Ein langjähriger Goldman-Sachs-Banker hat per Zeitungsartikel gekündigt und in einem Frontalangriff eine Kultur der «Abzockerei» bei der legendären US-Investmentbank beklagt. Vielfach sei das einzige Thema bei Sitzungen, wie man den Kunden möglichst viel Geld absaugen könne.

In einem Meinungsbeitrag in der New York Times mit dem Titel «Warum ich Goldman Sachs verlasse» schrieb der auf Derivate spezialisierte Greg Smith, mehrere Investmentbanker hätten ihre eigenen Kunden als «Vollidioten» bezeichnet.

«Es bereitet mir Übelkeit, wie kaltschnäuzig die Kollegen darüber reden, ihre Kunden abzuzocken», schrieb Smith. Die einst hochgerühmte Kultur aus Anstand, Demut und Teamwork sei in seiner zwölfjährigen Laufbahn bei dem Institut noch niemals so vergiftet und zerstörerisch gewesen wie jetzt.

Goldman Sachs verurteilte den Artikel und erklärte, die Darstellung Smiths entspreche nicht der Wirklichkeit. «Wir werden nur erfolgreich sein, wenn unsere Kunden erfolgreich sind. Diese fundamentale Wahrheit bildet den Kern unseres Geschäftsverhaltens.»

Profitgier

Smith war nach eigenen Angaben zwölf Jahre lang bei Goldman Sachs tätig und zuletzt Vizepräsident einer Derivate-Abteilung. Seiner Darstellung zufolge ist das Wohl der Kunden in den vergangenen Jahren völlig von der Profitgier in den Hintergrund gedrängt worden. «Ich kann nicht mehr mit gutem Gewissen sagen, dass ich mich mit dem identifiziere, wofür das Unternehmen steht», begründete Smith seine Kündigung.

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Wer bei Goldman vorankommen wolle, müsse hohe Gewinne einfahren - notfalls auf Kosten der Kunden. Einziges Thema vieler Sitzungen sei, wie man so viel Geld wie möglich bei den Kunden absaugen könne.

Goldman Sachs ist vor allem seit der Finanzkrise vermehrt zur Zielscheibe derartiger Vorwürfe geworden. Der ehemalige Mitarbeiter Fabrice Tourre etwa muss sich gerichtlich gegen Anschuldigungen wehren, er habe Kunden beim Verkauf hochkomplexer Finanzinstrumente getäuscht.

Vor zwei Jahren trat Konzernchef Lloyd Blankfein einen Sturm der Entrüstung los, als er verkündete, als Banker «Gottes Werk» zu verrichten und damit unter anderem die teilweise astronomischen Gehälter in der Branche verteidigte.

(laf/sda)