Von Europas grössten Banken steht die UBS im Fokus. Einmal mehr. Der Grund sind die immer noch hohen Bestände an amerikanischen Kreditpapieren, insbesondere im eingebrochenen Immobilienmarkt. Per Mitte Jahr wies die Bank ein Engagement von rund 54 Mrd Dollar aus. Am Dienstag sank der UBS-Kurs auf das tiefste Niveau seit der Grossfusion von 1998 und fiel zeitweise unter die 17-Fr.-Grenze. Weitere Kursschwankungen würden nicht überraschen, sagt UBS-Sprecher Michael Willi. «Aber niemand kann ernsthaft von existenzieller Gefahr sprechen», betont er. Dafür streicht Willi die Stärken der Bank hervor. «Wir sind diversifiziert, machen in der Vermögensverwaltung Gewinn, haben ein dickes Kapitalpolster und sind kreditwürdig. Sobald die Gruppe wieder Gewinn macht, steigt auch der Aktienkurs.»

CS: Lehman-Ausstände gesichert?

Vergebens betonten auch die Behörden die Solidität der Schweizer Grossbanken. Die Mehrheit der Investoren gab sich unbeeindruckt. Selbst die Liquiditätsspritzen der amerikanischen, europäischen, englischen und Schweizer Notenbanken zeigten bisher wenig Wirkung.

Im Notpool von zehn Finanzhäusern mit grossem Investmentbanking machen neben der UBS auch die Deutsche Bank und die Credit Suisse mit. Deren Aktien stürzten nach dem Konkurs der US-Investmentbank Lehman Brothers vom vergangenen Wochenende und dem Verkauf von Merrill Lynch weniger stark ab.

Ein CS-Sprecher machte keine Angaben zu einem möglichen Verlust durch den Lehman-Kollaps. Die Zahlen für das 3. Quartal würden Ende Oktober veröffentlicht. Aus Kreisen der Bank ist zu vernehmen, dass alle Ausstände gegenüber Lehman mit Wertschriften gesichert seien.

UBS: «Lehman trifft nicht stark»

Auch für die stärker angeschlagene UBS sollte der Schiffbruch des 158-jährigen Wall-Street-Traditionshauses keine unmittelbaren Folgen haben. «Der Lehman-Konkurs trifft uns nicht besonders stark, unser Engagement ist nicht sehr gross», sagt Sprecher Willi.

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Aus der Schliessung der Handelspositionen mit Lehman kann laut UBS höchstens ein Verlust von 300 Mio Dollar entstehen. «Wie viele andere Banken sitzen auch die Schweizer Grossbanken auf Altlasten, die sie nicht wegzaubern können», sagt der Schweizer Investmentbanker in Diensten der englischen Barclays Capital, Hans-Jörg Rudloff (siehe auch «Nachgefragt»). Jede global tätige Bank müsse nun selbst ihre Bilanz in Ordnung bringen und das Vertrauen wieder herstellen, «das teilweise verloren gegangen ist.»

Die UBS zählt nach der US-Grossbank Citigroup und der US-Investmentbank Merrill Lynch, die von der Konkurrentin Bank of America geschluckt wird, zu den grössten Opfern der Kreditkrise. Die Schweizer haben bisher über 45 Mrd Fr. an faulen Positionen abgeschrieben und über 25 Mrd Fr. Reinverluste in vier Quartalen erlitten. Die gute Nachricht: Die UBS hatte zu einem Zeitpunkt frisches Eigenkapital aufgenommen, als Konkurse grosser Institute noch unwahrscheinlich waren.

«Was ich nie erwartet hätte, ist, dass eine grosse Gegenpartei wie Lehman vom Staat fallen gelassen würde», sagt Barclays-Mann Rudloff. «600 Mrd Dollar Aktiva müssen zwangsliquidiert werden.»

Anders die UBS: Das rigorose Berichtigen von Investments in US-Kreditpapieren und die rasche Kapitalaufnahme bei einem Staatsfonds und im freien Markt würden sich heute bezahlt machen, sagt UBS-Sprecher Willi. «Nach unseren schlimmen Fehlern und dem Ausbruch der Krise haben wir vieles richtig gemacht.» Man habe Vorkehrungen getroffen. «Für weitere mögliche Schläge mit zusätzlichen Abschreibungen sind wir gerüstet.»