Der Boom der kleinen und mittelgrossen Aktien, der Small und Mid Caps, erstaunt nicht. Die grosskapitalisierten Blue Chips des SMI-Aktienindex vermochten nämlich im Anlagejahr 2010 mit mageren 1,2 Prozent Kurssteigerungen keine rechte Freude zu bereiten. Mit diesem mageren Ergebnis knüpften sie fast nahtlos an die vorangegangenen Jahre an. In den letzten fünf Jahren verloren Investoren sogar Geld mit den bekannten Namen auf dem Börsenzettel. Ganz anders präsentiert sich das Bild bei Small und Mid Caps: Sie warfen in der gleichen Zeit eine Rendite von weit über 30 Prozent ab, davon mehr als 20 Prozent allein 2010.

Positiver Small-Cap-Effekt

Der sogenannte Small-Cap-Effekt ist inzwischen in aller Munde. Er besteht darin, dass über lange Zeiträume kleinere und mittelgrosse Titel, die in Portfolios zusam-mengefasst sind, deutlich mehr Rendite abwerfen als Blue Chips. Die Ursachen sind umstritten. Eine plausible Erklärung lautet, dass Anleger in diesem Segment für ihr Engagement eine sogenannte Liquiditätsprämie erhalten. Die Transaktionskosten als Spanne von Geld- und Brief-Kursen betragen nämlich teilweise ein Mehrfaches dessen, was bei Blue Chips zu beobachten ist. Ferner spielen bei Small Caps Wachstumstitel und Fehlbewertungen eine wichtigere Rolle als bei Blue Chips.

Neben diesem attraktiven Rendite-Risiko-Verhältnis weisen Schweizer Small und Mid Caps für Aktienanleger eine weitere positive Eigenschaft auf: Ihre Diversifikationseigenschaften als Ergänzung zu einem Blue-Chip-Portfolio sind erstaunlich gut. Eine Auslanddiversifikation, zum Beispiel in die Indizes DAX 30 oder den MSCI World, trägt weniger zur Risikominderung bei als die Diversifikation in Schweizer Small und Mid Caps. Lediglich japanische Aktien weisen nennenswert bessere Diversifikationseigenschaften auf.

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Wie lässt sich an den Chancen von Small und Mid Caps partizipieren? Während der letzten Jahre konnte bei institutionellen Anlegern ein zunehmendes Interesse am sogenannten «Core-Satellite-Ansatz» festgestellt werden. Das Segment der grosskapitalisierten Aktien wird dabei immer öfter mit einer sogenannten Full Replication passiv abgedeckt. Als Satellit wird ein aktiv verwaltetes Mandat für Small und Mid Caps vergeben.

Eine für private Anleger angepasste Investitionsmöglichkeit könnte ein SPI-Gefäss darstellen, dem zusätzlich 20 bis 25 Prozent Small und Mid Caps beigemischt werden. Analysen zeigen, dass das unter Rendite und Risiko optimal zusammengesetzte Schweizer Aktienportfolio zu 60 Prozent aus Blue Chips und 40 Prozent aus Small und Mid Caps besteht.

Wie nachhaltig sind die Vorteile?

Zu guter Letzt stellt sich die Frage, ob der Small-Cap-Effekt über kurz oder lang verschwindet. Das wird kaum eintreffen. Die Marktführer im Aktienresearch Schweiz decken derzeit nämlich nur rund die Hälfte aller SPI-Titel ab. Die Research-Häuser werden aus ökonomischen und praktischen Gründen ihre Universen kaum stärker ausdehnen, denn Research muss sich in entsprechende ertragsbringende Empfehlungen umsetzen lassen. Gibt es pro SMI-Titel im Schnitt 33 Kaufs-, Halte- oder Verkaufsempfehlungen, sind es im Small- und Mid-Bereich lediglich 4,7. Dabei sind es vor allem die Mid Caps, die sich quasi im «Vorzimmer» des SMI tummeln und Beachtung geniessen. Unterhalb bietet sich dem aktiven Manager mit dem erforderlichen Know-how und den notwendigen Ressourcen im Rücken ein weites Feld, um für Anleger attraktive Renditen zu erwirtschaften.