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Basel
Griechischer Minister wirft Roche «Erpressung» vor

Roche: Sitz in Basel. Keystone

Roche streitet mit den Griechen um den Preis eines neuen Krebsmedikaments. Der Gesundheitsminister wirft dem Pharmakonzern «erpresserische» Methoden vor.

Von Marc Iseli
am 01.11.2017

Der Basler Pharmakonzern Roche hat ein Krebsmedikament vom griechischen Markt genommen, weil der Staat nachträglich 25 Prozent Steuern eintreiben will. Das Gesundheitsministerium hat daraufhin eine Mitteilung veröffentlicht. Der griechische Gesundheitsminister bezichtigt Roche der «Erpressung».

Der Fall betrifft den Wirkstoff Cobimetinib. Er wird vermarktet unter dem Namen Cotellic und ist ein relativ neues Produkt aus der Roche-Küche. Es wird im Kampf gegen eine aggressive Form von Hautkrebs verwendet.

Roche: Preis ist «untragbar»

«Mit der Einführung des obligatorischen Nachlasses von 25 Prozent auf neue innovative Produkte, der zu einer Reihe bereits bestehender obligatorischer Rabatte hinzukommt, ist die Bereitstellung von Cotellic in Griechenland zum erstatteten Preis untragbar geworden», erklärt ein Roche-Sprecher die Massnahme der Basler.

Roche wolle zwar sicherstellen, dass griechische Patienten Zugang zu innovativen Medikamenten und Behandlungen hätten. «Gleichzeitig müssen wir unser Unternehmen vor dem äusserst ungünstigen Umfeld schützen, das die rabattbasierte Preispolitik für Pharmaunternehmen in Griechenland schafft», so der Sprecher.

Gesundheitsminister reagiert sofort

Roche machte die Massnahme Anfang der Woche publik. Das Gesundheitsministerium reagierte wenige Stunden später mit einer eigenen Mitteilung. Darin spricht Gesundheitsminister Andreas Xanthos, ein ausgebildeter Arzt und Mitglied des Kabinetts von Ministerpräsident Alexis Tsipras, von einem «inakzeptablen und erpresserischen Schritt».

Der Taktik von Roche müsse resolut begegnet werden, sagt Xanthos. Das Gesundheitsministerium und die Regierung seien bereits dabei, entsprechende Massnahmen vorzubereiten. Die Griechen sollen weiterhin Zugang zu Cotellic haben, verspricht Xanthos.

Teil des Bail-out-Plans

Der griechische Gesundheitsminister erklärt, die neue Steuer sei Teil einer Vereinbarung mit den europäischen Geldgebern. Sie sei gesetzlich geregelt und vom Parlament abgesegnet.

Cotellic ist seit 2015 zugelassen. Das Medikament wird zusammen mit dem Mittel Zelboraf verabreicht. Die Kombination kostet laut Medienberichten über 200'000 Franken pro Jahr. 2016 machte Roche mit Cotellic und zwei weiteren Neuheiten einen Umsatz von 400 Millionen Franken, wie dem Finanzbericht zu entnehmen ist.

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