Der Technologieriese Google testet in den USA eine Erweiterung der Suchfunktion. Nutzern, die nach gewissen gesundheitlichen Beschwerden suchen, wird angeboten, mit einem Arzt zu sprechen. Google bestätigt auf Anfrage, dass der Dienst in der Testphase sei.

Die neue Funktion ist ein Ausfluss von «Google Helpout», einer Plattform, die Expertenrat gegen Geld vermittelt. Wer sich als Experte anbietet, entscheidet in der Regel selbst, zu welchem Tarif. Medizinischen Rat dürfen nur zertifizierte Ärzte geben. Das telemedizinische Angebot steht vorerst auschliesslich in den USA zur Verfügung.

Ärzte ohne Bedenken

Selbst wenn sich Google dazu durchringen sollte, den Dienst auf die Schweiz auszuweiten – lokale Anbieter sehen darin keine Konkurrenz. Urs Stoffel vom Schweizer Ärzteverband FMH sagt, ein solches Angebot eigne sich höchstens zur Erstberatung und ersetze keine Arztkonsultationen, insbesondere wenn es darum geht, eine Diagnose zu stellen.

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«Ein telemedizinisches Google-Angebot kann bei offensichtlichen Krankheitsbildern durchaus sinnvoll sein», fügt er an. Aber sobald es kompliziert werde, sobald Laboruntersuchungen notwendig werden, sobald Unklarheiten eine klare Diagnose verunmöglichen, würden solche Dienstleistungen an ihre Grenzen stossen.

Stoffel verweist darauf, dass ähnliche Angebote in der Schweiz ebenfalls mit grossem Brimborium gestartet seien – und sich letztlich doch nicht durchgesetzt hätten. Dazu zählt er «Netcare», ein vom Apothekerverband Pharmasuisse getriebenes Projekt, das in der Apotheke ein Videogespräch mit einem Arzt ermöglicht. Rund 200 Apotheken bieten seit zwei Jahren diese Zusatzleistung an. Etwa 4000 Beratungen gab es in den ersten zwei Jahren.

Apothekerverband sieht Google nicht als Konkurrent

Der Apothekerverband sieht sein telemedizinisches Modell aber nicht von Google bedroht. Stephanie Rohrer, Mitglied der Geschäftsleitung und Kommunikationschefin, nennt zwei Gründe dafür: Erstens zeige eine jüngste Umfrage, dass das Vertrauen der Bevölkerung in Ärzte und Apotheker um ein vielfaches grösser sei als jenes in Internet-Quellen.

Zweitens biete das Angebot der Apotheker mehr als ein Google-Doktor bieten könne. «Der Apotheker kann ein Medikament sofort anbieten oder weitere Abklärungen einleiten, darunter auch ein persönliches Videogespräch mit einem Arzt», sagt Rohrer. Für diese Dienstleitung arbeitet der Verband mit der Basler Telemedizin-Firma Medgate zusammen.

Medgate-Ärzte im Vorteil

Vorteil eines Medgate-Arztes sei das Training, das jeder Arzt erhalte, sagt Cedric Berset, Kommunikationschef des Basler Unternehmens. Die Gesundheitsdienstleister seien speziell geschult, hätten langjährige Erfahrung in der telemedizinischen und telefonischen Beratung und geniessen viel Vertrauen.

Medgate stellt auch Rezepte und telefonische Arztzeugnisse aus. «Stichprobenbefragungen bei Patienten und Arbeitgebern zeigen, dass die Zeugnisse in über 95 Prozent der Fälle von den Arbeitgebern akzeptiert wurden», sagt Kommunikationschef Berset. Fast 50 Zeugnisse pro Woche hätte die Firma in den ersten Monaten dieses Jahres ausgestellt. Die Dokumente wurden per E-Mail an die Patienten geschickt sowie auf Wunsch auch an deren Arbeitgeber.

«Medgate haftet für den Service, den die Firma anbietet», ergänzt Berset. Das Unternehmen ist zugelassener Gesundheitsdienstleister und darf Leistungen zu Handen die Krankenkasse abrechnen. Wenn Google im Schweizer Markt mitmischen möchte, muss das Bundesamt für Gesundheit den Internetriesen entsprechend zertifizieren.

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Sollte Google tatsächlich seine Doktor-Dienste in der Schweiz offerieren, bietet sich deshalb eine Partnerschaft mit Medgate an. Google äussert sich nicht dazu. Und die Telemedizin-Firma sagt, bisher gäbe es noch keine Anfrage. «Wir würden eine solche aber natürlich wie jede Anfrage prüfen», sagt Berset.