Die Karikatur in einem griechischen Magazin mag die Stimmung verdeutlichen: Abgebildet ist eine Flagge der EU, die goldenen Sterne aber nicht blau unterlegt, dafür in den Nationalfarben Deutschlands. Das Bild ist in einer historischen Dimension einzuordnen. Griechenland war eines der letzten Bollwerke, das sich Hitler-Deutschland im Zweiten Weltkrieg unterwarf. Eine Monarchie und eine Militärdiktatur beherrschten danach das Land im östlichen Mittelmeer. Die heutige Demokratie mit zwei dominanten politischen Kräften, der sozialistischen Pasok und der konservativen Nea Dimokratia, ist noch jung an Jahren. Autokratische Regimes haben die Nation über Jahrhunderte hinweg geprägt. Wenige Jahrzehnte erst können sich die Griechen auf einem demokratischen Fundament bewegen. Nun sind sie gewissermassen unter eine neue Vormundschaft geraten.

Im krisengeschüttelten Griechenland hat derzeit eine Troika, bestehend aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds, das Sagen. Diese Institutionen haben über dem schuldengeplagten Land einen Rettungsschirm aufgespannt. Das Schicksal des EU-Mitglieds ist jetzt fremdbestimmt. Die Mehrheit der Bevölkerung sieht dies als Chance, um mit der finanziellen Unterstützung innerhalb der Euro-Zone in eine neue Zukunft aufzubrechen. Zunächst aber weckt der verordnete Sparplan auch Abwehrkräfte. Im streikerprobten Land gehen die Leute vermehrt auf die Strasse. Demonstrationen bis hin zu blutigen Krawallen prägen speziell das Bild in der Hauptstadt Athen.

Wirtschaftlich leidet die Nation. Der Bürger muss seinen Gürtel enger schnallen. Die Gesundungskur ist ebenso einschneidend wie schmerzhaft. Aber bereits sehen namhafte Ökonomen einen Silberstreifen am Horizont. Yannis Stournaras, Chef des griechischen Think Tank IOBE, erwartet den wirtschaftlichen Aufschwung für 2012. Voraussetzung dafür sind anhaltende Restrukturierungsbemühungen durch die Regierung Papandreou. Erste Erfolge kann sie bereits ausweisen: Das griechische Haushaltsdefizit hat sich von fast 14 Prozent auf 8 Prozent Anteil am Bruttosozialprodukt vermindert. Die hohe Verschuldung wurde zumindest stabilisiert.

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Noch ist Griechenland nicht über den Berg. Es gilt, den Staatsapparat schlanker und effizienter zu gestalten. Das EU-Land hat mit dem Tourismus und der Schifffahrt zwei gewichtige Devisenbringer. Diese können aus der Misere helfen. Allerdings braucht das etwas Zeit. Ein grosszügiges Umschuldungsprogramm durch die Troika könnte im richtigen Augenblick kommen.