Der Kurs von Bitcoin ist nahe am Rekordstand. Wie stehen Sie zu Investitionen in die Kryptowährung
Ähnlich wie Gold profitiert Bitcoin, wenn die Realzinsen im negativen Bereich liegen. Es bringt zwar nichts ein, aber vor dem Hintergrund negativer Realrenditen gibt es kein Hindernis, Bitcoin oder andere Krypto-Währungen zu halten.

Da Zentralbanken auf der ganzen Welt Liquidität in das Finanzsystem pumpen, wächst die Befürchtung, dass die Fiat-Währung entwertet werden könnte. Bitcoin ist eine Alternative der Vermögensanlage, die Investoren in diesem Jahr zur Diversifizierung ihres Währungsengagements genutzt haben.

Doch während Gold weithin als Anlageinstrument akzeptiert ist und als Zahlungsmittel verwendet werden könnte, leiden Bitcoin und andere Krypto-Währungen unter einem gewissen Mangel an Akzeptanz. Es besteht zudem das Risiko, dass Regulierungs- und Währungsbehörden jede dieser Krypto-Währungen verbieten oder ihre Verwendung als Zahlungsmittel einschränken könnten. Das würde für die Krypto-Währungen starken Gegenwind bedeuten.

In Anbetracht dieser Ungewissheit erscheinen Investitionen in andere alternative Vermögenswerte wie Gold, Private Market, reale Vermögenswerte (z.B. Infrastruktur) oder Hedge-Fonds als gute Möglichkeiten, ein Portfolio zu diversifizieren.

Gerald Moser Börseninterview Barclays

Gerald Moser ist seit 2019 als Chief Market Strategist für Barclays Private Bank tätig. In dieser Position ist er für den Investitionsausblick von Barclays Private Bank verantwortlich.Vor seinem Engagement bei Barclays war Gerald Moser bei der Credit Suisse und Goldman Sachs tätig.

Quelle: ZVG
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Der Goldpreis ist unter Druck. Welche Rolle sollte das Edelmetall derzeit in den Überlegungen von Investorinnen spielen?
Gold bleibt zur Diversifizierung von Portfolios attraktiv. Es ist üblich, dass dieser «sichere Hafen» mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat, wenn die Stimmung unter den Anlegern so positiv ist wie momentan.

Langfristig kann Gold jedoch dazu beitragen, die Volatilität zu glätten und die Renditen zu steigern, indem es in Zeiten der Unsicherheit als Absicherung dient. Da sich die Realzinsen in den meisten Industrieländern im negativen Bereich bewegen, waren die Opportunitätskosten für den Besitz einer ertraglosen Anlage wie Gold noch nie tiefer.

Grüne Anleihen (Green Bonds) sind im Kommen. Für wen eignen sich solche Produkte?
«Grüne Anleihen» ist ein sehr weit gefasster Begriff, der eine Vielzahl von festverzinslichen Instrumenten umfasst. Mindestens 95% der Erlöse müssen für Umweltprojekte zweckgebunden sein, was oft durch die laufende Berichterstattung des Emittenten nachverfolgbar gemacht wird.

Es bleibt abzuwarten, ob grüne Anleihen für sich genommen automatisch zu einer Outperformance führen. Aber der Bloomberg Barclays MSCI Global Green Bond Index hat seit 2015 sein konventionelles Pendant übertroffen.

Allerdings variiert die Zusammensetzung beider Indizes in Bezug auf die Duration und die Sektoren. Green Bonds sind «use of proceed»-Anleihen, die nicht durch Vermögenswerte besichert sind.

Inhaber solcher Anleihen sind effektiv dem gleichen Kreditrisiko ausgesetzt wie Inhaber einer konventionellen Anleihe des jeweiligen Emittenten. Zwar kann eine erhöhte Nachfrage kurzfristig zu einem gewissen Preisaufschlag führen, doch das erwartete grössere Angebot gleicht dies letztlich aus.

Anleihen, die mit Umwelterwägungen verbunden sind, sind in der Regel attraktiv, solange ihr Besitz sowohl aus Rendite- als auch aus Wirkungsperspektive einen realen Nutzen bringt. Deshalb ist es für Investoren wichtig, sich auf Spezialisten zu verlassen, die ihnen helfen, echte Chancen zu erkennen.

