ZUSAMMENSCHLÜSSE. Der Markt für Mergers und Akquisition (M&A) ist als Folge der schweren Kreditmarktkrise ins Stocken geraten. Mehr noch: Die milliardenschweren Übernahmen, einer der wichtigen Treiber der internationalen Finanzindustrie, sind im 3. Quartal 2007 grösstenteils aufs Eis gelegt worden. David Bernard von Thomson Financial spricht gar von einem «Stillstand», nachdem im 2. Quartal 2007 bei Firmenübernahmen und Zusammenschlüssen ein mit dem 3. Quartal 1999 vergleichbarer Höhepunkt erreicht wurde.

Doch die Kreditmarktkrise trifft nicht alle M&A-Akteure gleichermassen. Jene, die sich auf mittelgrosse Deals von bis 500 Mio Euro spezialisiert haben, sind bis anhin kaum von der Krise tangiert worden, wie Thomson Financial eruiert hat. Diese Botschaft nehmen die Finanzboutiquen, die übers Wochenende in Paris am M&A-Mid-Market-Forum von M&A International, der weltweit führenden M&A-Allianz, teilgenommen haben, wie Balsam auf. Allerdings ziehen Wolken auf, welche die Champagnerlaune schon bald trüben könnten. Geografisch betroffen von der generellen M&A-Baisse sind Nordamerika und Westeuropa. Dagegen boomt es in den aufstrebenden Märkten, so in Osteuropa und insbesondere in China und in Indien. Nach wie vor fliesst viel Geld in diese Märkte. Die Feststellung von Chris Scales, Direktor von M&A International, ist eindeutig: «Die Geografie der Transaktionen und der Geldströme verändert sich.» Peter Binder, Partner von Binder Corporate in Bern, zeigt sich für den Schweizer Markt zuversichtlich. Jüngstes Beispiel ist die Traditionsfirma de Sede, die an die Zürcher Beteiligungsgesellschaft Capvis verkauft wurde. Die beiden bisherigen Eigentümer, Hans-Peter Fässler und Bernhard Schüler, regeln so ihre Nachfolge. In der Schweiz stehen laut Binder noch viele Deals dieser Art an.Ein weiterer Trend ist, dass die grossen M&A-Akteure, die mit den Mega-Fusionen und Übernahmen das grosse Geld machten, sich nun vermehrt auf die mittelgrossen Deals konzentrieren. Dieses Segment hat sich bisher unbeeindruckt von den Finanzmarktturbulenzen gezeigt. Renommierte Player wie Blackstone und Goldman Sachs haben deshalb bereits vor Ausbruch der Hypothekarkrise bekannt gegeben, ihre Aktivitäten in diesem Bereich zu verstärken. Auch die Investmentbank-Abteilungen der UBS und der Credit Suisse wollen in diesem lukrativen Segment stärker mitmischen. Sie erhoffen sich Zusatzgeschäfte fürs Private Banking. Eine Trumpfkarte, die sie gegenüber den mittelgrossen Finanzboutiquen auszuspielen versuchen. Binder zeigt sich davon unbeeindruckt: «Wir haben die langjährige Erfahrung, geniessen das Vertrauen der KMU und sind unabhängig.»

NACHGEFRAGT
«Für 2008 bin ich zuversichtlich»

Peter Binder, Wie stark tangiert die US-Hypothekarkrise den Schweizer M&A-Markt?

Peter Binder:

Bis jetzt spüren wir keinen Einfluss, da wir auf mittelgrosse Deals spezialisiert sind. Betroffen sind vor allem die grossen Deals von 500 Mio Fr. an aufwärts. Uns geht es nach wie vor sehr gut.

Doch die Finanzierung zahlreicher Übernahmen ist auf Eis gelegt worden, weil die Private-Equity-Firmen in den Sog der Krise geraten sind?

Binder: Bei 95% der Deals, die Schweizer Firmen betreffen, sind keine grossen Private-Equity-Firmen wie Blackstone involviert. Deshalb reagieren wir zurzeit so gelassen, denn die betroffenen Private-Equity-Firmen haben in der Schweiz keinen dominanten Einfluss.

Also ändert sich an der Art der Käufer nichts?

Binder: Die strategische Ausrichtung einer Übernahme oder einer Fusion dürfte wieder wichtiger werden. In letzter Zeit traten neben den anerkannten und erfolgreichen Private-Equity-Häusern rein finanziell orientierte Investoren in den Vordergrund, die mit Deals das schnelle Geld machen wollten, sich aber zu wenig für die Langfristigkeit einer Geschäftsidee interessierten.

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Wie wirkt sich die Krise auf die Preise und die Finanzierung aus?

Binder: Die Preise dürften zum Teil runtergehen. In den vergangenen Monaten wurden zum Teil überrissene Preise für Firmen bezahlt. Zum anderen dürfte die Fremdfinanzierung schwieriger werden, weil die Banken höhere Zinsmargen verlangen. Und die Firmen brauchen wieder mehr Eigenkapital.

Wie wird das restliche M&A-Jahr 2007?

Binder: Es wird trotz der Kreditmarktkrise ein gutes Jahr werden, jedenfalls für den Bereich der mittelgrossen Übernahmen zwischen 20 und 500 Mio Fr.

Und das nächste Jahr?

Binder: Ich bin zuversichtlich. Ausser es passiert an den internationalen Finanzmärkten etwas wirklich Dramatisches. Doch davon gehe ich aber nicht aus. Schlimm für unsere Branche ist, wenn sich die Wirtschaft seitwärts bewegt. Solange es ihr gut oder schlecht geht, kommt es automatisch zu Übernahmen und Zusammenschlüssen.

Warum sind Sie zuversichtlich?

Binder: Weil nach wie vor sehr viel Geld vorhanden ist, das investiert werden will. Allerdings dürften die Investoren etwas vorsichtiger und vernünftiger werden, indem sie nicht mehr nur auf die Schnelle viel Geld verdienen wollen, sondern mehr mittelfristig denken.

In welchen Branchen wird es nächstes Jahr in der Schweiz zu weiteren Übernahmen und Fusionen kommen?

Binder: Ich sehe insbesondere fünf Bereiche: Die Maschinenindustrie, deren Zulieferer, die Gesundheitsbranche, allerdings auf tieferen Niveau als dieses Jahr, der baunahe Sektor sowie die IT.