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Sika-Deal
Grosser Friede mit grossem Risiko

Sika
Sika: Der Streit um den Schweizer Bauchemiekonzern ist beigelegt. Quelle: Keystone

Nach jahrelangem Streit ist beim Sika-Deal nun von einer «Win-Win»-Situation die Rede. Aber: Der Konzern wird zu einem Übernahmeobjekt.

Kommentar  
Von Stefan Barmettler
am 11.05.2018

Wie hat man sich jahrelang mit Dreck beworfen und jedes klitzekleine Argument vor den Gerichten angefochten. Ganze Bataillons von Anwälten, M&A-Bankern und PR-Beratern standen im Kampf um Sika im Dauereinsatz. Für die gehässigen Streitereien gingen, meine Schätzung, locker 80 Millionen Franken drauf.

Seit ein paar Stunden ist alles ganz anders. Nun haben sich die Streithähne – Familie Burkard, Sika-Verwaltungsrat, Saint-Gobain-Management – fast schon lieb. Diese Nacht hat man sich geeinigt, wie wenn fast nichts gewesen wäre. Nun ist gar von einer Win-Win-Win-Situation die Rede.

Nun, Gewinner ist vorerst die Familie Burkard. Der Sika-Ankeraktionär, der seine Aktien voll umfänglich an Saint Gobain verkaufen wollte, bekommt im neu ausgehandelten Deal nicht 2,8 Milliarden Franken für das Abtreten ihrer Aktien, sondern sogar 3,3 Milliarden. Ein Plus von 500 Millionen. Ein halber Gewinner ist Saint-Gobain. Die Franzosen geben zwar den Anspruch auf die ganze Macht bei Sika auf, doch als Trost erhalten sie 10 Prozent an der Baustofffirma, und zwar zum Schnäppchenpreis. Unter dem Strich dürften sie 700 Millionen sparen. 

Möglich macht all dies der Sika-Verwaltungsrat. Seine Unabhängigkeit ist ihm offenbar über 1 Milliarde wert. Nur so können am Schluss alle Streithähne erhobenen Hauptes vom Platz.

Kein Ankeraktionär mehr

Wie lange die Zufriedenheit an der Sika-Spitze anhält, ist allerdings eine ganz andere Frage. Denn die neue Ausgangslage ist pikant: Sika gibt mit dem heute angekündigten Deal die Vinkulierung auf und erhält eine modernere Machtstruktur. Sie ist neu dem Prinzip «One Share – one Vote» verpflichtet. Das aber macht Sika, eine funkelnde Industrieperle, definitiv zum heissen Übernahmeobjekt.

Künftig gibt es im Fall der Fälle keinen bestimmenden Ankeraktionär mehr, der für die Unabhängigkeit sorgt, wie das die Familie Burkard in der Vergangenheit tat. Saint-Gobain ist zwar künftig der grösste Sika-Aktionär, aber das könnte sich rasch ändern, wenn ein chinesischer Staatskonzern oder ein amerikanischer Multi ein paar Milliarden auf den Tisch legt. In diesem Ernstfall müssten Sika und Saint-Gobain plötzlich in die nächste Schlacht ziehen – diesmal als Partner. Immerhin: Kampferprobt ist man mittlerweile.  

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