Gerald Quindlen, der CEO von Logitech, sagte vor Kurzem gegenüber der «Handelszeitung», dass das Unternehmen gerne enger mit Google zusammenarbeiten würde. Jetzt ist klar, was er damit gemeint hat. Logitech gehört zu den Partnern des vor wenigen Tagen angekündigten Google-TV-Projekts. Zusammen mit dem US-Internetriesen, dem Heimelektronikkonzern Sony und dem Chip-Produzenten Intel soll dem Schweizer Computerzubehörexperten das gelingen, was Googles schärfsten Konkurrenten Microsoft und Apple bislang verwehrt blieben, nämlich Fernsehen und Internet zusammenzuführen.

Die Investoren zeigen sich von der Idee angetan, denn während der Schweizer Gesamtmarkt zuletzt deutlich abgab, konnte die Logitech-Aktie zumindest leicht zulegen.

Das iPhone des Fernsehens

Google versucht einen Markt zu erobern, auf dem andere Unternehmen mehrheitlich gescheitert sind. So hat etwa Apple TV durchaus seine Fans, der weltweite Durchbruch ist dem System aber nicht gelungen. Sony und Logitech sollen nun mit ihren Geräten dafür sorgen, dass Google TV die Anwender überzeugt. Denn die von Logitech hergestellten Settop-Boxen ermöglichen erst den Zugang zu den Dienstleistungen von Google TV. «Wir müssen den Massenmarkt mit bezahlbaren und qualitativ hochwertigen Geräten bedienen», so Logitech-Gründer und VR-Mitglied Daniel Borel im Gespräch mit der «Handelszeitung». Lange Zeit habe man sich darauf konzentriert, aus dem Computer einen Fernseher zu machen; das sei für den Anwender zu kompliziert und daher der falsche Ansatz gewesen.

Deshalb gilt der Fernseher als das letzte Heimelektronikprodukt, das noch kaum ans Internet angebunden ist. Google TV will das nun ändern. Wer etwa bei einem Match zwischen den Tennis-Cracks Roger Federer und Raffael Nadal in Erfahrung bringen will, wie viele Weltranglistenpunkte der Schweizer noch vor dem Spanier liegt, soll das während der Übertragung nachschlagen können. Viele weitere Anwendungen, auch kostenpflichtige wie Online-Videotheken und Videospiele, sind vorstellbar.

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«Ich glaube an das Konzept von Google TV», sagt Borel. Bei Logitech sei man sehr optimistisch, doch könne der Erfolg durchaus Zeit brauchen. Borel vergleicht Google TV mit dem iPhone von Apple. Auch das Smartphone hat drei Jahre gebraucht, bis der Durchbruch gelungen ist. «Es gibt Anzeichen dafür, dass wir einen ähnlichen Erfolg beim Fernsehen erreichen können», sagt Borel. Falls das geschehen sollte, stehe Logitech in den Startlöchern.

Die Voraussetzungen dafür sind günstig. Alleine in den USA hat Logitech bis zu 60 Mio Haushalte ausgemacht, die auf das neue System umsteigen könnten. Und dabei soll es nicht bleiben: «Wir werden versuchen das Konzept auch in anderen Staaten umzusetzen», sagt Borel. Es gebe noch keinen Zeitplan, aber normalerweise werde Europa etwa ein Jahr später mit neuen Produkten bedient.

Videotelefonie für jedermann

Ab Herbst wird Sony in den USA speziell auf das System ausgerichtete Fernseher verkaufen. Konsumenten, die sich kein neues TV-Gerät anschaffen möchten, können stattdessen eine Settop-Box von Logitech erwerben. Mitgeliefert werden eine Tastatur und eine besondere Fernbedienung. Die Settop-Box soll Logitech vor allem die bislang fest verschlossene Tür in die gute Stube öffnen. «Unser Traum ist es, die Präsenz von Logitech im Wohnzimmer auszubauen», so Borel. Denn das Unternehmen möchte nicht nur die Settop-Boxen verkaufen, sondern weiteres Zubehör wie Kameras, Joysticks und Steuerungsgeräte absetzen.

Zudem verfügt Logitech mit Logitech Vid und der Konzerntochter Lifesize über Know-how in der Videokommunikation. Die Technologie wird durch Google TV in zahlreiche Haushalte gelangen. «Eine Videotelefonie-Lösung liegt auf der Hand», sagt Borel. Denn was erst auf dem PC möglich sei, soll auch auf dem TV-Gerät funktionieren. Das gilt auch für Wilife, das Sicherheitssystem von Logitech, das sich in Zukunft ebenfalls über die Google-TV-Box bedienen lassen soll.

Nur Vorsprung auf Zeit

Doch Logitech wird nicht der einzige Zubehöranbieter für die Plattform bleiben. Der Zugang zu Google TV ist für Entwickler offen. Ist die Plattform ein Erfolg, wird auch die Konkurrenz bald ein Stück vom Kuchen wollen. «Wir haben bereits im umkämpften Markt für PC-Zubehör bewiesen, dass wir keine Konkurrenz fürchten müssen», so Borel. Als einer der ersten Partner habe Logitech zudem Eigenschaften der Plattform so spezifizieren können, dass sie gut zu den eigenen Produkten passen, und das Unternehmen hat durch die frühe Mitarbeit am Projekt besonders gute Kenntnisse der neuen Technologie.