Alan Greenspan hält den Ausstieg Griechenlands aus dem Euro nur für eine Frage der Zeit, da niemand mehr riskieren wolle, dem Land Geld zu leihen.

Wenige Stunden bevor der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras in einer Regierungserklärung vor dem Parlament seine Pläne darlegte, wie das Land seine Rechnungen weiterhin bezahlen kann, erklärte der frühere Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, die Probleme Griechenlands könnten nicht gelöst werden, solange es in der europäischen Währungsunion verbleibe.

Nur eine Frage der Zeit

«Ich sehe nicht, dass es ihnen hilft, im Euro zu bleiben. Und ich sehe gewiss nicht, dass es dem Rest des Euroraums hilft», sagte Greenspan am Sonntag in einem Rundfunk-Interview mit der BBC. «Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis jeder erkennt, dass ein Ausstieg die beste Strategie ist.»

Greenspan, 88, äusserte sich im Vorfeld einer kritischen Woche für Griechenland. Am Montag treffen sich Vertreter der G-20-Staaten, am Mittwoch finden Gespräche der Euro-Finanzminister zu Griechenland statt und am Tag darauf ein Treffen der Staats- und Regierungschefs zum selben Thema. Die Schulden der öffentlichen Hand in Griechenland belaufen sich auf über 320 Mrd. Euro, das entspricht etwa 175 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt.

Greenspan stärkt Deutschland den Rücken

«Griechenland befindet sich in der Situation, dass, wenn es keine neuen Kredite erhält, es zahlungsunfähig wird und aus dem Euro austreten wird», sagte Greenspan. «Zurzeit sehe ich niemand, der bereit wäre, Mittel bereitzustellen, da alle schon oft enttäuscht wurden.»

Auf die Frage, ob er die Haltung Deutschlands unterstütze, standfest zu bleiben gegenüber Forderungen der neuen griechische Regierung nach Erleichterungen bei den Bedingungen seines Rettungsprogramms, sage Greenspan: «Gewiss tue ich das.»

(bloomberg/ise/ama)