Für den rührigen OK-Präsidenten Gaston F. Barras und Turnierdirektor Yves Mittaz lösten sich während der letzten beiden Austragungen des ehemaligen «Swiss Open» auf dem Walliser Hochplateau einige Probleme. 2005 gab der potente Titelsponsor Omega zu aller Überraschung und entgegen den in die Medien getragenen Ankündigungen bekannt, dass er sein Engagement um volle fünf Jahre bis 2010 verlängern werde. Vor einem Jahr liess sich Credit Suisse, der auf vielen Ebenen tätige «Motor» des Schweizer Golfsports, für weitere vier Jahre (ebenfalls bis 2010) verpflichten.

Credit Suisse feiert Jubiläum

Die Präsenz von Credit Suisse am European Masters jährt sich heuer zum 20. Mal. Omega wird 2010 zehn Jahre in Folge Titelsponsor gewesen sein. Andere Turnierpartner aus der (Schweizer) Wirtschaft sind dem traditionsreichen Golfturnier ebenfalls treu verbunden.
Ob die Sponsoren mit einem Turnier zufrieden seien, erkenne man ganz einfach an der Langjährigkeit ihrer Engagements, sagt Yves Mittaz. «Ein unzufriedener Sponsor verlässt das Turnier, ein zufriedener bleibt.»

Umfeld wird immer kritischer

Dem European Masters pfeift indessen ein zunehmend rauerer Wind um die Ohren. Global konzentriert sich das Interesse am professionellen Golfsport mehr und mehr auf die USA; innerhalb Europas beanspruchen die Veranstalter in Grossbritannien und Irland einen grossen Teil des Kuchens für sich. «Die Verhältnisse in den USA oder in Grossbritannien können für uns sicher nicht der Massstab sein», sagt Mittaz. «Aber wenn wir uns mit anderen Turnieren in Kontinental-Europa vergleichen, dürfen wir sicher sehr zufrieden sein.» Er verweist beispielsweise auf das Open de France im «Golf National» in Paris, das in diesem Jahr trotz eines Preisgeldes von 4 Mio Euro (doppelt so viel wie in Crans-Montana!) ein qualitativ äusserst mageres Teilnehmerfeld anbot.
Die Turniere «leben» längst nicht nur vom Preisgeld allein. Im Gegenteil. «Für die besten Spieler ist das Geld in der Regel nicht mehr das Wichtigste», sagt Yves Mittaz. «Sie haben genug davon.»
Deshalb würden die Topshots vermehrt auf die Bedeutung des Turniers achten – die vier Grand-Slam-Turniere US Masters, US Open, British Open und US PGA Championship stehen über allem –, aber auch auf das Ambiente, das Umfeld eines Turniers. In dieser Beziehung könne Crans-Montana dank der familiären Atmosphäre und der einzigartigen Kulisse mehr Trümpfe ausspielen als andere Turniere.
Tatsächlich haben Stars wie Sergio Garcia und Ernie Els, aber auch Eduardo Romero und einstmals Severiano Ballesteros immer wieder betont, dass der Schweizer Anlass für sie eine fabelhafte,
auch erholsame Abwechslung bedeute.

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Der Konkurrenz getrotzt

Die neue, zusätzliche Turnierwertung FedEx-Cup in den USA mit Bonuszahlungen von 35 Mio Dollar (siehe Artikel rechts) gräbt den Turnieren in Europa im August und September das Wasser ab. Auf diesem Hintergrund ist es um so erstaunlicher, dass die Organisatoren im Wallis eine Entry-List bieten können, welche die letztjährige in den Schatten stellt. 2006 war das (auf den Fairways des Ballesteros-Platzes fast schon auf brutale Weise gescheiterte) Golf-Wunderkind Michelle Wie die unbestrittene Hauptattraktion, sekundiert vom wirklichen Könner Segio Garcia. Hinter diesen beiden klaffte aber eine riesige Lücke.
In diesem Jahr fehlen Michelle Wie wie auch (wegen des FedEx-Cup) Sergio Garcia und Ernie Els, dafür aber ist das Angebot an renommierten Spielern wesentlich breiter. Der englische Matchplay-König Paul Casey ist ebenso am Start wie sein Landsmann Lee Westwood, ein weiterer Held aus Europas Ryder-Cup-Team, der charismatische Neuseeländer Michael Campbell, Sieger des US Open 2005, oder der europatreue, einst frustriert von der US-Tour zurückgekehrte Südspanier Miguel Angel Jimenez.
Vermutlich am meisten Aufmerksamkeit verdient indessen der Argentinier Andres Romero, der Aufsteiger des Jahres schlechthin (siehe Hole 6). Für die Schweizer Golffans ist für den 6. bis 9. September 2007 angerichtet.
Sie wird von Jahr zu Jahr mächtiger. Sie erschliesst heuer mit dem neusten Produkt der Preisgeld-Spirale, dem FedEx Cup, eine neue Dimension. Und sie gräbt den übrigen Golftours weltweit das Wasser ab. Denn die US PGA Tour floriert und ist gesund – fast krankhaft gesund. Als ob es für die Profis an den Grand-Slam-Turnieren (je zirka 7 Mio Dollar), den Events der World-Golf-Championship-Serie (je 8 Mio Dollar) und den gewöhnlichen Anlässen des US-Circuit (übliche Dotierung zwischen 5 und 6,3 Mio Dollar) Woche für Woche von Januar bis November nicht schon genug zu verdienen gäbe, wurde heuer der nach dem potenten amerikanischen Unternehmen benannte FedEx Cup ins Leben gerufen.

