Die Schweizerische Wettbewerbskommission (Weko) nimmt den Edelmetall-Handel von Grossbanken wie UBS und Julius Bär ins Visier. Es geht um mögliche Absprachen im Geschäft, auch ausländische Geldhäuser sind betroffen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet nun, dass die UBS mit Nachsicht rechnen könne, da sie früh mit der Weko zusammenarbeitete. Eine Person, die mit den Weko-Ermittlungen vertraut sei, berichtete, dass die UBS auf einen Status als Kronzeuge zählen darf. Die UBS wollte sich zum Zeitpunkt nicht zu den Untersuchungen äussern.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

UBS packt oft als erste Bank aus

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich die UBS auf diese Art vor scharfen Sanktionen schützen kann. Auch im Devisenskandal zahlte die Grossbank viel weniger als erwartet. Zugute kam der UBS, dass sie zuerst auspackte und als Kronzeugin auftrat. Ein Wirtschaftsexperte sprach von einem «Geschäftsmodell».

Die Bank Julius Bär werde in der Untersuchung vollumfänglich mit den Behörden kooperieren, sagte Julius-Bär-Sprecher Jan Vonder Mühll auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Bussen möglich

Wie die Weko zu den Hinweisen gelangt ist –  beispielsweise über einen Whistleblower – wollte der stellvertretende Direktor Patrik Ducrey gegenüber AWP nicht sagen. Man habe entsprechende Hinweise erhalten, erklärte er lediglich. Angesichts der Komplexität des Falls dürfte sich die Untersuchung länger hinziehen. Ein Abschluss sei frühestens im kommenden, wenn nicht gar erst im übernächsten Jahr zu erwarten, ergänzte Ducrey.

Falls die Institute tatsächlich gegen Wettbewerbsregeln verstossen hätten, müssten sie mit Bussen rechnen, erklärte der Stellvertretende Direktor. Über die Höhe der potenziellen Bussen wollte er aber keine Angaben machen. Das Gesetz sehe Strafen in der Höhe bis zu 10 Prozent des in den letzten drei Jahren in der Schweiz generierten Umsatzes vor, sagte Weko-Vizedirektor Olivier Schaller der Nachrichtenagentur sda.

Untersuchungen in den USA

Der Edelmetall-Handel steht auch im Visier anderer Regulatoren. Im Februar hatte bereits das amerikanische Justizdepartement (DoJ) eine Untersuchung gegen rund zehn Banken wegen Preismanipulation bei Edelmetallen eingeleitet. Dabei hatte die Behörde unter anderem die Grossbanken UBS und die Credit Suisse (CS) im Visier. UBS kam in diesem Fall straffrei davon. Im Mai teilte die Bank mit, die sich damals mit dem DoJ im globalen Devisenskandal geeinigt hatte, dass die Behörde hinsichtlich des Edelmetallgeschäfts der Bank ebenfalls keine Klage erheben werde.

Mit Preisabsprachen im Edelmetallhandel durch die UBS hatte sich auch schon die Finanzmarktaufsicht (Finma) beschäftigt. Sie band den Edelmetallhandel in ihre Untersuchungen zu Manipulationen von Referenzsätzen am Devisenmarkt ein. Im November 2014 gab die Finma bekannt, dass sie bei der UBS Gewinne in der Höhe von 134 Millionen Franken einzieht und Limiten für Boni für Investmentbanker erlässt. Auch im Handel mit Edelmetallen sei es bei der Grossbank zu schwerwiegendem Fehlverhalten von Mitarbeitern gekommen, teilte die Finma damals mit.

Aktien verlieren über Durchschnitt

Die Aktien der beiden Schweizer Institute büssten am Montag überdurchschnittlich ein. UBS verlieren bis gegen 13.45 Uhr knapp 1,4 Prozent auf 17,87 Franken und Julius Bär gar 2,1 Prozent auf 42,49 Franken, während der SMI lediglich 0,31 Prozent tiefer steht.

(chb; mit Material von awp)