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Gotthard-Felssturz: SBB sucht Alternativen für den Güterverkehr

Bergungsmannschaften und Feuerwehrleute untersuchen die Lage nach dem Felssturz. (Bild: Keystone)

Nach einem Felssturz bleibt die SBB-Gotthardlinie einen ganzen Monat gesperrt. Auf der Suche nach Ausweichrouten für den Güterverkehr schaut die SBB ins Ausland.

Veröffentlicht am 06.06.2012

Einen ganzen Monat bleibt die SBB-Gotthardlinie nach dem Felssturz in Gurtnellen UR gesperrt. Für den Güterverkehr sucht die SBB nach Ausweichrouten via Österreich und Frankreich.

Ein verschütteter 29-Jähriger wurde derweil noch nicht geborgen. Es sei tragisch, dass der Urner Arbeiter bei Sicherungsarbeiten ums Leben gekommen sei, sagte der SBB-Geologe Markus Hauser an einer Medienkonferenz in Erstfeld UR. Wann der Leichnam geborgen werden könne, sei unklar, es bestehe weiter akute Felssturzgefahr.

Sorgen bereitet den Geologen vor allem ein 500 Kubikmeter grosser Felsen am rechten Rand der Absturzstelle. Damit die Bergung des Leichnams, den unbegleitete Suchhunde am Dienstag orteten, bald möglich ist, wird der Einsatz eines ferngesteuerten Baggers erwogen.

Der Bergsturz ereignete sich wenige Meter neben der Stelle, an der im März ein Felssturz niederging und das Gleis verschüttete. Seit April waren Arbeiter daran, die alte Absturzstelle zu sichern. Die Arbeiten wären bald beendet gewesen.

Geologen überrascht

Das Felsstück, das sich am Dienstag löste, war 60 auf 40 Meter gross und 15 Meter dick. Die Geologen zeigten sich überrascht vom Ort und der Grösse, aber auch von der Geschwindigkeit des Abbruchs. Der Felssturz vom März sei im Vergleich zum jüngsten Unglück «eine kleine Sache gewesen».

Am Dienstagabend begannen Arbeiter damit, das Gelände oberhalb des Felssturzes zu roden. Damit ein Einblick in die Geologie möglich wird, soll die Oberfläche ganz freigelegt werden, wie Hanspeter Bonetti von der Baufirma Gasser erklärte.

Die Geologen werden dann vom Berghang ein geologisches Modell erstellen. So könne herausgefunden werden, was zur Gewährung der Sicherheit zu tun sei, sagte Hauser.

Eine Schwierigkeit wird auch sein, die mehreren tausend Kubikmeter Steine von der Absturzstelle zu räumen. Sie ist im engen Tal nur über die beschädigte Bahnlinie zu erreichen.

SBB bei Güterverkehr in Nöten

«Wir haben hochgerechnet, dass all dies mindestens einen Monat dauern wird», sagte SBB-Sprecher Reto Kormann. Die Gotthardlinie bleibe demzufolge einen ganzen Monat lang gesperrt.

Sehr stark beeinträchtigt sei der Güterverkehr. Momentan seien zehn Güterzüge in der Schweiz abgestellt, weitere zehn in Deutschland.

Für den Güterverkehr sucht die SBB fieberhaft nach Ausweichrouten via Österreich (Brenner) und Frankreich (Mont Cenis). Denn die Lötschberg-Simplon-Achse ist als Ausweichroute wenig geeignet. Die Simplonröhre wird zurzeit saniert, ihre Kapazität ist dadurch ohnehin schon eingeschränkt.

Zusätzliche Züge brächten die Lötschberg-Simplon-Achse deshalb «schnell ans Limit», sagte Kormann. «Wir versuchen dennoch herauszuholen, was herauszuholen ist, denn es ist die naheliegendste Route.»

Deutlich länger unterwegs

Weniger Probleme dürfte es beim Reiseverkehr geben. Einem Teil der 4000 täglich die Gotthardlinie passierenden Reisenden - jenen aus den Räumen Basel, Olten, Aarau und Bern - empfiehlt die SBB die Lötschberg-Simplon-Achse. Letztere sollte die zusätzlichen Reisenden schlucken können. Längere Reisezeiten sind aber einzuplanen.

Reisende aus den Räumen Zürich und Luzern steigen zwischen Flüelen und Erstfeld auf rund 15 im Einsatz stehende Ersatzbusse um. Sie müssen mit einer Reisezeitverlängerung von 60 bis 90 Minuten rechnen.

Zu den regulären Passagieren kommen die Schulreisen hinzu. «Die Schulreise-Saison stellt uns vor logistische Probleme», sagte der SBB-Sprecher. «Wir sind am Planen, wie wir die Schulklassen ins Tessin und zurück bringen.»

Die meisten kommen mit dem Auto

Das Tessin gehöre zu den beliebtesten Destinationen. Bereits für kommenden Freitag seien rund 1500 Schülerinnen und Schüler für einen Ausflug in den Südkanton angemeldet. Für deren Beförderung würden zwischen Flüelen und Göschenen 23 Busse eingesetzt.

Rechtzeitig zum Beginn der Ferienzeit im Juli sollte die Bahnlinie am Gotthard wieder in Betrieb sein. Die meisten Ferienhungrigen auf dem Weg in den Süden benützten allerdings sowieso nicht den Zug, sondern das Auto, sagte Kormann. Zu den üblicherweise täglich viertausend Reisenden kämen in den Sommermonaten «nicht viele hinzu».

(tno/chb/sda)

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