MAZDA.

Vorbei sind die Zeiten, als Mazda am «Hungertuch» nagte und auf Geldspritzen des Mutterkonzerns aus den USA angewiesen war. Die Situation hat um 180 Grad gedreht: Detroit ist um jeden Dollar froh, der aus Hiroshima an die Ford-Zentrale überwiesen wird. Im vergangenen Jahr konnte Mazda – nicht zuletzt in Europa – auf einen erfolgreichen Geschäftsverlauf zurückblicken. Gegen 300000 Autos wurden abgesetzt; dabei spielten die Märkte in Osteuropa und in Russland eine wichtige Rolle. In der Schweiz legte Mazda im Vorjahresvergleich um 4,2% auf 6920 Immatrikulationen zu. Das Wachstum sollte 2008 ähnlich fortgesetzt werden: Mazdas Management für Europa hat sich zum Ziel gesetzt, heuer die Limite von 300000 Neuwagen deutlich zu überschreiten.

Um 35 Kilogramm abgespeckt

Mazdas neue Mittelklasse 6 – lanciert in diesen Tagen in der Schweiz – soll innerhalb dieser Wachstumspläne eine wichtige Rolle spielen, zumal die Japaner auf fortschrittliche Technik setzen. Denn wie schon beim Kleinwagen Mazda 2 wurde auch für die Karosserie des 6er ein grosser Anteil hochfester Stähle verwendet. Dadurch liess sich das Gewicht des neuen Modells – wie beim «kleineren Bruder» – senken, diesmal um 35 kg. Die Japaner verfolgen also weiter ihren Weg, die Tendenz zu ständig schwereren Fahrzeugen zu brechen, ohne dabei Abstriche bei der Sicherheit machen zu müssen. Mazda schwimmt gegen den Trend, den das Konkurrenzumfeld weiter verfolgt.Die Gewichtsreduktion hat verschiedene Vorteile. Erstens hat sie positive Auswirkungen auf den Verbrauch, zweitens wurde aber auch das Fahrverhalten agiler. Die Ingenieure weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ihre Autos schwergewichtig den Bedürfnissen von Familien entgegenkommen, zudem aber auch sportlichen Ansprüchen zu genügenvermögen. Mazda stehe für Fahr-spass und eine frische Erscheinung, wird man nicht müde zu betonen. Was sich in der weltweit geführten Werbekampagne mit dem unkonventionellen Slogan «Zoom zoom» manifestiert ausdrückt.Versuchsfahrten zeigen, dass die zweite Generation des Mazda 6 durchaus in der Lage ist, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Nicht nur die Fahreigenschaften vermögen zu überzeugen, auch das Design suggeriert eine kraftvolle Erscheinung. Diesen Eindruck stützt die markante Front mit dem fünfeckigen Kühlergrill, aber ebenso die grosse Lufteinlassöffnung unter dem Stossfänger, die leicht überhöht angesetzte Motorhaube (wegen des Fussgängerschutzes) sowie die stark ausgeformten Radkästen. Das Modell ist in den drei Karosserievarianten Stufenheck, Schrägheck und Kombi lieferbar.

Umfassendes Sicherheitspaket

Mazda ist mit seinem neuen Modell bereits ab der Basisversion für einen hohen Standard besorgt. Im Fahrzeug sind sechs Airbags und die elektronische Stabilitätskontrolle (ESP) Serie. Zur Grundausstattung gehören ferner eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorne und hinten, ebenfalls Leichtmetallfelgen. Was die Motorenauswahl betrifft (siehe Kasten), begnügt sich Mazda durchweg mit Vierzylinder-Motoren. Auf die Frage, weshalb kein Sechszylinder angeboten werde, kommen Verbrauchs- und Gewichtsargumente ins Spiel. Ein weiterer Punkt, der allerdings vom Hersteller nicht kommentiert wird, dürfte der Preis sein. Unter diesem Aspekt ist die Entscheidung zu sehen, den Mazda 6 nicht in der Sport-Version MPS anzubieten, obwohl die Marke früher auf die MPS-Linie grossen Wert gelegt hatte.Dieses Jahr wird der Mazda 6 durch zwei weitere Versionen ergänzt. So mit Dieselvarianten und zudem, ab März, mit dem Kombi, auf den der Schweizer Importeur grosse Erwartungen setzt. Allerdings ist für den Wagon kein Allradantrieb vorgesehen, obwohl diese Antriebsart eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt und die Marke den früheren Mazda 6 MPS als 4x4 angeboten hatte. Der Antrieb müsste also nicht neu entwickelt, sondern nur angepasst werden. Auch in diesem Fall dürften Kostengründe ausschlaggebend gewesen sein. Es scheint nicht abwegig, dass diese Sparmassnahmen in Detroit angeordnet wurden, denn Mutter Ford geht es alles andere als blendend. Ob damit allerdings der Marke Mazda gedient ist, bleibt offen.

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