In der 1. Jahreshälfte gab es eine Rückkehr zur Profitabilität - ist der Umbau des Geschäftsmodells jetzt abgeschlossen?

André Kudelski: Seit Juni ist der Umbau beendet und die 57 Mio aktiven Karten für TV-Settop-Boxen werden jetzt nach dem Mietmodell verwendet. Der grosse Umbau vom Verkaufs- zum Service-mietmodell hat die Profitabilität der ganzen Gruppe während der letzten 18 Monate beeinträchtigt.

Inwieweit schützt das Service-mietmodell den Umsatz im Abschwung?

Kudelski: Das Mietmodell hat den Vorteil, dass es den Interessen von Kudelski und denen der grossen Kunden besser gerecht wird. Es ist zwar teuer, ein solches Mietmodell einzuführen, aber es ist wirtschaftlich robuster auch bei Szenarien, bei denen die Kundenzahl der Netzbetreiber stagniert.

Wie robust ist die Nachfrage in Ihren wichtigsten Geschäftsbereichen Digital-TV und Zugangskontrollen?

Kudelski: Digital-TV hat weiterhin gesunde Wachstumsraten, weil hier der Markt weiter wächst und wir von den Vorteilen des Umbaus des Geschäftsmodells profitieren. Public Access blieb jetzt trotz des schwierigen Umfeldes robust.

Kann das Halbjahresergebnis auf das Gesamtjahr hochgerechnet werden? Und auf das Jahr 2010?

Kudelski: Unsere Erwartung liegt für dem Umsatz zwischen 1,07 und 1,1 Mrd Fr. Die Prognose für den operativen Gewinn wurde leicht auf 60 bis 70 Mio Fr. nach oben gesetzt. Für eine Prognose zu 2010 ist es zu früh.

Asien schnitt ziemlich enttäuschend ab.

Kudelski: In der 1. Jahreshälfte haben die Ungewissheiten auch den asiatischen Markt getroffen. Deshalb wurde die Auslieferung neuer Installationen in einigen Fällen verzögert. Aber die Zunahme der Abonnenten bei den Netzbetreibern war weiterhin stark, das hat unseren Umsatzmix weiter verbessert.

Der US-Kunde Echostar ist der grösste Einzelkunde. Inwieweit beeinträchtigt der angeschlagene US-Häusermarkt das Digitalfernsehgeschäft?

Kudelski: Das neue Mietmodell macht unser Geschäft mit Echostar widerstandsfähiger bezüglich der Wachstumsschwankungen bei Echostar. Bei Echostar selber erholt sich die Abonnentenzahl wieder.

In den alten Zeiten des Kaufmodells lagen die Betriebsgewinnmargen bei Ihnen bei 25%. Werden die Anleger das bald wieder sehen?

Kudelski: Ja, das Mietmodell gibt uns das Potenzial, im Kerngeschäft Digital-TV 20 bis 25% Betriebsgewinnmarge wieder zu erreichen. Diese Margen hängen aber auch von unseren Investitionen in neue Geschäftsbereiche ab.

Beim Halbjahresresultat sprachen Sie von einer «vielversprechenden Pipeline». Wann dürfen Anleger mit Nachrichten zu neuen Kunden rechnen?

Kudelski: Seit Jahresanfang berichten wir regelmässig über den Gewinn neuer Kunden. Und das Unternehmen Numericable hat sich entschlossen, neue, vielversprechende Produkte einzuführen. Das wird weitere Verträge nach sich ziehen.

Anfang September kauften Sie eine weitere kleine Technologiefirma in den USA. Akquirieren Sie weiterhin bevorzugt Technologie und nicht Marktanteile?

Kudelski: Medioh ist ein Unternehmen, das End-to-End-Lösungen für Multimedia-Geräte herstellt. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir unser Produktportfolio ausbauen, um von der Konvergenz von Digitalfernsehen und Web-Diensten profitieren zu können.

Auch die Firma OpenTV wollten Sie kaufen, aber aufgrund von einigen Aktionären, die einen höheren Preis möchten, ist die Sache in der Schwebe. Inwieweit beeinträchtigt dieser Zustand das Alltagsgeschäft mit OpenTV?

Kudelski: Im Juni haben wir bestätigt, dass wir weiterhin die Aktienmehrheit halten und OpenTV kontrollieren möchten. Die Kooperation zwischen unserer Conditional-Access-Sparte und OpenTV ist sehr aktiv und wir sind sehr erfreut über die gemeinsamen Entwicklungen.

Erwarten Sie hier eine baldige Lösung?

Kudelski: Wir bekennen uns zu langfristigem Erfolg und können hier sehr geduldig sein.