Unterschiedliche Welten in Bad Ragaz: Die klassizistische Fassade des Fünfsternehotels Quellenhof wirkt wie ein ruhender Pol, nur einen Steinwurf daneben, abgeschirmt durch das medizinische Zentrum und die Tamina Therme, erhebt sich das Spielcasino im Spiegellook mit rotem Neonlicht. Klein Las Vegas neben einer Oase der Ruhe. «Wir wollen weg vom Kurort-Image», begründet Geschäftsführer Peter Eggenberger in der weitläufigen Hotelhalle die neue Philosophie. Vor vier Jahren hat der ehemalige Topmanager bei Mövenpick, Jelmoli und Betty Bossi ins Sarganserland gewechselt. Im Schoss der Grand Hotels Bad Ragaz führt der Gastrospezialist verschiedenartige Betriebe in Personalunion: Zwei Luxushotels (Quellenhof und Hof Ragaz) sowie das Kurhotel Valens, ein Medizinzentrum mit Swiss-Olympic-Status, das öffentliche Thermalbad, einen Golfplatz und das Casino. Über den künftigen Auftritt herrschen klare Vorstellungen: «Wir müssen ein dynamischer Ort sein.» Gemeinsam mit den Gemeindebehörden und dem Tourismusverein hat Eggenberger das neue Label «Spavillage.ch» lanciert. Das Wasser steht im Mittelpunkt, für gesundheitliche Prävention und Rehabilitation.

Ziel: Doppelt so viele Gäste

Mit dem einheitlichen Marktauftritt will der Lenker des Luxusresorts auch ein jüngeres Publikum anlocken. Im Casino hat er das bereits erreicht. An den Spielautomaten und Tischen vergnügen sich 20- und 30-jährige Leute in grosser Zahl. Sie sollen künftig vermehrt auch das übrige Resort nutzen. 40 Mio Fr. will das Unternehmen in die Erneuerung der Tamina Therme stecken. «Zu einem modernen Bad gehören heute eine Saunalandschaft mit Dampfbädern und Fitnessmöglichkeiten», ist Eggenberger überzeugt. Mit einem attraktiven Angebot sollen sich die Besucherzahlen auf 600000 fast verdoppeln. Dazu gehört ein neuer 9-Loch-Golfplatz mit separatem Abschlagplatz, der bereits im Mai 2005 bespielbar ist. Mit tiefen Gebühren will Bad Ragaz eine zusätzliche Klientel ansprechen.

Ergänzt um ein erweitertes Medical-Health-Center und ein drittes Hotel, angelehnt an den Quellenhof, sind rund 100 Mio Fr. nötig. Hauptaktionär Thomas Schmidheiny ist bereit, einen guten Teil davon mitzutragen, aber nun sind weitere Investoren zu finden, die von den langfristigen Erfolgsaussichten für die Grand Hotels Bad Ragaz überzeugt sind.

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Die Stammkunden, viele kommen zwei- bis dreimal im Jahr, wollen gepflegt sein. Sie erhalten vom Chef regelmässig einen persönlichen Brief. Darin kündigt er kulturelle Aktivitäten an, verschiedene Konzerte und Ausstellungen etwa, die diskret der Kundenbindung dienen. Für die besonders Treuen signiert er regelmässig eine Geburtstagskarte, und sie werden regelmässig mit einem Newsletter per E-Mail bedient. Am Preisgefüge lässt Eggenberger dagegen nicht rütteln, das ist er seinen vollzahlenden Kunden schuldig.

Marketing mit Fussballstars

Auch mit Sportstars versucht der Geschäftsführer seinen Betrieb noch besser auszulasten. Aushängeschild ist ihm die griechische Nationalmannschaft, die wenig später Fussball-Europameister wurde, oder Werder Bremen, das mit der Saisonvorbereitung für die deutsche Bundesliga im Sarganserland startete.

Die Selektion der Führungskräfte ist für den operativen Chef matchentscheidend. Als es den Direktionsposten beim Casino zu besetzen galt, habe er zweimal daneben gegriffen. Im dritten Anlauf stellte sich der Erfolg ein. Bereits nach dem ersten vollen Betriebsjahr flossen 20 Mio Fr. in die Kassen der Grand Hotels Bad Ragaz und 2004 sollen es nochmals 15 bis 20% mehr sein. Allerdings pendeln sich nun die Besucherzahlen gut 20 Monate nach der Eröffnung langsam ein.

Das medizinische Zentrum wirft keinen Gewinn ab. Dafür sorgen die knapp zwei Dutzend Belegärzte für eine Basisauslastung in den Hotelbetrieben. Je grösser das Vertrauen der Patienten, umso häufiger kehren sie zu Gesundheitstests zurück. Nach dem Grundsatz «Vorbeugen ist besser als heilen», soll der Wellness-Gedanke besser verankert werden. Die grosse Kunst sei es jedoch, das Bedürfnis der Gäste auch zu erfahren.

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Im nächsten Jahr bereits soll sich das Resort auch rein äusserlich zum modernen Wellness-Park unter einem griffigen Markennamen wandeln.