Unter den Schweizer Industrieunternehmen bildet Schweiter Technologies im laufenden Jahr die grosse Ausnahme: Statt eines Kursrückgangs sind die Titel seit Anfang 2008 um mehr als 10% auf 395 Fr. angestiegen.

Grundsätzlich erstaunt diese Entwicklung nicht, schliesslich verfügt die Gesellschaft nach dem Verkauf des Optikgeschäfts Satisloh an die französische Essilor-Gruppe alleine über einen NettoCash-Bestand von gut 600 Mio Fr., bei einem derzeitigen Börsenwert von 570 Mio Fr. Zum Kauf eines Schweiter-Titels würde ein Investor beim heutigen Stand somit 20 Fr. in bar sowie die Beteiligung an der Textilmaschinen-Firma SSM sowie am Halbleiter-Equipment-Hersteller Ismeca gratis dazu erhalten.

Dass sich die Anleger trotz dieser Ausgangslage nicht auf die Valoren stürzen, hängt mit der Ankündigung von Schweiter zusammen, die liquiden Mittel für den Zukauf eines weiteren Industrieunternehmens zu nutzen und keine Ausschüttung an die Aktionäre vorzunehmen. «Wir gehen davon aus, dass das Unternehmen in den nächsten sechs bis neun Monaten einen Zukauf vermelden wird», sagt Patrick Laager, Analyst bei der Bank Vontobel. Für die geplante Übernahme hatte sich die Führungsriege von Schweiter eigentlich einen Zeithorizont von bis zu zwei Jahren vorgegeben. Erwartet wird, dass es sich dabei um einen klassischen Maschinenbauer handelt. «Man hat den Eindruck, als wisse das Management von Schweiter genau, welches Unternehmen akquiriert werden soll», so Laager. Dass sich Schweiter mit dem Zukauf noch zurückhält, obwohl die Preise im Markt zurückgegangen sind, wird insgesamt begrüsst, schliesslich sorgen hohe Barmittel im derzeitigen Umfeld für grössere Sicherheit.

Anzeige

Liquide Mittel als Kursstütze

Dennoch hat Laager jüngst die Aktien der Industriefirma auf «Hold» zurückgestuft mit einem Kursziel von 460 Fr. Das Hauptargument für die Zielrevision liegt denn auch in der geplanten Akquisition. «Mit der Ankündigung einer Übernahme würden die hohen Finanzmittel, die derzeit den Aktienkurs stützen, wegfallen», begründet Laager. Hinzu kommen die Unsicherheiten und die Risiken, die mit einem Zukauf verbunden sind. Befürchtet wird, dass das Unternehmen nach dem Verkauf seines besten Pferdes im Stall keinen adäquaten Ersatz findet. Der Vergleich mit Mikron, die im Jahr 2000 ihr Fräsmaschinengeschäft an Agie Charmilles abgetreten hat und seither nicht mehr richtig auf Touren gekommen ist, liegt nahe. «So weit würde ich nicht gehen, doch wird es schwierig werden, Satisloh vergessen zu machen», so der Vontobel-Analyst.

Schöne Braut nicht abgegeben

Was nach dem Verkauf der Optiksparte übrig geblieben ist, kann die Investoren jedenfalls nicht begeistern. Zwar wurde die Halbleitersparte Ismeca wieder fit getrimmt, sodass der Bereich das Geschäftsjahr 2007 mit einem positiven Betriebsergebnis von 5,2 Mio Fr. abschliessen konnte, doch hat man die Sparte nicht verkauft. «Die Braut wurde schön gemacht, aber dann doch nicht abgegeben», erklärt Laager.

Keinen Einfluss hatte Schweiter auf die verschlechterten Marktbedingungen in der Textilindustrie. Hier war das Unternehmen genauso betroffen wie die übrigen Schweizer Firmen (siehe Kasten).

Insgesamt konnte sich die Textilsparte SSM als Nischenanbieter gar erfreulich halten. Für das 2. Halbjahr wird in beiden fortgeführten Geschäftseinheiten von schwierigen Rahmenbedingungen ausgegangen.