Früher verfolgten traditionelle Vermögensverwalter und Hedge-Fonds-Manager klar unterschiedliche Strategien. So boten die traditionellen Verwalter Long-only-Equity-, Anleihen- und Asset-Allocation-Strategien an, die sich an festgelegten Benchmarks orientierten. Hedge-Fonds-Manager hingegen versuchten, durch den Einsatz von Derivaten, Fremdmitteln und Short-Positionen absolute Renditen für die Anleger zu erwirtschaften.

Vorteile der anderen Stile nutzen

In den letzten Jahren haben sich allerdings die Unterschiede zwischen den beiden Anlagestilen zu verwischen begonnen: Sowohl die traditionellen als auch Hedge-Fonds-Verwalter versuchten, die Vorteile des jeweils anderen Anlageansatzes zu nutzen. Die traditionellen Vermögensverwalter möchten ihre Erkenntnisse aufgrund grösserer Freiheit beim Portefeuilleaufbau verstärkt einbringen. Hedge-Fonds-Manager bewundern derweil die umfangreichen Mittel, welche im Rahmen der Anlagepolitik in Long-only-Strategien fliessen. Sie sind deshalb mittlerweile bereit, gewisse Reglementierungen ihres Anlageprozesses hinzunehmen, um mehr Investoren anzusprechen. Nirgends tritt die Konvergenz zwischen den traditionellen und den Hedge-Fonds-Managern klarer zutage als bei den Kategorien Equity 130-30 und Market Neutral.

Lange haben die Hedge-Fonds davon profitiert, dass ihr Anlageprozess keinerlei Beschränkungen unterlag. Erst in letzter Zeit haben die traditionellen Vermögensverwalter begonnen, die Auflagen zu lockern: Zur Verbesserung der Anlageperformance greifen sie nun namentlich auf Leerverkäufe, Derivate und Fremdmittel zurück. Vorausgesetzt ein Manager verfügt über das erforderliche Know-how, hindern ihn Beschränkungen daran, seine Erkenntnisse in einem Portefeuille umzusetzen. Wissenschaftliche Untersuchungen liefern einleuchtende und logische Ergebnisse: Danach kann im Rahmen eines traditionellen Long-only-Ansatzes nur rund ein Drittel aller Erkenntnisse des Managers im Portefeuille abgebildet werden. Wird indes die Long-only-Beschränkung (die bei Weitem einschneidendste Auflage) gelockert, können nahezu zwei Drittel der Erkenntnisse des Vermögensverwalters ins Portefeuille einfliessen. Der Trend zur Lockerung der Beschränkungen, um über Short-Positionen alle Erkenntnisse der Manager im Portefeuille abzubilden, hat den 130-30-Strategien enormen Auftrieb verliehen. Aus den Untersuchungen geht überdies hervor, dass die Ausrichtung auf eine Benchmark die zweitgrösste Beschränkung darstellt. Anders ausgedrückt, verbessert sich die erwartete Portefeuille-Rendite deutlich, wenn der Verwalter seine besten Ideen ungeachtet der Benchmarkgewichtung umsetzen kann. Da marktneutrale Portefeuilles keine Benchmark haben (nur Cash), können sie von gelockerten Benchmarkbeschränkungen vollumfänglich profitieren. Je nach den Risikovorgaben des Anlegers können marktneutrale Manager zur Renditesteigerung ausserdem auf Fremdmittel zurückgreifen.

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Hedge-Fonds verzeichneten nach dem Platzen der Internetblase ein rasantes Wachstum, um in der Folge weltweit über 2,5 Billionen Dollar zu verwalten. Heute halten institutionelle Anleger einen erheblichen und zunehmenden Teil ihres Gesamtvermögens in alternativen Anlagekategorien. Bei der öffentlichen Hand sowie den Unternehmen und Stiftungen beläuft sich dieser Anteil inzwischen auf insgesamt mehr als 15%. Bis Ende 2010 soll er gemäss der von Greenwich Associates für JPM durchgeführten Umfrage auf mindestens 20% steigen.

Mit solchen Zahlen überrascht es nicht, dass die Vermögensverwalter ihre Geschäftsmodelle angepasst haben, um verstärkt alternative Anlagen zu berücksichtigen. Noch vor 15 Jahren hätten praktisch alle der bedeutendsten Vermögensverwalter als «traditionelle» Manager gegolten, waren sie doch - wenn überhaupt - nur in geringem Umfang in alternativen Anlagen investiert. Laut dem Institutional Investor 300 Survey haben mittlerweile 26 der 30 weltgrössten Vermögensverwalter einen erklecklichen Teil ihrer Aktiven in alternativen Anlagen parkiert. Demzufolge bilden Hedge-Fonds heutzutage einen Bestandteil der traditionellen Vermögensverwaltung.

Alternative Anlagen ausbauen

Wie engagieren sich Vermögensverwalter angesichts dieses hohen Wachstums in alternativen Strategien? Einige von ihnen erwerben Hedge-Fonds und erlauben diesen, ihrer Tätigkeit innerhalb ihrer Firmen autonom nachzugehen. Viele andere wiederum haben ihren Anteil an alternativen Anlagen organisch erhöht, indem sie ihre Kernanlageprozesse ausgedehnt und umgestaltet haben. Einige Manager verfolgen beide Ansätze. Es versteht sich von selbst, dass das Gegenteil geschieht, wenn Hedge-Fonds-Manager sich dem traditionellen Long-only-Geschäft zuwenden.