Prozedere Bis Mitte August sammelten alle Tourspieler Punkte für die FedEx-Cup-Wertung, dann folgen ab 23. August 2007 an vier Wochenenden nacheinander die vier Playoff-Turniere mit einer Dotierung von jeweils 7 Mio Dollar. Dabei wird das Finalfeld von 144 auf 120, auf 70 und schliesslich auf 30 Spieler verkleinert. Diese besten 30 spielen die Tour Championship vom 13. bis zum 16. September 2007 in Atlanta.
Zusatzverdienst Wer zuletzt am meisten FedEx-Cup-Punkte gesammelt hat, erhält einen Bonus von 10 Mio Dollar; der Zweite bekommt 3 Mio, der Dritte 2 Mio Dollar. Der 144. und Letzte wird mit 2000 Dollar «getröstet». Insgesamt macht FedEx Prämien von 35 Mio Dollar locker.
Vergleich 10 Mio Dollar für den Sieger, einfach so, obendrauf. 10 Mio – das übertrifft den Gesamtetat der europäischen Challenge Tour 2007 um mehr als umgerechnet 3 Mio Dollar. Auf der zweiten Stufe der Europa-Tour spielen hunderte von Profis in 31 Turnieren 2007 um 6,8 Mio Dollar.
Konsequenzen Dass alle Koryphäen und charismatischen Figuren wie Tiger Woods, Phil Mickelson, Vijay Singh, Ernie Els und Sergio Garcia im Spätsommer in den Playoff-Events in den USA spielen, versteht sich. Leidtragende sind unter anderen verschiedene Turnierveranstalter in Europa (Kennemer/Holland, Gleneagles/Schottland, European Masters in Crans-Montana, Köln).

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European Masters 2007: Das sind in Crans die klingenden Namen

Paul Casey
Der 29-jährige Engländer hat in den letzten Monaten sehr konstant auf Topniveau gespielt. Die Jahreswertung (Order of Merit) der PGA European Tour 2006 schloss er knapp hinter dem Iren Padraig Harrington auf Platz 2 ab. Sein wichtigster von mittlerweile acht Siegen im Rahmen der Europa-Tour war der Gewinn der Matchplay-Weltmeisterschaft im vergangenen September in Wentworth/London.

Lee Westwood
Die besten Zeiten des 34-jährigen Engländers liegen weiter zurück. 1999 siegte er in Crans-Montana, 2000 egalisierte er mit sechs Erfolgen auf der Europa-Tour in einem Kalenderjahr den Rekord von Severiano Ballesteros, Nick Faldo und Colin Montgomerie; in jenem Jahr gewann er auch die Order of Merit. Nach einer längeren Durststrecke glückten ihm 2003 die Siege Nummer 15 und 16 auf der Tour.

Michael Campbell
Der 38-jährige Neuseeländer, ein Maori, hatte jahrelang als eines der grössten Talente gegolten. 1995 verpasste er am schliesslich von John Daly gewonnenen British Open in St. Andrews das Stechen nur um einen Schlag. Der Durchbruch glückte ihm zehn Jahre später mit dem Triumph am US Open vor Tiger Woods. Im gleichen Jahr liess er sich auch als Matchplay-Weltmeister ausrufen.