Als überall die Rollläden runter gingen, war es um die Hypo Real Estate geschehen. Die Anlagen der deutschen Hypothekarbank mögen werthaltig sein. Weil ihr aber keine Bank mehr frischen Kredit gewährte, ging dem Institut die Liquidität aus, und der Staat musste rettend eingreifen.

Der Niedergang der Münchner HRE rückt das Thema der Refinanzierung in der Finanzindustrie ins Rampenlicht. Nach dem Bankenfall fragten sich Investoren, welches Institut als Nächstes über ein Fristenproblem stolpern könnte. Beobachter verwiesen auch auf die UBS-Bilanz, die in den letzten Jahren verstärkt durch Anlagen mit kurzen Fristen finanziert worden sei, da solche Gelder zu Zeiten des guten Ratings der Grossbank besonders günstig zu haben waren.

Eine UBS-Sprecherin sagt auf Anfrage, die Bank habe ein «ausgewogenes Schuldenportefeuille mit breiter Diversifikation», welches die «Abhängigkeit von einer einzelnen Finanzierungsquelle» minimiere. «Dank der breiten Abstützung und dem zentralisierten Funding hat sich die UBS trotz Stress in den Märkten jederzeit problemlos refinanzieren können. Die von Schweizer und internationalen Anlegern anvertrauten Gelder sind ebenfalls zuverlässige Finanzierungsquellen.»

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Trotz den schwierigen Marktbedingungen sind der Bank umfangreiche Langfristgelder zugeflossen, beispielsweise durch eine strukturierte Finanzierung über 35 Mrd Fr. oder die rund 15 Mrd Fr. der zweiten Eigenkapitalerhöhung.

Die Grossbank weist die kurz- und langfristigen Verpflichtungen aus. Hatte die UBS Ende 2003 58 Mrd Fr. Kurzfristkapital in ihren Büchern, waren es Ende 2007 bereits 152 Mrd Fr., ein Plus von rund 160%.

Die Zunahme der Langfrist-Verbindlichkeiten von 31 Mrd Fr. auf 70 Mrd Fr. fiel moderater aus und betrug rund 127%.

Laut einem Sprecher gibt es bei der Credit Suisse keinen Trend zu kurzfristiger Finanzierung. Im laufenden Jahr habe die Bank bereits umfangreiches Langfristkapital aufgenommen. «Wir zielen auf ein konservatives Refinanzierungsprofil und haben als globale Bank Zugang zu verschiedenen Märkten und umfangreichen Finanzierungsarten», sagt CS-Sprecher Marc Dosch. «Daher ist unser Funding breit diversifiziert – nach Fristigkeiten, Währungen, Märkten und Produkten.»

Die Verschiebung Richtung kurzfristige Finanzierung sage nichts über die Stabilität einer Bank aus, sagt ein Bilanzexperte einer Schweizer Bank, ohne sich zitieren zu lassen. «Entscheidend ist, wie das Geld auf der Aktivseite angelegt wird.» Nur wenn die Bank schwer liquidierbare Assets mit kurzfristigem Geld finanziere, laufe sie Gefahr, illiquide zu werden.

UBS und CS gut positioniert

Laut Gesprächspartnern von UBS und CS stehen den beiden Schweizer Grossbanken trotz der Verunsicherung an den Finanzmärkten nach wie vor zahlreiche Finanzierungsquellen offen. «Refinanzierung ist ein Raum mit tausend Türen. Problematisch wäre es erst, wenn man nur zu wenigen Türen Zugang hätte und sich eine davon plötzlich verschliesst», sagt ein Grossbanken-Vertreter.