Als Reaktion auf eine umstrittene Investmentberatung überprüft die US-Grossbank Goldman Sachs ihren Geschäftsbetrieb auf mögliche Interessenkonflikte. Die Prozesse und Richtlinien bei den Investitionen der eigenen Angestellten und die Frage, wie diese offengelegt werden, würden untersucht, erklärte das Geldhaus.

Zuvor hatte das «Wall Street Journal» berichtet, die Bank könnte künftig die Investmentbanker auffordern, den Kunden ihre persönlichen Finanzbeteiligungen offenzulegen.

Hintergrund ist die jüngste Kritik an der Bank wegen ihrer Rolle als Berater des Erdgas-Unternehmens El Paso beim Verkauf an den Pipeline-Konzern Kinder Morgan.

Zuständiger Banker investiert

Goldman hielt vor der Transaktion eine milliardenschwere Beteiligung an Kinder Morgan. Der zuständige Banker war persönlich ebenfalls mit 340'000 Dollar an dem US-Konzern beteiligt. Goldman erklärte, man bedauere, dass das Führungsgremium von El Paso über die Investitionen nicht informiert worden sei.

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Auch andere Banken wie Barclays, Bank of America und Citigroup prüfen dem «WSJ» zufolge derzeit, ob es Interessenskonflikte in ihren Investmentbanking-Abteilungen gebe. Die Geldhäuser wollten sich auf Anfrage nicht äussern.

«Abzockerei» machte die Runde

Goldman Sachs geriert erst vor ein paar Tagen in die Schlagzeilen, als ein Banker öffentlichkeitswirksam per Zeitungsartikel kündigte und in einem Frontalangriff eine Kultur der «Abzockerei» bei der legendären Investmentbank anprangerte.

In einem Meinungsbeitrag in der «New York Times» mit dem Titel «Warum ich Goldman Sachs verlasse» schrieb der Manager Greg Smith, mehrere Investmentbanker hätten ihre eigenen Kunden als «Vollidioten» bezeichnet.

Die Unternehmensführung wehrte sich gegen die Kritik. Goldman Sachs ist vor allem seit der Finanzkrise vermehrt zur Zielscheibe derartiger Vorwürfe geworden.

(vst/sda)