SPEZIALCHEMIE. Die jüngsten schlechten Nachrichten aus der Nordwestschweiz lassen das Interesse von potenziellen Käufern nicht erlöschen. Sowohl Ciba als auch Clariant gelten mehr denn je als Übernahmekandidaten. Eine Umfrage der «Handelszeitung» bei Konkurrenten der beiden Spezialchemie-Unternehmen zeigt, dass Interesse an Ciba und Clariant da ist. So meint Chris Huntley, Sprecher des US-Chemiekonzerns Dow Chemical: «Wir machen kein Geheimnis aus der Tatsache, dass wir unser Spezialchemiegeschäft verstärken wollen – sowohl durch organisches Wachstum als auch durch gezielte Zukäufe.» Dow Chemical schaue sich deshalb stetig und weltweit nach möglichen Übernahmeobjekten um. «Einige Gespräche befinden sich erst am Anfang, andere kurz vor dem Abschluss», sagt er.

Die Konkurrenten Rhodia (Frankreich), Rohm and Haas (R&H) aus den USA und Basell aus den Niederlanden sind ebenfalls für Zukäufe offen. Alle drei wollen nicht nur organisch, sondern auch durch Akquisitionen wachsen: «Auf lange Sicht wollen wir grösser werden», betont etwa Basell-Sprecher Waldemar Oldenburger. Basell wollte im 3. Quartal 2007 den US-Konzern Huntsman erwerben. Dessen CEO, Peter Huntsman, signalisierte im vergangenen Sommer gegenüber der «Handelszeitung» starkes Interesse an Ciba und Clariant. Mittlerweile verkaufte Huntsman seine Firma an das Unternehmen Hexion. Zu Ciba und Clariant schweigt er nun.

Lanxess wartet zu

Eine indirekte Absage erteilt Akzo Nobel. Der holländische Konzern hat soeben sein Pharmageschäft abgestossen und die britische Chemiefirma ICI übernommen. «Die nächsten Jahre werden wir für die Integration aufwenden», sagt Sprecherin Tineke Dikken. In kleinerem Rahmen wolle man aber weiterhin an der Branchenkonsolidierung teilnehmen.Der deutsche Chemiekonzern Lanxess prüfte im 1. Halbjahr 2007 eine Übernahme von Clariant, erachtete den Kurs von damals über 20 Fr. pro Aktie aber als zu hoch. Heute steht der Kurs bei 12 Fr. Trotzdem sagt Kommunikationschef Christoph Sieder: «Momentan gibt es keine potenziellen Ziele für eine grosse Übernahme.»

Anzeige

Hoher Ölpreis belastet Geschäft

Nicht zu ihrer Strategie äussern wollten sich die Branchenplayer BASF, Bayer, Du Pont und Evonik (Ex-Degussa). Das chinesische Chemieunternehmen Sinopec, das sich global durch Zukäufe verstärken will, liess die Anfragen gänzlich unbeantwortet. Im Mai 2007 diskutierten offenbar die Venture-Capital-Gesellschaften Permira und Blackstone ein Angebot für Clariant. Eine konkrete Offerte wurde aber nicht eingereicht.Die schlechten Ergebnisse des 3. Quartals führten dazu, dass sowohl Ciba als auch Clariant ihre Prognosen für das gesamte laufende Geschäftsjahr nach unten korrigieren mussten. Die Analysten gehen zusätzlich davon aus, dass ein grosser Teil des 2007 erwirtschafteten Gewinns durch den stetig steigenden Ölpreis aufgefressen werden wird. Die hohen Preise für Öl und andere Rohstoffe sind dafür verantwortlich, dass Ciba und Clariant kaum aus ihrer ungemütlichen «Sandwichposition» zwischen mächtigen Rohstofflieferanten und ebenso mächtigen Kunden finden. Die Verhandlungsposition der Unternehmen ist oftmals zu schwach, um höhere Kosten wirklich auf die Kunden überwälzen zu können.Die missliche Geschäftslage und das potenzielle Interesse an Ciba und Clariant lässt die CEO kalt: In Interviews haben Armin Meyer (Ciba) und Jan Secher (Clariant) in den letzten Tagen erneut betont, dass ihre Unternehmen unabhängig bleiben sollen.