Wäre da nicht das Schild mit der Aufschrift Weingut Alexander Laible, das einem die Gewissheit gibt, am richtigen Ort angelangt zu sein, würde man nicht auf die Idee kommen, dass in dem grossen, hangarähnlichen Gebäude ein Winzer seine Kellerei untergebracht hat. Denn weit und breit sind keine Reben zu sehen. Darauf angesprochen, erklärt Alexander Laible, dass in dem Gebäude einst eine Grossbäckerei untergebracht war und dass seine Reben in beträchtlicher Distanz von hier gedeihen: Die Rieslinge, die Scheurebe und der Lemberger 40 km nördlich in Sinzheim bei Baden-Baden, die Burgundersorten dagegen 40 km südlich bei Lahr.

Erblich stark vorbelastet

Alexander Laible ist der jüngste Sohn von Durbachs Spitzenwinzer Andreas Laible (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 26 vom 24. Juni 2009). Wie für seinen Bruder Andreas junior, der in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist, war auch für Alexander von Kindheit an klar, dass er sich im späteren Leben dem Weinbau widmen würde. Die Winzerlehre absolvierte er in seinem Heimatort Durbach, auf den beiden renommierten Weinbaubetrieben Schloss Ortenberg und Metternich. Nach der Ausbildung zum Weinbautechniker an der Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg wirkte er als Kellermeister im 60-ha-Weingut Albert Kallfelz in Zell an der Mosel.

Lange Suche nach Kellergebäude

Da sich die Hoffnung, eines Tages das Gut übernehmen zu können, zerschlugen, kehrte er in die Ortenau zurück, arbeitete teils im elterlichen Weingut, teils als Betriebsleiter und Kellermeister im Weingut Jasmin Kiefer in Ortenberg, das er innert zweier Jahre auf Vordermann brachte.

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2006 wagte der damals 28-Jährige den Schritt in die Selbstständigkeit. Lange hatte er erfolglos nach einem bestehenden Gut gesucht, das er hätte übernehmen können. In den elterlichen Betrieb einzusteigen, schien weder ihm noch dem Bruder Andreas und dem Vater eine ideale Lösung zu sein. «Drei ehrgeizige Vollblutwinzer, von denen jeder seine eigenen Ideen hat, würden sich im gleichen Betrieb wohl kaum voll einbringen können, sondern sich eher gegenseitig behindern. Es ist besser, wenn jeder genügend Freiraum hat, um den Weg gehen zu können, den er für den richtigen hält», kommentiert Alexander Laible.

Zuerst fand er die Reben, aber erst kurz vor der Lese 2007 auch das notwendige Gebäude: «Ich rief alle Gemeinden in der Umgebung an und erkundigte mich nach passenden Räumlichkeiten. Wider Erwarten wurde ich dann in meiner Heimatgemeinde Durbach fündig. Am Dorfrand stand diese Produktionshalle zum Verkauf, die mir für meine Zwecke bestens geeignet erschien.» Mit Hilfe der Familie, von Freunden und den Brüdern der evangelischen Bruderschaft Kecharismai in Dettingen an der Erms richtete er das baufällige Gebäude im Eiltempo her. «Es war ein Wettlauf gegen die Zeit. Genau einen Tag vor der Lese wurden wir fertig.»

Rundherum Lob eingefahren

Und so wurde der 2007er dann doch noch Alexander Laibles erster Jahrgang, der gleich für Furore sorgte. «Erster Jahrgang, erste grosse Weine!» titelte der «Weinwisser» und prophezeite dem Senkrechtstarter eine «grosse Karriere». Auch die in der Weinbranche beliebten Auszeichnungen liessen nicht lange auf sich warten. So ernannte ihn die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft flugs zu «Deutschlands bestem Jungwinzer des Jahres 2007», GaultMillau machte ihn zur «Entdeckung des Jahres 2009» und die Grand Jury Européen kürte ihn dieses Frühjahr zum «Nachwuchswinzer Europas 2009».

Schwergewicht beim Riesling

Alexander Laibles Lieblingssorte ist der Riesling. Mit ihr ist die Hälfte der rund 8 ha Rebfläche bestockt. Sechs trockene Weine und eine Beerenauslese keltert er aus den Trauben der verschiedenen Sinzheimer Parzellen. Auf der anderen Hälfte stehen Weissburgunder, Grauburgunder, Chardonnay und Spätburgunder sowie Lemberger (Blaufränkisch) und seit kurzem auch die aromatische weisse Varietät Scheurebe. Geerntet wird in mindestens drei Lesedurchgängen. «Wir ernten nur jene Trauben, die optimal reif sind.» Im Keller werden die Weine so schonend wie möglich behandelt und langsam vergoren. «Die Weissweine gären sechs bis acht Wochen, manchmal bis zu vier Monate lang in Edelstahltanks und bleiben bis Februar/März auf der Feinhefe liegen. Danach werden sie erstmalig filtriert. Eine weitere Filtration erfolgt mit der Füllung frühestens im April.»

Laibles Weine sind keine voluminösen Jungwinzerbrocken, sondern elegante, finessenreiche Gewächse. «Ich will keine lauten, alkoholischen Blenderweine machen, sondern solche, die sich entwickeln können und erst mit der Zeit ihren Charakter zeigen», kommentiert er. Und: «Meine Weine sollen nicht die Eigenschaften eines Sprinters haben, sondern die eines Marathonläufers.»