Die englische Zeitung «The Independant» berichtete vor Kurzem von einem sprunghaften Ansteigen von MBA-Programmen weltweit, die sich einer Kultur des sozialen Wirtschaftens und der Corporate Responsibility verpflichten. Dies gehe weit über Freiwilligenarbeit und pure Menschenliebe hinaus.

Eine wachsende Gemeinde von sozial verantwortlichen Managern stimme mit der Philosophie einer neuen Generation überein: Es gehe darum, zwar ein respektables Einkommen zu verdienen, aber gleichzeitig die Welt zu einem besseren Planeten zu machen. Damit werde sich nicht nur die Kultur der Institute ändern, sondern das ganze Geschäft.

Jenseits der grauen Nadelstreifen

Bisher erregten in den klassischen Ranglisten eher Fakten über Renommee, Angebot, Fakultät und vor allem die zu erwartenden Saläre das Interesse. Inzwischen gibt es zwei bekannte Rankings mit Inhalten, die über den Ruf der Business Schools und ihre Testergebnisse hinausgehen.

Anzeige

Die Rangliste «Beyond Grey Pinstripes» erfasst etwas viel Wichtigeres, nämlich die Frage, inwieweit Hochschulen ihre Studenten auf umweltbezogene, soziale und ethische Probleme der modernen Weltwirtschaft vorbereiten. 2009 nahmen 149 Business Schools aus 24 Ländern teil. Eineinhalb Jahre zeichneten sie jeweils ihre Lehrtätigkeit und Forschung im Bereich wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Themen auf. TopMBA und das Aspen-Institut haben die Liste 2009 erstmals gemeinsam herausgebracht. Ein weiteres Ranking stammt von der Non-Profit-Organisation Net Impact und gibt mit der Studie «Business as unusual» einen Überblick über grüne und sozial engagierte MBA-Kurse.

Die HEC aus Genf macht es vor

Auf der Liste «Beyond Grey Pinstripes» erscheint die HEC der Universität Genf mit ihrem International Organizations MBA auf Platz 46 von weltweit 100 Teilnehmern und erhielt für Research und For-Profit Impact ausgezeichnete Rangierungen. Auch auf der Liste «Business as unusual» erreicht die Genfer HEC einen Achtungserfolg: Von 13 Universitäten, die mit dem Label «Gold Chapters» ausgezeichnet wurden, erreichte sie Rang 10. Aus Europa haben nur die HEC in Paris (Platz 3) sowie die IESE in Barcelona und Madrid (Platz 4) besser abgeschnitten.

Der Slogan der HEC in Genf bedeutet, dass die MBA-Studierenden nicht nur in Nichtregierungsorganisation (NGO) oder den hauptsächlich in Genf ansässigen humanitären Institutionen wie dem Roten Kreuz, der Uno oder dem World Trade Organization arbeiten, sondern auch für multinationale Unternehmen. Dazu gehören beispielsweise Caterpillar, Ciba, McKinsey, Novartis, die Uefa und Procter and Gamble.

Ein grosser Teil des Curriculums des International Organizations MBA beinhaltet klar Corporate Social Responsibility, Public-Private Partnerships, Social Entrepreneurship und andere Themen mit dem Ziel, ehrliches, nachhaltiges Business zu kreieren und die Business Power zu verwenden, um positiven sozialen Wandel einzuleiten. Nach Informationen von Programmkoordinator Marshall S. Sitten (siehe «Nachgefragt») haben die meisten im Social Sector tätigen Organisationen schon lange Bedarf angezeigt für Mitarbeiter, die beides vereinen: Eine sehr gute Ausbildung als Manager sowie den Entscheid, sich für die Lösung globaler Probleme einzusetzen. Der International Organizations MBA wurde mit dem Ziel geschaffen, diese Bedürfnisse anzugehen.

Anzeige

Das IMD in Lausanne zieht mit

Zwei Beispiele von MBA-Absolventen: Ana Karinna Sepulveda (32) ist Kolumbianerin und hat sieben Jahre lang als Senior Consultant & Business Development Manager in Kolumbien, Europa und den USA gearbeitet. Sie beschloss, ihre Karriere auf ein neues Level zu bringen, und schrieb sich in das zwei Jahre dauernde Vollzeitprogramm ein. Heute arbeitet sie als Global Leadership Fellow für das World Economic Forum (WEF). Und Dweep Chanana (30) entschied sich nach verschiedenen Erfahrungen mit den klassischen Managementtheorien ebenfalls für Genf. Danach stieg die Inderin als Authorised Officer bei der UBS ein.

Langsam kommt in den Schweizer Business Schools die Einsicht an, dass Green MBA im Kommen sind. Das IMD in Lausanne hat beispielsweise im Januar mit der Evian-Gruppe einen Event organisiert unter dem Titel «Evian Group at IMD - MBA 2010 Roundtable - Responsible Global Business Leadership». Am IMD existiert auch ein Panel «Climate Change». Und Professor Corey Billington unterrichtet in den MBA-Kursen das Fach «Corporate Sustainability».

Anzeige

 

 

NACHGEFRAGT


«Ehrliches nachhaltiges Business kreieren»

Marshall S. Sitten ist Programmkoordinator des International Organizations MBA (IOMBA) an der HEC der Universität Genf.

Wie erklären Sie sich, dass Green MBA und speziell Ihr Programm stärker ins Interesse der Studierenden rücken?

Marshall S. Sitten: Ein grosser Teil unseres Curriculums verfolgt das Ziel, ehrliches nachhaltiges Business zu kreieren, das weit über die Flachheit üblicher Marketingstrategien mit wenig Veränderungsbereitschaft hinausgeht. Das ist ein Bedürfnis.

Sie arbeiten mit vielen privaten und internationalen Organisationen zusammen. Worin liegt für Sie der Benefit?

Sitten: Einerseits haben wir mit den Professoren, die vorwiegend in Genf tätig sind, die kompetentesten Leute, die unsere Studenten über die relevanten Probleme und Veränderungen, denen sie sich in ihrem Arbeitsbereich gegenübersehen, unterrichten. Viele dieser Organisationen liefern uns nicht nur Teilnehmer, sondern auch Praktikumsplätze für die Zeit nach der Graduierung.

Anzeige