IFRS/SWISS GAAP FER. Um einen weiteren Exodus an der New Yorker Börse zu verhindern, wird die US Börsenzulassungsstelle demnächst IFRS als Rechnungslegungsstandard für Auslandgesellschaften zulassen. Die kostspielige sogenannte US GAAP Reconciliation entfällt künftig für Schweizer Gesellschaften, die sich an der New Yorker Börse kotieren lassen. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass in Zukunft auch amerikanische Unternehmen IFRS an Stelle von US GAAP anwenden dürfen – eine ernsthafte Debatte darüber wurde kürzlich in Washington DC ausgelöst. Dadurch würde US GAAP im Rennen um die Anerkennung als global vorherrschender Standard im Vergleich zu IFRS zusätzlich an Boden verlieren.

Durch eine starke Verbreitung in den letzten vier Jahren und mit den nun erteilten Konzessionen der Amerikaner hat sich IFRS klar und eindeutig als Weltstandard durchsetzen können. Besonders mit der gesetzlichen Verankerung von IFRS als Rechnungslegungsstandard für kotierte Gesellschaften in der EU konnte sich der Standard klar positionieren. Andere wichtige Länder wie z.B. Australien haben IFRS ebenfalls zulasten des eigenen Landesstandards übernommen. Auch in Nordamerika hat Kanada den Wechsel zu den internationalen Normen angekündigt.In der Schweiz gilt IFRS schon länger als wichtigster Standard bei kotierten Unternehmen – ist dessen Anwendung doch Bedingung für eine Kotierung im Hauptsegment der SWX, zusammen mit dem für die Schweiz eher exotischen US GAAP. Auch bei vielen kleineren und privat gehaltenen Gesellschaften hat sich IFRS durchgesetzt. Ob sich dieser Trend fortsetzt oder ob gewisse Schweizer Unternehmen auf die benutzerfreundlicheren Swiss GAAP FER abspringen werden, wird sich in der nächsten Zeit zeigen.

Besorgnis bei CFO

Wo liegen die Chancen und Gefahren bezogen auf IFRS? Wird der Standard noch komplexer? Sollten die grössten Unternehmen von US GAAP wieder auf IFRS umstellen? Oder sollten diejenigen Gesellschaften, die es überhaupt noch können, zurück zu Swiss GAAP FER – dem heimischen Regelwerk – gehen? Diese Fragen beschäftigen zurzeit die CFO und Verwaltungsräte vieler Schweizer Gesellschaften.Es ist zu erwarten, dass IFRS als Sieger im Rennen um den global dominierenden Rechnungslegungsstandard nicht lange ruhen wird. Damit sich das Regelwerk als weltweite Bestlösung profilieren kann, muss es den höchsten Anforderungen und Bedürfnissen entsprechen. IFRS wird darum rasant weiterentwickelt und künftig an Komplexität wie auch Umfang deutlich zunehmen. Die damit verbundenen Kosten und Risiken in der Berichterstattung sind Grund für zunehmende Kritik und Besorgnis im Schweizer CFO-Umfeld.

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Neukonzept bei Swiss GAAP FER

Die Swiss GAAP FER wurden seit Mitte der 80er Jahre laufend mit neuen Standards erweitert und teilweise auch den internationalen Entwicklungen angepasst. Das gesamte Regelwerk wurde auf den 1. Januar 2007 einer umfassenden Überarbeitung unterzogen. Die Swiss GAAP FER fokussieren klar auf die Rechnungslegung von Unternehmungen und Unternehmensgruppen jeder Grösse mit nationaler Ausstrahlung. Weitere Anwender sind Pensionskassen sowie Non-Profit-Organisationen. Swiss GAAP FER wird aber auch von börsenkotierten Organisationen angewandt. Dies ist zulässig für Unternehmen, deren Aktien am Nebensegment der SWX gehandelt werden sowie für am Haupttableau gehandelte Immobiliengesellschaften und Investmentgesellschaften. Das neue, modulare Konzept der Swiss GAAP FER umfasst vier Bausteine. Das Rahmenwerk sowie die Kern-FER sind für alle Anwender verbindlich. Organisationen, welche gewisse Kriterien überschreiten, haben zusätzlich auch die weiteren FER-Standards einzuhalten. Für Konzernrechnungen ist ein einziger Standard entwickelt worden, welcher Themen abdeckt, die in den Kern-FER bzw. weiteren FER-Standards nicht adressiert werden.Mit dem aktuellen Stand bieten die Swiss GAAP FER den Anwendern eine einfache, pragmatische und flexible Grundlage der Rechnungslegung nach dem «true and fair view»-Prinzip. Die aktuellen Swiss GAAP FER regeln Kernfragen der Rechnungslegung auf prägnante und verständliche Weise, ohne jedoch zu detaillierte Anweisungen zu geben. Zum heutigen Zeitpunkt ist eine signifikante Veränderung der Swiss GAAP FER nicht absehbar. Diese Konstanz wirkt sich positiv auf die Kosten aus. Die ständigen Änderungen der IFRS bewirken das Gegenteil. Die Anwender müssen sicherstellen, sämtliche Entwicklungen der Standards, Interpretationen und Auslegungen korrekt umzusetzen. Dies bedarf grosser Investitionen im Accounting.Der Aufstieg von IFRS zum Weltstandard hat einerseits dessen Wahl für viele Unternehmen erleichtert oder gar aufgrund gesetzlicher Vorschriften bedingt. Andererseits gibt es immer häufiger Zurückhaltung bezüglich des Einsatzes von IFRS bei jenen Gesellschaften, die noch ein echtes Wahlrecht haben. Viele kotierte und nicht kotierte Unternehmen in der Schweiz halten vermehrt an unserem Landesstandard fest oder überlegen gar eine Rückkehr zu Swiss GAAP FER.Falls die Aktionäre und die Geldgeber keine besonderen Bedürfnisse bezüglich der Internationalität der Rechnungslegung haben, bildet Swiss GAAP FER unseres Erachtens eine optimale Lösung, welche den Aktionären ein den Tatsachen entsprechendes Bild der Ergebnisse zu relativ günstigen Konditionen vermittelt. Bei einer Verankerung im Ausland, ausländischer Finanzierung oder für die Vergleichbarkeit mit ausländischen Mitbewerbern stellt sich allerdings die Frage, ob IFRS, trotz höherer Kosten und Komplexität, nicht doch der Standard der Wahl sein sollte. Auch bei einem möglichen vorgesehenen Listing an der Börse lohnt es sich eventuell, den global gültigen Standard frühzeitig auf freiwilliger Basis einzuführen. Das IASB arbeitet momentan an einem IFRS für KMU. Ob dieses neue Regelwerk auch Schweizer Gesellschaften von Vorteil sein könnte, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen.Die Wahl des richtigen Rechnungslegungsstandards hängt also klar von unternehmensspezifischen Bedürfnissen ab. CFO, Verwaltungsräte und Aktionäre sind angehalten, bei der Wahl des künftigen Standards die Vor- und Nachteile sorgfältig zu analysieren, da beide Lösungen doch erhebliche Unterschiede mit sich bringen.