Europas grösster Billigflieger Ryanair könnte wegen Wettbewerbsbedenken in Grossbritannien zu einem Verkauf seiner gesamten Anteile an dem irischen Rivalen Aer Lingus gezwungen werden. Das britische Kartellamt erwägt nach Angaben einen solchen Schritt.

Mit dem Anteil von etwa 30 Prozent habe Ryanair zwar nicht die Kontrolle über seinen heimischen Konkurrenten, könne aber bei wichtigen Entscheidungen wie einer Fusion mit einer anderen Fluggesellschaft, Kapitalerhöhungen oder den Verkauf von Landerechten mitreden. Ryanair-Chef Michael O'Leary erklärte, die Behörde verstosse damit gegen EU-Recht.

Entscheidung im Juli

Die Wettbewerbshüter dringen nicht unbedingt auf einen gesamten Verkauf der Aer-Lingus-Anteile, die gemessen am Börsenkurs 240 Millionen Euro wert sein könnten. Infrage kämen auch ein teilweiser Verkauf oder andere «Abhilfemassnahmen». Endgültig entschieden werden soll im Juli.

Ryanair hat bereits mehrfach versucht, die 75 Jahre alte Aer Lingus zu übernehmen. Die EU-Kommission als Wettbewerbsaufsicht untersagte das Vorhaben aber schon zwei Mal, weil sie eine marktbeherrschende Stellung befürchtet, zuletzt erst Anfang des Jahres. 

Ryanair hat gegen die EU-Entscheidung Widerspruch eingelegt. Der gemeinsame Marktanteil beider Airlines bei Kurzstreckenflügen ab Dublin betrug im vergangenen Jahr 87 Prozent.

(muv/vst/sda)

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