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Kommentar
Grossbanken: Jetzt beginnt die nächste Umbauphase

Arbeiten vor der Credit Suisse am Paradeplatz: Zusätzlicher Kapitalbedarf. Keystone

UBS und Credit Suisse sollen ihr Kapitalpolster stärken. Das ist gut so. Doch die Neugestaltung der Finanzplatzregeln ist damit noch nicht zu Ende.

Von Simon Schmid
am 13.10.2015

Formell wird erst im Dezember entschieden. Trotzdem scheint bereits alles klar: UBS und Credit Suisse sollen mehr Eigenkapital aufbauen. Konkret sollen die Grossbanken nach dem Willen des Bundes künftig Eigenmittel über 5 Prozent ihrer Bilanzsumme halten. Dies berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise.

Man kann davon ausgehen, dass die Nachricht stimmt, zumal die Zahl in ihrer Grössenordnung übereinstimmt mit den Werten, die in den vorbereitenden Arbeiten der Expertenkommission unter dem Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti aufgetaucht waren. Das Schweizer Regelwerk zu «Too big to fail» gleicht sich damit ein Stück weit der amerikanischen Praxis an.

Den Steuerzahler im Krisenfall entlasten

Für die Grossbanken zeichnen sich unmittelbar drei Konsequenzen ab. Erstens dürften die Dividendenpläne durch die Vorschriften verzögert werden. Ein grösserer Teil des Gewinns als bisher angenommen wird in den kommenden Jahren zum Kapitalaufbau zurückbehalten werden. Zweitens steigt der Druck für Kapitalerhöhungen. Das betrifft vor allem die CS, die ihr Kapitalpolster seit der Krise zurückhaltender aufgestockt hat als die UBS. Drittens dürften die Banken als Folge der modizifierten Regeln bestimmte Schuldtitel, die sie ausgegeben haben, durch andere Kapitalinstrumente ersetzen.

Dass der Bund ernst macht mit den Grossbanken, ist eine gute Nachricht. Bankgeschäfte mit mehr Eigen- und weniger Fremdkapital zu finanzieren, erhöht die Sicherheit. Es schwächt die Anreize, grosse Risiken einzugehen, und verringert die Wahrscheinlichkeit, dass der Steuerzahler bei künftigen Krisen zur Kasse gebeten wird. Eine Erhöhung des Eigenkapitals auf 5 Prozent ist unter dem Strich moderat. Auch wenn die Banken wehklagen werden, so lässt sich der volkswirtschaftliche Nutzen dieser Massnahme kaum ernsthaft abstreiten.

Schulden werden bevorteilt

Mit der Verschärfung von «Too big to fail» ist der Umbau am Finanzplatz aber noch nicht abgeschlossen. Denn das System krankt noch immer an einem immanenten Fehler: an der Tatsache, dass Eigenkapital «teurer» ist als Fremdkapital. Gemäss der ökonomischen Theorie – Stichwort Modigliani-Miller-Theorem – müsste es den Banken eigentlich einerlei sein, auf welcher Basis sie ihre Geschäfte finanzieren. Je höher die Eigenkapitalaustattung ist, desto billiger wird die Aufnahme von Fremdkapital.

Dass dies in der Praxis nicht so ist, liegt im wesentlichen an der unterschiedlichen Steuerbehandlung der beiden Kapitalformen. Diese Diskrepanz zu eliminieren, muss aus Sicht des Gesetzgebers der nächste Schritt sein. Die Brunetti-Kommision hat in ihrem Bericht bereits auf solche Verzerrungseffekte hingewiesen – vor allem unter dem Aspekt der Hypothekarschulden von Privaten. Die steuerliche Vorzugsbehandlung von Schulden ist aber auch bei Firmen störend.

Simon Schmid ist Chefökonom bei der Handelszeitung.

 

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