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Abbau
Grossbank ING streicht Tausende Stellen

ING-Filiale in Brüssel: Belgien ist vom Abbau stark betroffen. Keystone

Nach dem Kahlschlag bei der deutschen Commerzbank will auch die niederländische Grossbank ING Tausende Stellen abbauen. Der Umbau kommt sieben Jahre nach der staatlichen Rettung in der Finanzkrise.

Veröffentlicht am 03.10.2016

Die niederländische Grossbank ING will im Zuge einer Umstrukturierung Tausende Stellen streichen. Insgesamt dürften von dem Umbau 7000 Arbeitsplätze betroffen sein, teilte die Bank am Montag mit. Dabei seien sowohl Verlagerungen als auch Streichungen denkbar. «Die heute angekündigten Schritte und Pläne bedeuten leider auch, dass eine grosse Anzahl von Kollegen die ING verlassen müssen», sagte ING-Chef Ralph Hamers laut Mitteilung.

Bis zum Jahr 2021 dürften demnach in Belgien etwa 3500 und in den Niederlanden 2300 Stellen abgebaut werden. Bei externen Anbietern könnten zudem 950 Stellen betroffen sein. Insgesamt erfasst der Stellenabbau fast 13,5 Prozent des Personalbestands. Es ist der grösste Abbau seit der staatlichen Rettung vor sieben Jahren.

Für den Stellenabbau sollen Rückstellungen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro gebildet werden. Davon soll 1 Milliarde Euro im laufenden vierten Quartal verbucht werden. Mit der Umstrukturierung will die Bank bis 2021 jährliche Einsparungen in Höhe von etwa 900 Millionen Euro realisieren. Sie reagiert damit nach eigenen Angaben auf niedrige Zinsen und hohe Regulierungskosten.

Kundengeschäft soll ins Internet

Der Finanzkonzern will zugleich die Digitalisierung weiter vorantreiben. Das Kundengeschäft soll sich immer mehr ins Internet verlagern. Dafür sind Investitionen in Höhe von 800 Millionen Euro vorgesehen. An den Ausschüttungsplänen an die Aktionäre soll zudem nicht gerüttelt werden.

«Solche Programme und Vorhaben müssen aus einer Position der Stärke heraus angegangen werden», sagte Bankchef Hamers in einer Telefonkonferenz. Die Geschäftsergebnisse und das Wachstum entwickelten sich gut. Umbauten seien deshalb jetzt sinnvoll, nicht erst, wenn es keine andere Wahl mehr gebe. Ihre Investitionen in die Digitalisierung planen die Niederländer in Österreich, Tschechien, Spanien, Italien und Frankreich. Dort will ING einheimischen Platzhirschen vor allem mit Online-Banking Marktanteile abnehmen.

Kein Schweizer Ableger

ING hat weltweit mehr als 52'000 Arbeitsplätze, davon rund 14'800 in den Niederlanden und mehr als 8000 in Belgien. In Deutschland hat die Bank nach eigenen Angaben rund 3800 Mitarbeiter. Eine ING Schweiz gibt es seit längerem nicht mehr, sie ging 2010 in der Bank Julius Bär auf.

Mit ihren Plänen für einen Stellenabbau ist die ING zurzeit nicht allein. So stehen die grossen europäischen Banken unter anderem wegen der niedrigen Zinsen derzeit immer mehr unter Druck. Die Credit Suisse will im laufenden Jahr 6000 Stellen abbauen, 4800 davon hat sie bereits gestrichen. Auch die UBS ist an einem Kostensenkungsprogramm und will dabei Stellen streichen. Vergangene Woche hatte die Commerzbank einen Kahlschlag angekündigt. Demnach sollen bis Ende des Jahrzehnts 9600 Arbeitsplätze abgebaut und gleichzeitig 2300 Jobs in Wachstumsfeldern neu geschaffen werden.

(sda/gku/chb)

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