Ende Februar übersprang der Goldpreis nach den Rekordmarken von 2008 die 1000-Dollar-Marke, von wo sie nun allerdings wieder leicht zurückgekommen ist. «Im Moment steht die Krise absolut im Vordergrund», sagt Jörg Zeuner, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank, «deshalb sehen wir eine sehr hohe Angstprämie.»

Auch Gold braucht Nerven

Die jüngsten Entwicklungen verleiten viele Investoren zu dem Glauben, Gold sei eine sichere Krisenwährung. Das ist ein Irrtum. Auch wenn Gold zweifellos eine Rolle in einem diversifizierten Depot zu spielen hat, könnte es ein Fehler sein, zum jetzigen Zeitpunkt einzusteigen.

Gold gilt in erster Linie als Schutz vor Inflation und Krisen. Doch bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass Anleger sich auf diese Eigenschaft keineswegs verlassen können. Funktionierte die Wechselbeziehung zwischen sinkenden Aktienkursen, hohen Inflationsraten und steigendem Goldpreis nach der Ölkrise noch sehr gut, so fiel die Goldpreisentwicklung in den vergangenen 25 Jahren hinter die Inflationsrate von rund 2% zurück.Im vergangenen Jahr verlor die angeblich so krisenfeste Währung von ihrem Rekordhoch bei knapp 1033 Dollar im März bis zum Jahresende über 150 Dollar. Selbst über das gesamte Jahr 2008 betrachtet kletterte der Goldpreis lediglich von 833 auf 880 Dollar.

Darüber hinaus bietet die Kursentwicklung eine Berg-und-Tal-Fahrt, die für die Nerven mancher Anleger zu viel sein dürfte. Im vergangenen Jahr schwankte der Goldpreis zum Beispiel zwischen 1033 und 680 Dollar. Erst seit Anfang November bewegt sich der Goldpreis aufwärts. Die Aufwärtsbewegung hat sogar lange gültige Korrelationen wie die zwischen Goldpreis und Dollarkurs ausser Kraft gesetzt. Weil finanzielle Risiken in grossem Stil auf den Staat abgewälzt wurden, habe sich das Risiko von Staatspleiten erhöht, was insgesamt zu einem sinkenden Vertrauen in Währungen führe, schreibt Goldman-Sachs-Analyst Jeffrey Currie. Statt zum Dollarkurs sieht er deshalb neuerdings eine Korrelation des Goldpreises zu den steigenden Kreditausfallrisiken von Staaten und Banken.

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Damit erklärt sich der Anstieg bis auf rund 1000 Dollar - aber nicht viel mehr. «Ich glaube nicht, dass wir längerfristig auf diesem Niveau bleiben. Jetzt einzusteigen halte ich für ungünstig», sagt Dora Borbély, Rohstoffanalystin der DekaBank. «Wir rechnen in der zweiten Jahreshälfte mit besseren Wirtschaftsdaten oder zumindest mit einem Rückgang der schlechten Nachrichten. Das dürfte den Goldpreis drücken.»

Der Boom könnte bald enden

Die Angst vor einer höheren Inflation sei zurzeit überhaupt kein Thema - es herrschten immer noch eher deflationäre Tendenzen vor, und das werde womöglich auch noch 12 bis 18 Monate so bleiben, so die Meinung vieler Experten. Bei einer anhaltenden Konsolidierung dürften aber die kurzfristigen Spekulanten alsbald den Absprung wagen.

«Gerade in der Nähe der bisherigen Höchstkurse kommt es aufgrund technischer Verkaufsorders typischerweise zu Gewinnmitnahmen», sagt Borbély. Dazu kommt auch, dass es auf dem derzeitigen Preisniveau viele langjährige Goldbesitzer erstmals attraktiv finden, zu verkaufen. Das passiert zurzeit vor allem in Asien. «Die asiatischen Verkäufe und die europäische Nachfrage halten den Goldpreis in einem recht engen Kursbereich», glaubt John Reade. Der Metallexperte der UBS befürchtet jedoch, dass dieses Gleichgewicht schnell kippen könnte.