Die Abgesandten wollen Maschinen, Anlagen und Dienstleistungen einkaufen. Mit dabei sind bekannte chinesische Großkonzerne wie Hua Wei und China Telekom. Auf der Schweizer Seite hat die schweizerisch-chinesische Handelskammer eine nicht genannte Zahl von Unternehmen organisiert – vorwiegend Grosskonzerne, aber auch KMU. Von offizieller Seite nehmen unter anderem Wirtschaftsministerin Doris Leuthard und Jean-Daniel Gerber, Direktor des Staatssekretariats für Wirtschaft, teil.

Pekings Handelsministerium schickt zum ersten Mal eine hochrangige Einkaufsdelegation nach Europa. Es ist ein wichtiges Signal für den internationalen Handel. China steht seit Jahren in der Kritik. Zum einen überflutet das Land Europa und Amerika mit seinen Waren. Zum anderen erschweren zahlreiche Vorschriften westlichen Firmen noch immer den Verkauf ihrer Produkte im Riesenreich. Dies spiegelt sich in der Handelsstatistik wider: Zwischen Januar und Oktober 2008 betrug der Überschuss Chinas im Handel mit der Europäischen Union 139 Milliarden Euro.

Die Delegation wird heute und morgen in Deutschland unterwegs sein. Nach dem Termin in der Schweiz folgen Kurzbesuche in Spanien und England. "Europa ist der größte Handelspartner Chinas. Mit der Entsendung unserer Einkaufsdelegation mitten in der derzeitigen Krise wollen wir auch ein Zeichen gegen den Protektionismus setzen", sagte der Sprecher des Handelsministeriums, Yao Jian.
Die Handelsreise ist ein Ergebnis des Besuchs von Chinas Regierungschef Wen Jiabao Anfang Januar am Weltwirtschaftsforum in Davos. Dieser hatte damals versprochen, eine solche Mission nach Europa zu schicken. „Nur wenige Wochen später kommen sie zu uns zurück“, lobt Christophe Hans, Sprecher des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements (EVD). Mit den USA hat China schon eine entsprechende Vereinbarung. Seit 2006 gingen die Asiaten dort organisiert auf Einkaufstour. US-Unternehmen brachten diese Reisen Aufträge im Wert von insgesamt 62,4 Milliarden Dollar.

Europas und Deutschlands Unternehmen können sich nach Einschätzung chinesischer Medien nun auch auf Milliardenaufträge freuen. Die Abschlüsse dürften laut der Wirtschaftszeitung "21. Century Business Herald" höher liegen als die Vereinbarungen bei Wen Jiabaos letzter Europareise. Im Januar wurden Geschäfte mit einem Volumen von 15 Milliarden Yuan (1,7 Mrd. Euro) vereinbart. Auch die "China Times" erwartet, dass chinesische Unternehmen Anlagen, Verfahren und Technologien in großem Stil kaufen werden. Diese würden benötigt, um die von der Pekinger Führung aufgelegten Infrastrukturprogramme zu bewältigen.

Das Handelsministerium äußerte sich nicht zur Höhe der erwarteten Abschlüsse. Das sei Sache der Unternehmen, hieß es. Auch Christophe Hans betont, dass die Vertragsunterzeichnungen nicht durch das EVD kommuniziert würden. „Die Plattform findet zu einem ausgezeichneten Zeitpunkt statt“, betont Hans. „Wir befinden uns in einer Krise, Investoren sind sehr willkommen.“ Das Forum zeige, dass China – entgegen früheren Befürchtungen – keine protektionistischen Massnahmen ergreife. „Überdies ist die Veranstaltung als sehr positives Signal bezüglich den bilateralen Beziehungen zwischen China und der Schweiz zu werten“, ergänzt Hans. „China nimmt die Schweiz ernst – im Hinblick auf ein Freihandelsabkommen ein sehr wichtiger Punkt“.

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