Google kauft für über 3,2 Milliarden Dollar die US-Firma Nest, die digitale Thermostate und Rauchmelder herstellt. Es ist der zweitgrösste Zukauf in der Geschichte des amerikanischen Internetriesen. Nur für die Übernahme von Motorola nahm Google mit 12,5 Milliarden Dollar deutlich mehr in die Hand.

Vernetzte Kühlschränke

Auf den ersten Blick mag die Übernahme von Nest seltsam sein. Heizungsregler und Rauchmelder passen nicht recht mit Internet zusammen – könnte man meinen. Doch mit dem Kauf der Kalifornier aus Palo Alto steigt Google ins boomende Geschäft mit vernetzten Haushaltsgeräten ein. Damit passt der Deal perfekt zu den Visionen von Google-Chef Larry Page, nämlich den Alltag für die Menschen mit intelligenten Technologien zu erleichtern. Mit anderen Worten: Kühlschränke, Heizungen oder die Klimaanlage sollen sich effizient übers Internet steuern lassen.

Google dringt mit dem Deal einmal mehr in neue Geschäftsfelder vor. Jüngst hatte der Konzern etwa mit selbstfahrenden Autos wieder auf sich aufmerksam gemacht.

Vater des iPod

Nest Labs mit seinen 300 Mitarbeitern kam Page somit gerade gelegen. Die Techfirma verbuchte in der Vergangenheit grosse Erfolge mit digitalen und lernfähigen Rauchmeldern und Heizungsreglern. Sie hat sich zum Ziel gemacht, unbeliebte, aber im Alltag unverzichtbare Haushaltsgeräte neu zu erfinden und attraktiver zu gestalten.

Pikantes Detail: Geführt wird Nest von den zwei ehemaligen Apple-Mitarbeitern Matt Rogers und Tony Fadell. Sie waren beim Giganten aus Cupertino ein gefeiertes Designer-Team. Während Fadell gar als «Vater des iPod» gehandelt wird, hat Rogers die mobile Software für iPod und iPhone mitentwickelt. Bei Nest hinterlässt dies Spuren: Die intelligenten Heizungsregler erinnern vom Design her an Apple-Produkte.

Sogwirkung auf Apple-Mitarbeiter

Scheinbar hat das Zweiergespann Fadell und Rogers auch eine Sogwirkung auf andere Apple-Mitarbeiter. Laut «Business Insider» sei eine Vielzahl zu Nest gegangen.

Stellt sich die Frage, weshalb Apple nie Interesse an Nest gezeigt hatte, obwohl deren Technologie gut ins Portfolio des Techriesen passen würde. Berichten zufolge war Apple aber nie am Verhandlungstisch gesessen.

Streit mit Apple-Chefetage

Was sind also die Gründe dafür, dass Apple Nest die kalte Schulter gezeigt hat? Darüber kann nur spekuliert werden. Es könnten aber ganz persönliche Gründe gegeben haben, glaubt der «Business Insider» zu wissen. Fadell habe sich zum einen während seiner Zeit bei Apple nie mit dem Chefdesigner Jonathan Ive verstanden. Dies habe schliesslich dazu geführt, dass der mittlerweile verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs Fadell gefeuert hatte und ihm eine millionenschwere Abfindung hinterher warf. Warum also sollte Fadell an Apple verkaufen, wenn ihm alte Weggefährten wie Ive vor der Nase sitzen würden?

Anzeige

Zum anderen sei Fadell innerhalb des Apple-Konzerns an die Seitenlinie manövriert worden. Auch mit dem mittlerweile ebenfalls entlassenen Scott Forstall, dem ehemaligen Chefentwickler der iPhone-Software, lag er im Clinch. Dieser habe Fadell im Rennen um den Chefposten ausgestochen. So könnte Fadell nicht nur der Zwist mit Ive noch heute am Ego kratzen.

Google bezahlte Finanzierungsrunden

Eine weitere Spekulation geht dahin, dass Google bei Nest ein exklusives Verhandlungsrecht inne hatte. Das käme nicht von ungefähr: Google zeigte sich in den letzten Jahren als Grossinvestor bei Nest und war an Finanzierungsrunden im Jahr 2011 und 2012 beteiligt.

Eines ist sicher: Mit dem Kauf geht der Konkurrenzkampf zwischen Google und Apple in eine neue Runde.