Während viele Mitbewerber in den Sog von Verlusten geraten, will Swiss auch 2009 Gewinne einfliegen, wenn auch nicht mehr so deutlich wie 2008 und 2007. Um dieses hehre Ziel zu erreichen, stemmt sich die Lufthansa-Tochter mit einem rigoro- sen Massnahmenpaket gegen die Krise (siehe Kasten). Dabei wird dem Personal einiges abverlangt - mittlerweile sind alle der 7300 Swiss-Angestellten angehalten, freiwillig unbezahlten Urlaub zu nehmen (siehe «Handelszeitung» Nr. 23 vom 3. Juni 2009).

Nun geht die Führungsetage mit gutem Beispiel voran, wie der künftige Chef Harry Hohmeister auf Anfrage der «Handelszeitung» erklärt: «Die Geschäftsleitung und das Top-Management der Swiss haben beschlossen, im Sommer zwei Wochen unbezahlten Urlaub zu nehmen und dennoch weiter zu arbeiten.» So gesehen verzichtet das Kader auf zwei Wochen Nettolohn. Er fügt hinzu: «Mit all den eingelei-teten Massnahmen wollen wir 2009 unter dem Strich einen grossen zweistelligen Millionenbetrag in Franken sparen.» Das dringlichste Bestreben im Krisenmanagement der Swiss ist es, einen Stellenabbau zu verhindern: «Gemäss heutigem Stand sind Entlassungen bei der Swiss in absehbarer Zukunft kein Thema. Vorher würden wir die flächendeckende Einführung der Kurzarbeit prüfen. Auch dies ist zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht vorgesehen.»

Swiss leidet weniger als Branche

Trotzdem könnte man ob all den Sparübungen meinen, dass es Swiss nicht mehr so gut geht. Hohmeister entgegnet: «Nein. Wir handeln lieber präventiv, weil wir schon länger sehen, dass es dieses Jahr extrem schwierig wird und wir mit schlechteren Ergebnissen konfrontiert sein werden. Wir geben so heftig Gegensteuer, um sowohl profitabel als auch gestärkt aus der Krise hervorzugehen.»

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Die Aussichten für die globale Airline-Industrie in diesem Jahr sind indes mehr als finster: Der Luftfahrt-Weltverband IATA rechnet für die Branche neu mit Verlusten von fast 10 Mrd Fr.; vor zweieinhalb Monten waren es noch 5 Mrd Fr. Zudem sind laut IATA weltweit 100000 Stellen gefährdet.

Ein Aufschwung ist nicht in Sicht. Auch bei Swiss ziehen weitere dunkle Wolken auf. Nachdem das 1. Quartal 2009 noch fast gleich profitabel wie die Vorjahresperiode war, sieht es für den Rest des Jahres nicht mehr danach aus: «Der Ausblick präsentiert sich leider zunehmend düster. Allein im April wurden wir mit einer deutlichen Erlöseinbusse von rund 100 Mio Fr. konfrontiert», heisst es in einem Crew-Mail von Christoph Franz (scheidender CEO per 30. Juni) und Harry Hohmeister (designierter CEO per 1. Juli). Weiter schreiben die Chefs: «Insgesamt lagen wir damit im April deutlich unter Budget und auch Vorjahr, dies zum ersten Mal seit Jahren.»