Es war vor ziemlich genau 30 Jahren, da gab der damalige Audi-Chef und Porsche-Enkel Ferdinand Piëch als Chef der Marke die Devise aus, Audi müsse zu BMW und Mercedes nicht nur aufschliessen, sondern die beiden Konkurrenten überholen. Piëch, damals wie heute Technik-Freak, gegenwärtig Aufsichtsratschef des VW-Konzerns und damit wohl mächtigster Automanager Europas, erntete zuerst jede Menge Spott, in erster Linie von der damals angesprochenen Konkurrenz.

Den Mitbewerbern ist das Lachen inzwischen gründlich vergangen. Audi steht da, wo Piëch die Marke vor drei Dezennien sah. Beispiel hierfür ist etwa das Finanzergebnis aus dem Krisenjahr 2009. Mercedes meldet 2,6 Mrd Euro Verlust, BMW kann - trotz starkem Gewinneinbruch - immerhin noch ein positives Jahresergebnis von 210 Mio Euro bekannt geben. Audi hingegen weist einen Gewinn von 1,3 Mrd Euro aus.

Grund für die gute Verfassung ist eine Reihe neuer Modelle mit modernster Antriebstechnik und hohem Qualitätsstandard. Neben dem neu entwickelten Kleinwagen A1 (siehe Kasten), mit dem Audi vor allem gegen den Mini aus der BMW Group antritt, macht die neue Top-Reihe A8 mit ausgesprochen effizienten Verbrennungsmotoren Schlagzeilen. Mit den neuen Aggregaten sollen «die grossen Oberklasselimousinen wieder sozial akzeptabel gemacht werden». So drückten sich jedenfalls die Audi-Verantwortlichen auf dem Genfer Automobilsalon aus.

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6 Liter Diesel - Angabe laut Werk

Gemeint ist damit besonders ein Modell aus der A8-Reihe: Die Version mit dem 3.0-TDI-Turbodieselmotor mit 204 PS Leistung. Um einen besonders niedrigen Verbrauch zu erzielen, verzichteten die Ingenieure auf den schweren Quattro-Antrieb und nahmen mit dem Frontantrieb vorlieb. Hintergrund des im Vergleich zur Konkurrenz tiefen Verbrauchs ist die hoch effiziente Direkteinspritzung. Zur Serienaus-rüstung des Energiesparmodells gehört zudem eine Start-Stop-Automatik, die ebenfalls zur Verbrauchsreduzierung beiträgt. Eine hochmoderne Acht-Stufen-Tip-Tronic sorgt für die Kraftübertragung. So ausgestattet werden ein Referenzverbrauchswert (nach EU-Richtlinie) von lediglich 6 l für 100 km und ein CO2-Ausstoss von 159 g/km erzielt.

Dies seien weltrekordverdächtige Werte, betont Audi. Es liegt zwar auf der Hand, dass die 6 l im praktischen Fahrbetrieb nicht erreicht werden, doch selbst wenn es 10 oder 15% mehr sind, lässt sich der Wert salopp als «Spitze» bezeichnen.

Politik hat die Hand im Spiel

Es wird interessant sein, wie sich das Kundeninteresse für modernste Dieselmotoren und für den von der Politik favorisierten Hybridantrieb angesichts solcher Werte entwickelt. Unbestritten ist: Ein moderner Hochleistungsdiesel ist aus produktionstechnischer Sicht um einiges preisgünstiger als ein Hybridantrieb. Wenn beide Varianten im Verbrauch in etwa gleichauf liegen, dann wird es zur Glaubensfrage, welchem Antrieb man den Vorzug gibt. Die Politik hat sich offensichtlich bereits entschieden - zumindest in der Schweiz. Diesel ist politisch nicht korrekt. Ob damit aber der Umwelt wirklich geholfen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Dennoch hält Audi an seinen Dieselmotoren fest. Der Sparmeister aus der A8-Reihe soll 2011 in der Schweiz auf den Markt kommen. Drei Modelle, zwei mit Benzin- und eines ebenfalls mit Dieselaggregat, alle aber mit Quattro-Antrieb ausgerüstet, sind bereits in Kürze lieferbar.

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Der Preis für den besonders sparsamen A8 steht noch nicht fest. Ist dieser publik gemacht, dann gewinnt die Frage, welche Fahrzeugvariante das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis aufweist - unter Berücksichtigung der Umweltverträglichkeit - weiter an Bedeutung.

Eines darf angesichts der Spareuphorie nicht vergessen werden: Komfort und elegantes Design des A8 werden auf sehr viel Gegenliebe stossen. «Das», so die markeninterne Kommunikationssprache, «ist Audis Weg, Umweltverträglichkeit mit Komfort in der Oberklasse unter einen Hut zu bringen.»