auf Klapproths Frage, warum die Schweizer Telekommunikation im internationalen Vergleich rückständig sei, reagierte Wetter prompt: «Schuld ist die Dominanz des Anbieters Swisscom und letztlich die Politik.» Und Erni doppelte nach: «Wir sind enttäuscht. Wir haben darauf gebaut, Stärke gegenüber der Swisscom aufzubauen.» Der Weko-Entscheid, der eine Fusion von Orange und Sunrise untersagte, war und blieb das Thema des Streitgesprächs und sorgte noch für viele Seufzer unter den Gesprächsteilnehmern. Die Kollegen aber relativierten die Vormachtstellung der Swisscom und rieten, Datenübertragung über die Luft zu forcieren. «Braucht es die Glasfaser wirklich? », fragte Bürki rhetorisch und führte aus, dass man heute riesige Datenpakete über die Luft versenden könne. Und Schwers schloss die Debatte mit einem einfachen Tipp: Auch als inoffizielles Zweigespann seien Orange und Sunrise in der Lage, der Swisscom die Stirn zu bieten.