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Der Dollar schwächelt – ist mit einem Wiedererstarken des Greenbacks in nächster Zeit zu rechnen?
Ein womöglich reibungsloser Machtwechsel in den USA, ein neu besetztes Kabinett sowie Neuigkeiten zu Impfstoffen führen zu einer positiveren Risikostimmung – was den US-Dollar belastet.

Joe Bidens Ernennungen deuten auf eine Rückkehr zur Wiederherstellung und Stärkung internationaler Allianzen. Das würde die Aussen- und Handelspolitik vorhersehbarer machen. Auch die mögliche Ernennung der ehemaligen Fed-Vorsitzenden Janet Yellen zur Finanzministerin wurde von den Märkten mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen.

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Die Ängste vor einer radikalen wirtschaftspolitischen Agenda haben abgenommen, während sich die Zusammenarbeit zwischen den geld- und finanzpolitischen Entscheidungsträgern verbessern könnte. Kurzfristig wird die Stichwahl in Georgia ein wichtiger Katalysator sein, da sie beeinflussen wird, wie viel innenpolitischen Einfluss eine Biden-Präsidentschaft haben könnte.

Aber angesichts der kurzfristig schwindenden Risiken und der Konzentration des Marktes auf die positiven Auswirkungen von Impfstoffen dürfte sich der sichere Hafen US-Dollar weiter in Richtung einer schwächer werdenden US-Währung bewegen.

«Bitcoin und andere Krypto-Währungen leiden unter einem gewissen Mangel an Akzeptanz.»

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Wenden wir uns dem allgemeinen Börsengeschehen zu: Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?
Von den Kursen her könnte es so aussehen, als sei die Pandemie nie passiert, da viele Aktienmärkte sich neuen Allzeithochs nähern oder diese gar erreichen. Gleichwohl hat diese Krise tiefgreifende Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Erstens gibt es viel mehr Liquidität im System.

Zusammengenommen ist die Bilanzsumme der drei wichtigsten Zentralbanken (Fed, EZB und BoJ) allein in diesem Jahr um 50% gestiegen. Die Pandemie hat auch die Streuung zwischen Sektoren und Unternehmen erheblich vergrössert, das heisst zwischen jenen die florierten (E-Commerce, Gesundheitswesen) und jenen, die noch vor vielen Herausforderungen stehen (Reisen und Freizeit, stationärer Einzelhandel).

Es kann Jahre dauern, bis die Auswirkungen dieser durch die COVID-19-Pandemie hervorgerufenen Veränderungen in vollem Umfang spürbar werden. Und diese Veränderungen dürften sich auf Jahre hinaus auf die Investoren auswirken, von denen in Zukunft viele einen anderen Ansatz verfolgen müssen.

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Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Der Schweizer Aktienmarkt ist insofern einzigartig, als er sich sehr stark auf den Gesundheits- und Konsumgütersektor konzentriert. Dies verleiht ihm ein defensives Profil, das in Zeiten der Unsicherheit zu einer starken Performance tendiert.

Da COVID-19-Impfstoffe wahrscheinlich in den nächsten Monaten verfügbar sein werden und die Welt allmählich zur «Normalität» zurückfindet, erwarten die Anleger jetzt eine Belebung der wirtschaftlichen Aktivität. Dieser Enthusiasmus könnte die zyklischeren Teile des Marktes begünstigen, sodass der Schweizer Leitindex einen relativen Nachteil haben könnte.

Diese Euphorie dürfte jedoch nur von kurzer Dauer sein und die Unsicherheit vermutlich in anderer Form zurückkehren. Insofern ist der qualitativ hochwertige, defensive Schweizer Markt gut positioniert, um mittelfristig attraktive Renditen zu erzielen.

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Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Sollte sich die wirtschaftliche Erholung wie erwartet vollzieht, hat der SMI das Potenzial, im nächsten Jahr eine Gesamtrendite im mittleren bis hohen einstelligen Bereich (6-8%) zu erzielen und die zu Beginn dieses Jahres erreichten Allzeithochs gar noch zu übertreffen.

Das Interview wurde schriftlich geführt.